14.12.20

Eine Nummer gröber - Kai Lander

Es ist Mitte Mai, der Mond spiegelt sich glitzernd auf der leicht gekräuselten Wasseroberfläche in einer lauen Nacht wieder. Ich liege auf dem Bedchair, knapp vor der Wasserkante, bekomme kein Auge vor Aufregung zu. Ich will einen eventuellen Anbiss nicht verpassen – hier zählt jede Sekunde. Meine zwei Montagen liegen auf verkrautetem Boden der winzige Fraßlöcher aufweist – direkt vor Unterwasserholz. Die Bremsen der Rollen sind komplett zugedreht, keinen Millimeter geben diese frei. Im Morgengrauen gibt der Delkim zwei Piepser von sich. Die Ruten spitze wird leicht krumm, da bin ich auch schon an der Rute und mit dieser im Rückwärtsgang. Der Fisch schlägt sowas von brachial in den Blank, macht ordentlich Druck und Bumm – fest. Ich kann nur noch über viel Kraftaufwand, einen großen dicken Ast aus dem tiefen Wasser hoch trecken. Der Fisch hatte sich mit dem 12cm langem Vorfach um den Ast gewickelt und durch sein brachiales Gezerre ohne Puffer der Montage, ist der Haken geschlitzt. Die zweite Rute brachte noch einen Biss und dieser schlitzte mir ebenfalls - ich kotzte richtig ab. Hier musste ich eine Abänderung vornehmen.
Zwei Tage Später war ich erneut vor Ort. In meiner Tackle Box hatte ich extra noch Kurv Shank XX in Größe 2 & 4 hineingepackt. Die Montagen waren wie einige Tage zuvor: XT Snag Leader, 50lb Kable Leadcore, COG System, 30lb Kamo am Blow-Back Rig. Nur dieses Mal mit nachgeschliffene 4er Kurv XX. Durch seine Klauenform, den dicken Stahl und der langen Spitze, konnte hier nichts mehr schief gehen. Wenn dieses Eisen einmal gefasst hat, bekommt ihn so schnell kein Karpfen mehr los. Es ging alles gut: 5 Fische bis zum nächsten Vormittag, darunter auch ein richtiger Brecher, bescherten mir ein fettes Grinsen ins Gesicht. Der Hakensitz hielt den Belastungen Stand.

Andere Location, gleiche Umstände
Ein von Hitze geplagter Julitag, ich machte mich für zwei Nächte zu einem neuen Gewässer auf. Dieses Wasser sprudelte vor Hindernissen förmlich über. Ich ging keine Kompromisse ein und setzte von Beginn an auf die Kurv XX Haken mit starken Komponenten. Es lief gut, die Fische, die bissen, konnte ich unter Vollbelastung sicher in den Kescher bugsieren. Bis zu dem einen Moment, wo sich ein Fisch in einer Erlenkrone unter Wasser festschwamm. Das schwere, mit überdimensionalen Dreikantmuscheln überzogene Geäst zog ich mit hoch und sah den guten Fisch, der mit dem Vorfach direkt in dem Ast steckte. Nach einigem Gezerre wurde das Vorfach von den Mutanten-Muscheln aber endgültig durchgeschnitten. Das war herb, einen so guten Fisch zu verlieren und es hat mich richtig genervt. Die Muscheln waren einfach zu scharfkantig und das Material ist irgendwann an seinen Grenzen gestoßen. Seit dieser Situation kommt bei mir nur noch Kamo ab 50lb aufwärts als Vorfachmaterial unter solchen Bedingungen in Frage. In den folgenden Monaten habe ich mit dem groben 50lb Material keinen einzigen Fisch mehr an diesem Wasser einbüßen müssen und ich frage mich, warum ich nicht schon vorher auf das dicke Vorfach aufgerüstet habe. Manchmal wäre es ratsam gleich eine Nummer gröber zu wählen. Mir war es eine Lehre und ich kann euch an hindernisreichen Gewässern grobes Material nur ans Herz legen!

Kai Lander

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