24.11.16

Einer und alles ist gut - Nils Thönnes

Momentan überschlagen sich die Fangmeldungen in den sozialen Netzwerken förmlich, überall im Land beginnt das große Fressen. Auch ich versuche mein Glück, endlich ein paar der Baggersee Fische ans Band zu bekommen. Ich muss aber gestehen, es gestaltet sich hier momentan wirklich schwer. Der tiefe Baggersee ist teilweise noch stark verkrautet und die Fische haben natürliche Nahrung in Hülle und Fülle. Das von mir eingebrachte Futter wurde teilweise nicht mal angenommen, selbst nach zwei Tagen tauchten die Reiherenten noch nach meinen Boilies. Sowas ist ein ganz klares Zeichen, dass irgendwas ganz gewaltig schief läuft. Ich musste meine eigentliche Taktik, die letztes Jahr sogar ziemlich gut funktioniert hat, komplett umstellen! Letztes Jahr fütterte ich kurz vor dem Angeln, immer in unterschiedlichen Seeabschnitten, recht große Mengen an Boilies. Mehrere Fische in den Sessions waren immer drin, es lief also! Weil dieses Jahr, zumindest bisher, nur die Enten an meinem Futter interessiert waren, musste nach einigen Nächten ohne jegliche Aktion eine andere Lösung her.
Vom Kanal war ich kleine Futtermengen gewohnt. Oft kam ich dort mit gerade mal 500 Gramm Boilies über das Wochenende locker hin! Also stellte ich mich wieder auf die kleine Mengen Futter ein, sowohl beim Vorfüttern als auch beim Angeln. Ich fütterte mit 500 Gramm halbierten Boilies über mehrere Tage hinweg eine unter Wasser verlaufende Landzunge an, auf der ich drei Ruten in verschiedenen Tiefen platzieren konnte.

Als ich am Angeltag ankam, konnte ich keine Enten mehr tauchen sehen, ein gutes Zeichen! Beim Angeln setzte ich auf auffällige Köder. Wegen dem Bodenkraut was dort vorhanden ist, entschied ich mich bei der einen Rute für ein Naked Chod Rig. Wegen der großen Entfernungen die ich fische, kam ich mit dem Heli Safe System sehr gut aus. So konnte ich mein Choddy mit einem schweren Blei fischen, ohne Sorge haben zu müssen, dass ich den Fisch wegen des Bleies verliere. Die anderen Ruten wurden mit Schneemännern an ungefähr 30 cm langen Rigs beködert, bei denen grelle Pop Ups on top waren. Am Abend, als ich mit einem Kumpel telefoniert habe und von meinem bisherigen Blanktag berichtete, bekam ich einen zaghaften Biss auf die Choddy Rute, welche ich am Ende der Langzunge auf acht Metern fischte. Während des Drills war der Fisch recht träge, kurz vor dem Kescher gab es noch eine kurze Flucht, ehe er recht unspektakulär ins Netz glitt. Mein Plan war endlich aufgegangen und im Kescher befand sich ein toller Schuppi, dessen Ausmaße ich gar nicht wirklich wahrnahm weil ich in der Hektik zuvor meine Kopflampe vergaß. Ich konnte zwar sehen, dass der Fisch nicht klein ist aber auch nicht genau wie groß. Nachdem der Fisch kurz im Kescher verweilte schnappte ich mir meine Lampe und konnte endlich sehen was ich da gefangen hatte, der pralle helle Bauch des Fisches ließen mich nervös werden. Als ich den Fisch in der Schlinge aus dem Wasser hob, schätzte ich ihn locker über 20 Kilo. Beim Wiegen dann die Gewissheit, 24 Kilo und ein paar zerquetschte! Ist das krass?! Nacht fast zehn Nächten Blank so eine Granate! Die Nacht war für mich gelaufen und an Schlaf nicht mehr zu denken, dafür war ich nun zu aufgeregt. Die kurze, restliche Nacht verlief ruhig, aber ich war mit der Ausbeute mehr als zufrieden.
Manchmal kann es so einfach sein die Puzzleteile richtig zu legen, man muss sich nur trauen altbewährtes zu ändern, auch wenn es schwer fällt. Sicherlich ist es ungewohnt und auch nicht die Regel mit so wenig Futter an unter Umständen großen Gewässern erfolgreich zu sein. Gerade im Herbst, wo Futter eigentlich Macht ist, aber diese Taktik funktioniert bekanntermaßen auch an den großen Stauseen in Frankreich wie zum Beispiel dem Cassien. Wenn natürliche Nahrung noch im Überfluss vorhanden ist, kann man damit eventuell den Einen oder Anderen Fisch überlisten.
Allerdings ist es in den nächsten zwei Wochen bestimmt auch hier soweit, dass das meiste Kraut verschwunden ist und die Fische sich auf den anstehenden Winter vorbereiten müssen. Wenn die ersten Frosttage kommen, muss auch ich meine Taktik wieder umstellen und die grobe Kelle schwingen - mal sehen...

Nur wenige halbe Boilies

Mächtige 24 Kilo!

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