28.04.16

Einstand mit 28 Kilo - Simon Gehrlein

Während ich den Reißverschluss meines Schlafsacks noch ein kleines Stückchen höher ziehe und mich noch etwas tiefer unter meinen Schirm verkrieche, befinden sich meine Gedanken im flachen Wasser und kreisen langsam um meine beiden Rigs: Wie so oft fische ich mit Safe Zone Leader, Inlineblei und einem ca. 20cm langen Vorfach. Als Hakenköder habe ich mich für ein einzelnes Pop-Up Maiskorn entschieden. Ein 8er Kurv Shank XX reicht hier als Gegengewicht aus. Traumhaft wie auffällig - und zugleich unverdächtig - diese filigrane Attrappe aussieht. Ganz sicher wird diese Falle heute Nacht zuschnappen!

Das andere Vorfach habe ich mit einem Wafter - also einem schwerelosen Boilie - versehen. Auch dieser Köder liegt perfekt: Nur ein paar Millimeter über dem Grund versucht die 18mm Kugel nach oben aufzusteigen, wird jedoch ebenfalls von einem Kurv Shank XX (Größe 6) daran gehindert. Jede Sekunde wäre diese Kugel bereit, tief in einem schwarzen Loch zu verschwinden, wenn sich nur bald ein Abnehmer finden würde. Doch auch hier bin ich guter Dinge! Meine Gedanken kehren ans Ufer zurück und beginnen, das Wetter genauer unter die Lupe zu nehmen: Obwohl heute Vollmond ist, der Nordwind immer stärker wird und Deutschland heute Nacht von einer Kaltwetterfront überrollt werden soll, rechne ich mir gute Chancen aus. Immerhin fällt der Luftdruck doch recht deutlich! Zeitgleich hat das Wasser jetzt eine ideale Temperatur erreicht: Nicht zu kalt, dass der Stoffwechsel der Tiere auf Sparflamme läuft und nicht zu warm, sodass das Liebensspiel der Karpfen noch in weiter Ferne ist.

Schneller als gedacht meldet sich auch schon mein Bissanzeiger zu Wort. Der Wafter hat den richtigen Abnehmer gefunden: Einen Schuppi der Extraklasse! Leider sieht das Vorfach nach dem ruppigen, heftigen Drill im Holz recht mitgenommen aus und muss definitiv gewechselt werden. Zu allem Übel habe ich mir mal wieder viel zu wenige Rigs vorbereitet um muss mich jetzt mit einer eher eingeschränkten Auswahl begnügen. Da die Montage jedoch schnell wieder auf den Platz soll gebe ich einem eher untypischen Frühlingsköder eine Chance, der perfekt auf das Haar eines meiner letzten Rigs passt: Ein 24mm Sinker. Weitere Stunden vergehen. Mittlerweile ist es noch wesentlich kälter geworden und leichter Regen setzt ein. Ich kann mir jetzt gut vorstellen, dass keine weitere Aktion folgen wird. Zu krass war dieser Wetterumschwung. Als ich kurz darauf den berühmten Halbkreis in der Hand halte muss ich einsehen, dass eben doch nicht jeder Schritt der Karpfen durchschaubar, planbar oder vorhersehbar ist. Die Überraschung kommt wie gerufen: Ein schöner Spiegler hatte keinen Verdacht geschöpft und pickte zwischen den Maispellets das eingangs erwähnte Pop-Up Maiskorn heraus. Und ganz klassisch, wie in einem guten Märchen, folgt dann auch noch das Beste zum Schluss: Der 24mm verschwindet im wahrscheinlich größten Karpfenschlund des Sees. Nein, in einer bitterkalten Vollmondnacht habe ich damit nicht unbedingt gerechnet!


Kleiner Köder, kleiner, aber sau starker Haken.

Eine gute Wafterauswahl ist immer dabei.

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