22.12.16

Eisnächte - Johannes Braith

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Viele haben ihr Tackle bereits sicher verstaut und die Konnzentration liegt voll und ganz auf Glühwein, Weihnachtskeksen und der Familie. So nicht bei mir. Ich habe ein extrem anstrengendes Jahr mit Unmassen an Arbeit hinter mir. Neben meinem Masterstudium gründete ich mit zwei Freunden ein Startup. Glücklicherweise läuft das Business sehr gut und wir können mittlerweile 6 Leute bei uns anstellen. Natürlich kam ich die letzten Monate dementsprechend wenig ans Wasser. Meine Nächte am Ufer kann ich für 2016 an einer Hand abzählen. Doch das Licht am Ende des Tunnels ist bereits sichtbar und nacheinander fallen nun große Aufgabenbrocken weg. Meine Masterarbeit wurde abgegeben, die letzte Prüfung naht und das Business in meinem Startup pendelt sich schön langsam ein und wird planbarer. Kaum hatte ich eine kleine Verschnaufpause musste ich ans Wasser. Die letzten fischlosen Monate waren hart und ich brachte es meist nicht einmal übers Herz mir Fangbilder anzusehen. Mein offenes Zeitfenster musste ich nutzen, also plante ich mit meinem Kumpel Sebastian Steinhauser eine Session an einem schönen Waldteich. Leider ereilte uns am Abend vor der Abreise die Meldung, dass das Gewässer bereits zugefroren war und an Angeln nicht im Entferntesten zu denken war. Auf das Wetter konnte ich keine Rücksicht nehmen, also fragte ich mich solange durch bis ich ein offenes Gewässer ausfindig machen konnte.
Nach einigem hin und her hatten wir einen Plan B. Ich war happy, dass wir doch noch etwas gefunden hatten und auch die Wettervorhersagen für die darauffolgenden Tage ließen mich hoffen. Sebastian reiste bereits einen Tag vor mir an und fischte eine Nacht alleine. Als ich am Morgen darauf ankam, war der komplette Wald um den See zugefroren. Sebastian berichtete von einer extrem nebeligen Nacht ohne Fisch. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die Minusgrade war alles mit einer mystischen Eisschicht überzogen. Leider begann auch der See am Rand schön langsam zuzufrieren. Unbeirrt beköderte packte ich das Tackle aus und beköderte Meine Rigs. In der kalten Jahreszeit fische ich extrem simple Rigs mit kleinen Haken und kleinen ausbalancierten Ködern. In diesem Fall entschied ich mich für den Korda Kurv Shank in Größe 6, welchen ich mit einem Kicker bestückte. Im kalten Wasser verwende ich meist Hartmais und kleine Wafter. Ich suchte mit dem Echolot kleine Löcher und unauffällige Kanten zum tiefen Wasser und platzierte die Rigs vorsichtig am meist harten Grund. Sebastian und ich hatten uns lange nicht gesehen und so plauderten wir bei Glühwein einige Stunden bis die Sonne unterging. Ohne der Sonne war es gefühlte 20 Grad kälter und wir verkrochen uns in das geräumige Zelt inklusive Heizung. Sebastian war sich sicher, dass der See in der Nacht zufrieren würde. Bei knapp 5° und der Wettervorhersage von plus 1° in der Nacht wollte ich ihm allerdings nicht so recht glauben.
Doch leider behielt er Recht. Als ich in der Früh aus dem Zelt stieg, es ware gegen 7 Uhr, musste ich feststellen, dass der halbe See zugefroren war. Wir nutzten das Schlauchboot als Eisbrecher und befreiten unsere Montagen. Etwas enttäuscht ob der schlechten Wettervorhersage und des eisigen Wetters mussten wir das Angeln an dem See einstellen. Glücklicherweise liegen neben besagtem Gewässer auch noch ein paar weitere Teiche. Ich hatte Blut geleckt und schon so lange keinen Fisch mehr gefangen, dass an nach Hause fahren nicht zu denken war. Der Plan B wurde daher vom Plan C abgelöst und 90 Minuten später ruderte ich bereits auf dem Nachbargewässer auf der Suche nach tiefen Regionen, welche wir von unserem Swim beangeln konnten. Der Boden glich einer Mondlandschaft und es waren mehr interessante Spots zu finden als mir lieb war. Denn das machte die Entscheidung nicht unbedingt einfacher. Zu unserer linken Seite konnte ein Angler am vergangenen Tag sogar Fische fangen, was bei den Temperaturen wirklich beachtlich war. Dieser packte gerade zusammen und erzählte uns freundlicherweise von der Tiefe an der Region in welcher er Bisse bekam. Wir legten unsere Ruten zwischen 4 und 6 Metern Wassertiefe, meist am Fuße von Kanten, ab. An dem Tag kam die Sonne noch einmal hervor und wir konnten unsere angefroren Füße wärmen. Die Sonne war herrlich, doch sie brachte keinen Fisch. Erst als sie hinter dem dunklen Wald verschwand und der Frost zurück kam, klopfte mein Stow Indicator an den Rutenblank. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich saß im Boot und drillte einen Karpfen. Dieses Gefühl, verbunden mit jedem einzelnen Handgriff war so selbstverständlich und intuitiv und erfüllte mich mit unermesslichen Glücksgefühlen. Nach einem kurzen, unspektakulären Drill war der goldene Fisch bereits in meinem Kescher und ich ruderte mit klammen Fingern zurück zum Ufer. Dort wartete bereits Sebastian und leuchtete mir den Weg. Wir freuten uns beide mega über den Fang und ließen den Fisch nach einem kurzen Foto wieder in sein eisiges Element. Kaum waren meine Finger wieder nahe der normalen Körpertemperatur lief die gleiche Rute nochmal ab. Die Rute lag keine Stunde und schon wurde der Mainline Wafter wieder genommen. Diesmal war es ein knallgelber Spiegler, der uns einen Besuch abstatte. Ziemlich angefroren legten wir uns in unsere warmen Schlafsäcke. Im Zelt war es warm und die Nacht musste keiner mehr hinaus in die Kälte. Am letzten Morgen genossen wir noch die wärmenden Sonnenstrahlen in unserer Eiswelt bevor wir auch die letzten Ruten aus dem Wasser holten. Ja, für viele hat die Saison bereits geendet, doch für mich fängt sie gerade erst an! Ich freue mich bereits jetzt auf weitere Wintersessions.
Grüße
Johannes

Eisiges Unterfangen...

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