15.06.15

Elders Update 10 - hartes Brot am Krautsee

Nils Elders ist jede Woche am Wasser, mindestens eine Nacht. Und immer dabei ist seine Nikon. Nils hat ein Auge für gute Fotos und ein Händchen für Sprache. In seiner Kolumne „Elders Update“ kommt er ab jetzt regelmäßig zu Wort. Wir dürfen uns auf schöne Bilder und kurzweilige Texte freuen:

Nach unserem ersten weniger erfolgreichen Kurztrip über Ostern, ging mit dem langen Pfingstwochenende unsere Frankreich-Mission nun in die zweite Runde. Endlich einen dieser tollen charakteristischen Nordfranzosen auf den Armen halten. Das sollte doch nicht so schwer sein dachten wir. Nur wenige Autostunden von Zuhause entfernt, bieten sich hier fast grenzenlose Möglichkeiten für ein schnelles Kurzabenteuer. Verrückt wie wir halt sind, hatten wir uns auch diesmal wieder keineswegs mit einem leichten Wasser begnügt. Das sollten wir allerdings auch schnell zu spüren bekommen.

Recherchen zufolge schwammen im auserwählten, öffentlichen 30ha Pool zwar einige richtige Granaten, doch auf solche Fische haben es dann auch eben doch nicht nur wir 2 verrückten Deutschen abgesehen. Obwohl Micha und ich extra Mittwochs nachts, weit vor dem Pfingstwochenende aufbrachen, und noch vor Sonnenaufgang am See waren, mussten wir ernüchternd feststellen, dass trotzdem bereits die halbe französische Szene dort aufgetackelt und mit ihren Geländewagen so gut wie jeden Platz eingenommen hatte. Mist! Irgendwie dann aber auch doch nicht verwunderlich. Man darf die Kraft der Kilos eben nicht unterschätzen und obendrein, schön war der See, nachdem der dichte Morgennebel ihn enthüllte, mit all seinen Buchten und Inselchen nebenbei auch. Das Feuer in uns loderte, wir konnten nicht anders als zu bleiben... So beluden wir die Boote und erst einmal rauf aufs Wasser. Die B und C- Plätze sind an solchen Seen ja ohnehin oft besser als der erste Schein, da eben alle Angler erst einmal die augenscheinlich besten Plätze befischen und sich Fische gerne mal in die meist vernachlässigte Bucht zurückziehen.

Wir steuerten kurzerhand einen überfluteten Wald an, wo wir uns auf einer schmalen Zunge, die so grade eben aus dem Wasser ragte, niederließen. Diesen Platz hatte hier garantiert keiner auf dem Schirm, da dieser Streifen vom Wasser aus betrachtet niemals so aussah, ob dort ein Zelt hinpasste. Tat es aber und das Angeln konnte beginnen. Mit reichlich Zeit im Gepäck verbrachten wir fast den gesamten ersten Tag auf dem Wasser und machten die gründlichste Location aller Zeiten. Der erste Befund war ernüchternd, Kraut soweit das Auge reichte. Erst nach Stunden konnte ich zwischen 2 Inseln einen kleinen freien Fleck mit sandigem Muschelboden und frischen Wühlspuren ausmachen. Die harte Arbeit schien sich gelohnt zu haben. Ich fütterte und legte standardmäßig erst mal einen Snowman darauf ab. Die anderen Ruten setzte ich ohne Futter, nur mit stark in Goo gesoakten Popups, in winzige Fraßlöcher ins Kraut.

Prompt fing ich darauf eine fette Schleie. Und es sollte nicht die letzte Schleie sein. Sie schienen die attraktiven Happen ebenso zu lieben, wie die Karpfen es tun. Leider wurde schnell klar, dass sämtliche Fraslöcher, die ich gefunden hatte, wohl auch wirklich nur das Werk von Schleien waren.. Ich konzentrierte mich also wieder auf das tiefere Wasser zwischen den Inseln. Am nächsten Morgen rollten in diesem Bereich auch gleich mehrere gute Fische und als ich die Kamera auf den Spod herunterließ, traute ich meinen Augen nicht! Nichts, absolut gar nichts mehr da von meinem Futter. Der Platz war völlig leer gefegt. Mein Rig musste schlecht gelegen haben, dachte ich. Vermutlich in einem der wenigen Pflanzenreste, die sich noch auf dem Spot befanden. Oder hatte ich beim Zurückrudern die Montage doch etwas verzogen? Naja egal! Es blieben ja noch 2 weitere Nächte am See, und immer wieder rollten Fische in meinem Areal. Die Bedingungen waren perfekt. Ich legte neu und erhöhte diesmal die Futterration deutlich. Diesmal würde es klappen, da war ich mir sicher. Sie waren ja da.
Am nächsten Morgen wieder die Ernüchterung. Zwei kurze Pieper die Nacht, sonst nichts. Was machte ich falsch? Mein Longshankrig funktionierte doch eigentlich immer und überall! Und tatsächlich die Kontrolle des Platzes zeigte, dass wieder alles Futter weg war.

Die Fische kannten sich aus, soviel stand fest. Snowmans und bunte Popups waren wahrscheinlich längst kein Lockmittel mehr für sie. Vielmehr der freundliche Hinweis, Hallo! Hier liegt der Haken! Den Rest könnt Ihr fressen! Ich musste tiefer in die Trickkiste greifen. Die letzte Nacht stand bevor und es musste doch irgendwie noch möglich sein, einen Karpfen aus dem See zu ziehen. Meine Wahl fiel auf eine einzelne Tigernuss am Kd-rig. Ich band einen 8er Kurvshank ans weiche Supernatural und balancierte die Nuss mit etwas Kork so aus, dass sie nur durch ein winziges Bleischrot gehalten wurde. Meine Nüsse waren die letzten Tage immer arglos gefressen worden, und unauffälliger konnte doch ein Rig wirklich nicht mehr aussehen!

Und tatsächlich. Wir waren gerade mit dem Braten eines fetten saftigen Burgers beschäftigt, als sich meine Rute mit Dauerton meldete. Yes. Das war garantiert keine Schleie. Und so landete ich auf den letzten Drücker tatsächlich noch meinen Nordfranzosen. Schon öfter habe ich über den Scheucheffekt unserer so geliebten Snowmans an stark befischten Seen nachgedacht, doch wie so oft hat es erst bei diesem Trip so richtig klick gemacht.

Mir hat dieser Trip wiedereinmal gezeigt, das Vertrauen zwar wichtig ist, man jedoch dennoch nur weiterkommt, wenn man sein Handeln, egal wie viel Erfolg es bereits gebracht hat, immer wieder von Neuem in Frage stellt.
Tight Lines Nils


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