31.08.15

Elders Update 11 - Wink des Schicksals

Nils Elders ist jede Woche am Wasser, mindestens eine Nacht. Und immer dabei ist seine Nikon. Nils hat ein Auge für gute Fotos und ein Händchen für Sprache. In seiner Kolumne „Elders Update“ kommt er ab jetzt regelmäßig zu Wort. Wir dürfen uns auf schöne Bilder und kurzweilige Texte freuen:

Es ist bereits kurz vor Mitternacht, die Kohle des Einweggrills glimmt noch leicht und noch immer liegt ein Hauch von Grillgeruch in der lauen Sommerluft. Vom gegenüberliegenden Ufer schallt Partymusik, rechts neben mir sitzen zwei Aalangler und unterhalten sich lautstark. Es herrscht ordentlich Betrieb am Vereinsteich, an dem ich zu dieser Zeit genau deshalb eigentlich selten sitze. Die Umstände jedoch, unter anderem, das mein Boot als Leihgabe im Süden Frankreichs gerade ohne mich seine Kreise dreht, haben eine spontane Nacht hier ergeben.

Den Grashalm im Mund lehne ich mich entspannt zurück und lausche den springenden Fischen. Überall in der Nähe meines Spots, an dem ich am Vortag eine gute Portion meiner Boilies gestickt hatte, buckelt und klatscht es in regelmäßigen Abständen. Ein gutes Zeichen. Ich bleibe dicht an den Ruten, den der Platz den ich von meiner Winterangelei gut kenne, ist übersät mit Hindernissen. Bremse zu und auf der Stelle rückwärts laufen ist hier angesagt, sobald die Ruten-spitze sich bewegt. Plötzlich ein Piepser. Ich springe auf und will zur Rute greifen, doch beide Ruten vor mir verharren ohne Bewegung. Etwas verdutzt fällt mir die dritte Rute wieder ein. Diese hatte ich zuvor, schon beinahe etwas lustlos auf das kleine Plato zu meiner linken geschlenkert, welches bisher allerdings noch nie Fisch gebracht hatte. Dem Einzelpiepser gefolgt, lief sie nun mit Dauerton ab. Ich spurtete los. Nach wenigen Metern verstummte jedoch das Geräusch. Was war passiert? Am Platz angekommen sah ich es. Die Schnur zeigte direkt in das Gebüsch am Ufer. Hätte ich mir eigentlich denken müssen! dieser Schweinehund! Im Winter sah hier alles weniger dicht und gefährlich aus. Weder ziehen noch rucken half. Er hatte sich vollkommen festgesetzt. Sch***e! Zwei kleine Fledermäuse umkreisten meinen Kopf und ihr leises Zirpen klang fast wie Gelächter. Das konnte ich mir doch nicht gefallen lassen! Warum schwimmt dieser Fisch ausgerechnet in diesen Busch? Im Schein der Kopflampe meinte ich einige Zweige zu erkennen, die sich im Wasser bewegten. Kurzerhand schlüpfte ich aus meinen Klamotten und sprang mit dem Kescher in der Hand in den See.

Das sperrige Ding voraus, versuchte ich zuerst am Strauch vorbeizulaufen, musste aber schnell feststellen wie tief es dort tatsächlich schon war. Jetzt ergab es auch Sinn, dass der Fisch dort rein geschwommen war. Ich hatte das Gesträuch wohl etwas unterschätzt! Etwas unbeholfen schwamm ich nun, völlig im dunkeln in das Geäst wo ich den Fisch vermutete, und spürte ihn auch irgendwann ganz kurz an meinem Arm. Als ich paddelnd und prustend versuchte das Netz unter ihn zu bugsieren, explodierte das Wasser vor meiner Nase und ich sah im Schwall, wie er ins offene Wasser flüchtete. Das wars, dachte Ich, doch kurz darauf hörte ich den Freilauf meiner Rolle am Ufer surren. Die Schnur schien sich wieder etwas gelöst zu haben. Hastig fuchtelte ich in den Zweigen nach Ihr, verlor dabei einen meiner Crocs die ich als einziges wieder angezogen hatte, und schluckte einige Male ordentlich Wasser. Dann fing sie schließlich tatsächlich mit den Füßen irgendwie ein. Mit etwas Glück hatte ich nun Schnur, und auch den herumtreibenden Kescher wieder eingefangen, und bemühte mich unter gelegentlicher Schnappatmung, nur mit den Füßen schwimmend, wieder Richtung Ufer zu gelangen um wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Es gelang mir und so drillte ich nun von Hand den Fisch, der soeben noch schier unlösbar im Geäst gehangen hatte. Als ich ihn tatsächlich irgendwann im Kescher hatte traute ich meinen Augen nicht. Dort lag eins der am sehnsüchtigsten gejagten Puzzelteile meiner Winterangelei. Der Fastzeiler! Ein absolutes Schmuckstück, das mir bislang immer vergönnt geblieben war. Welch schicksalhafter Zufall, und was für ein toller und zugleich verrückter Moment. Die spontane Ausweichnacht und die Planscherei hatte sich wirklich gelohnt. Ein breites Grinsen im Gesicht kletterte ich pudelnackt mit meiner Beute aus dem See. Auf meinem Futterplatz drehten die Fische in dieser Nacht noch völlig durch. Deutlich professioneller als zuvor konnte ich einen weiteren tollen Seebewohner nach dem anderen sicher vor dem Hindernis wegziehen. Insgesamt verzeichnete ich 11 Läufe. Unter anderem den Top-Schuppie des Sees. Danke Schicksaal und ein Hoch auf das Sommerloch!

Für den Winter muss ich mir dann wohl ein paar neue Ziele ausdenken.
Doch bis dahin ist ja noch etwas hin.
Tight Lines Nils

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