17.05.17

Elders Update 17 - stalk it like Elders

Es ist Donnerstagnachmittag. Das angekündigt frühlingshafte Wochenende bereits fest im Visier, sitze ich etwas dösig im Labor und widme mich meiner täglichen Arbeit. Draußen zwitschern lautstark die Vögel und erste Mückeschwärme flirren im leichten Licht über der noch kargen Buchenhecke! Das Wetter ist endlich einmal so richtig frühlingshaft, und tatsächlich fällt es mir ein wenig schwer mich gedanklich nicht komplett in das bevorstehende Wochenende zu verlieren. Wirklich feste Pläne habe ich allerdings bislang keine! Etwas unsanft werde ich aus meinen Träumereien geweckt. Das Telefon klingelt! Mein Gesprächspartner ist diesmal jedoch kein Kunde, sondern vielmehr einer meiner Angelfreunde! „Wie sieht´s aus Nils? Bock auf ein spontanes Wochenende in Frankreich?“ Fünf Minuten später komme ich mit einem breiten Grinsen und 2 Urlaubstagen weniger aus dem Büro meines Chefs... Früh am Freitag morgen sitze ich dann bereits mit meinem Freund Jan im Auto Richtung Frankreich. Im Gepäck nicht sonderlich viel! Oben auf die leichten Stalkingruten, ein wenig Futter, aber vor allem haufenweise auffällige Popups, sowie das ein oder andere extra Fläschchen Goo! Viel füttern wollen wir nicht! Die 3 bevorstehenden Tage, wollen wir möglichst flexibel angehen, und das anglerische Hauptaugenmerk auf aktives Suchen und Anwerfen von Fischen verwenden! Unser Ziel, ein flaches Gewässer im Norden Frankreichs. Gerade mal 4 Autostunden von Zuhause entfernt, und gespickt mit unzähligen flachen Buchten und Ausläufern in denen sich ziemlich sicher einige Fische bei diesem Wetter aufhalten dürften. Es ist kurz nach 10Uhr. An der letzten Abfahrt haben wir uns noch eben mit Baguette, Kronenbourg und einigen anderen regionalen Köstlichkeiten eingedeckt. Fabelhafte Frühlingssonne begrüßt uns, als wir einige Kaffee und Croissants später das erste mal das angepeilte Wasser am Ende des schmalen Kiesweges erblicken. Ein herrliches Gefühl! Und genau jetzt durch die Kraft der ersten richtigen Sonne, scheint die Natur erst überall so richtig zu erwachen und wir Glückspilze haben 3 ganze Tage Zeit dies in vollen Zügen zu genießen! Timing! Mit der Polbrille auf der Nase verschwenden wir keine Zeit, und kämpfen uns zu Fuß durch die Sträucher der flachen Buchten. Teilweise reichen hier die flachen Einbuchtungen fast 80m in diese Sträucher hinein. Ein Grabenmeer, umwachsen von dichtem Gestrüpp, und zusätzlich gespickt von einigen umgestürzten Bäumen. Eine recht skurrile Location, die aber ideale Rückzugsmöglichkeiten für die Fische bietet! Im zeitigen Frühjahr erwärmen sich solche ruhigen flachen Bereiche zuerst, und sind somit das ideale Anlaufziel für unsere spontane Tour! Hier müssen einfach irgendwo Fische sein! Und tatsächlich. Lange dauert es nicht bis wir in einer der besonders unzugänglichen Buchten einige Fische im Gehölz ausmachen können. Bingo! Hier stört sie zudem vermutlich selten einer! Viel zu dicht ist das Gebüsch um diesen Teil der unauffälligen kleinen Bucht! Das wird spannend! Mit klopfendem Herz krieche ich auf allen Vieren aus dem Gebüsch und wir beeilen uns die Ruten fertig zu machen! Wenige Minuten und einige Kratzer sowie Brennesselstiche spätere, bin ich mit der 10ft Rute in der Hand zurück am Busch. In der Hosentasche eine Dose meiner frisch gegooten Lieblings-poppies. Fluosquid im knalligen Pink! Mein Herz klopft gewaltig! Noch immer kann ich durch die Polbrille mindestens 3 Fische vor mir ausmachen, die seelenruhig in einem Geflecht aus Ästen und Wurzeln stehen! Doch aus dieser Position lassen sie sich unmöglich anangeln! Das manövrieren mit der Rute durch das dichte Ufergehölz ist heikel. In keinem Fall will ich durch das Gekrachsel die gesichteten Fische vor mir verschrecken. Besonnen ziehe ich mich erneut zurück , und umwandere die Bucht erst einmal. Tatsächlich finde ich auf der anderen Seite eine kleine Lücke aus der ich immerhin einen Pendelwurf in die Nähe der Fische wagen kann, und auch der Winkel zum Gehölz verspricht einen realistische Chance. Mit einem sanften Flooap landet mein gecrimptes Hingedrig samt pink leuchtendem Popie zwischen den Sträuchern. Der Aufschlag kommt zügig, aber deutlich gedämpft. Das Wasser ist also wirklich nicht tief hier. Vom Gefühl her vielleicht knapp 90cm. Der Boden weich, möglicherweise mit leichtem Kraut bedeckt! Mit der Wahl des etwas länger gecrimpeten hinged Rig habe ich also vermutlich das richtige Bachgefühl bewiesen! Mein Köder soll schließlich ohne Beifutter den möglichst größten visuellen Reiz erzielen, und das tut er nicht wenn er zu kurz präsentiert im Schlamm oder Kraut verschwindet! Auch Jan legt vorsichtig eine Rute unweit meiner, und zuversichtlich köpfen wir im frischen saftigen Gras das erste Kronenbourg. Wir sind schließlich auch zum Entspannen hergekommen! Ein paar genüssliche Schlücke aus dem stylischen grünen Kultfläschchen später, machen wir uns dann aber doch abwechselnd auf den Weg, auch die anderen Bereiche ein wenig zu erkunden! Wir sind einfach zu heiß aufs Angeln, als die kostbare Zeit gleich zu Beginn nur mit Bier trinken zu vertrödeln! Außerdem wollen wir am Anfang der Bucht ja noch unsere Zelte aufstellen, und dort ganz dezent ein wenig Futter verteilen, um auch Fische die Nachts die Bucht eventuell verlassen, mit Futter zu konfrontieren. Wir sind euphorisch. Immerhin haben wir ja bereits Fische gefunden, in deren unmittelbarer Nähe wir nun angeln. Auch die anderen Optionen die wir erschlossen haben, wirken vielversprechend! Wir sind gerade dabei einige dezent bemessene Hände Tigernüsse und gecrushte Boilies am Anfang der Bucht zu verteilen, als sich meine Funkbox aus der Hosentasche meldet.....Die Buschrute! Sofort spurte ich los! In rekordverdächtiger Zeit hechte ich in das Gestrüpp, und stehe wenig später mit gekrümmter Rute in der Hand in der schmalen Lücke! Der Fisch ist zum Glück direkt von den Wurzeln in den gegenüberliegenden Busch geflüchtet, in dessen dünnen Zweigen er sich jetzt austobt! Das Blei hat sich vorbildlich aus dem Leadclip gelöst, wodurch der Fisch unverzüglich an die Oberfläche gekommen ist! Die Zweige des Busches wackeln, aber scheinen meinem Kontrahenten dennoch nicht genügend Widerstand zu bieten, sich dort festzusetzen! PUH! Glück gehabt. Das flache Wasser vor dem Busch ist durch die Flossenschläge des Fisches bereits stark getrübt, und gibt mir erneut einen Eindruck wie verschlammt der Boden dort tatsächlich ist! Einige Minuten später gleitet ein prächtiger Schuppie, garniert mit einer ordentlichen Portion Kraut in meinen Kescher, was wir gebührend abfeiern! Manchmal kann es so einfach sein! Sind die Fische einmal gefunden, ist der Rest meist Routine! Bis zum Abend können wir noch 2 weitere Karpfen, und einen halbstarken Wels einnetzten, und wir beschließen uns bis zum Morgen vorerst aus dem Busch zurückzuziehen. So kann sich der Platz über Nacht beruhigen, und wir riskieren in der Dunkelheit keine unnötigen Schwierigkeiten mit den Hindernissen! Bei gutem Fleisch und kaltem Bier lassen wir den Abend am Fuße der Bucht gebührend ausklingen und lauschen den Eulen und Fledermäusen über unseren Köpfen.

Diese Zeit des Jahres...

Subbraid auf den Rollen

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einem klangvollen Vogelkonzert der Extraklasse! Es ist erst kurz nach 6.00Uhr. Dichter Nebel liegt über dem Flachlandsee, und die Atmosphäre lockt selbst mich, den totalen Morgenmuffel mal wieder früh aus meinem Tempest. Die Nacht vor der Bucht ist ruhig verlaufen, und so beeile ich mich erst einmal meine Stalkingrute erneut für den Buscheinsatz zu präparieren, bevor ich mit dem Kaffee kochen beginne! Der kleine pinke Popup ist schnell befestigt, und wieder akkurat vor den Busch geschlenzt. Die Eisen sind im Feuer, noch bevor die Sonne ihre ersten Strahlen durch die Nebelschwaden schieben kann! Es ist schon fast kitschig! Ich sitze mit meinem frisch gebrühtem Kaffee auf meinem Stuhl und schaue mir dieses grandiose Schauspiel von Licht und dampfendem Nebel an. Ein Reiher landet krächzend auf dem Ast, der am gegenüberliegenden Ufer aus dem Wasser ragt, während vor meinen Füßen die Wasserläufer ihren ganz persönlichen Sonnentanz veranstalten! Um mich herum ist alles überzogen von unzähligen kleinen Raureiftropfen, die im spärlichen Licht zu funkeln beginnen. Zweifelsfrei einer dieser goldenen, fast magischen Momente die unser Hobby erst zu dem machen was es ist. Nachdem Jan vom Duft des Kaffees geweckt, sich ebenfalls zu mir in die Sonne gesellt, beginnen wir mit einem wirklich Urlaubs-würdigen Frühstücksmahl. Wir haben gerade die Rühreier in der Pfanne, als sich meine Funke mit schrillem Dauerton meldet! Rote Diode! Wieder die Buschrute! Unverzüglich springe ich auf, ein Teil des Rühreis landet im hohen Bogen im Gras, und ehe ich mich versehe bin ich erneut in den Busch gestolpert und halte so gut es geht die Fluchten eines gar nicht mal schlecht wirkenden Fisches ab! Diese verteufelten kleinen pinken Squid Dinger! Sie laufen einfach überall! Der Drill beginnt kniffelig! Mehrfach muss ich die Schnur mit dem Kescherstab aus den Wurzeln befreien, und als ich dann endlich dieses krautige Etwas im Kescher habe, bin ich verkratzt und nass bis auf Unterhose! Das ist Angeln mit ganzem Körpereinsatz, doch es hat sich gelohnt! Nachdem wir den Fisch wenig später aus dem Gestrüpp bugsiert haben, pendelt sich der Zeiger meiner Waage bei 17 kg ein. Baboooom wie mein Freund Micha zu sagen pflegt! Wir freuen uns tierisch. So kann ein Tag doch gerne starten! Nachdem wir den Spiegler mit der herrlichen Apfelschuppe versorgt und fotografiert haben, gibt es dann endlich Rührei! Der weitere Tagesverlauf entwickelt sich großartig! Die Frühlingssonne entfaltet ihre ganze Kraft und mittags pirschen wir tatsächlich bereits zum ersten Mal im T-shirt um die Buchten! Alles fühlt sich blendend an, und mit all unseren Sinnen saugen wir die Eindrücke der erwachenden Natur in uns auf! Wir angeln uns in einen regelrechten Flow! Es sind einfach diese Tage an denen urplötzlich mal wieder alles zu stimmen scheint. Neben dem idealen Timinng fürs Wetter, haben wir das große Glück, die Fische in unserem relativ knappen Zeitfenster, wirklich unfassbar schnell gefunden zu haben. Mehr braucht es neben ein bisschen Erfahrung und Vertrauen in sein eigenes Angeln nicht für eine gelungene Session! Bis zum Abend können wir uns noch 3 weitere tolle Fische erarbeiten, die wir ebenfalls alle auf auffällige kleine Popups aus den Gräben stalken! Never change a running System! Rundum zufrieden lassen wir den Abend erneut bei kaltem Kronenbourg und gutem Grillgut ausklingen, bevor die am nächsten Tag den Kurztripp mit ein paar weiteren tollen Fischen bei strahlender Frühlingssonne vollenden.
Manchmal kann Angeln so einfach sein!
Tight Lines Nils

Unschlagbar, Hinge Rigs!

Gecrimpte Hinge Rigs - schnell und sicher

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