27.06.16

Feucht-fröhlich - Max Brodehl

Was gibt es schöneres als morgens um 05:30 Uhr völlig schlaftrunken mit vollgelaufener Wathose sich durch das Gestrüpp am Ufer zu wurschteln, mit der Hoffnung den Fisch am anderen Ende der Leine aus dem Holz zu buxieren? Die Antwort: VIELES!
Aber der Reihe nach.
Endlich ging es nach einer Woche Pause für mich mal wieder ans Wasser. Bedingt durch den Job und private Projekte beschränkt sich meine derzeitige Angelei auf kurze Nächte an Gewässern mit gutem Fischbestand. Meine momentane Situation lässt eine Angelei an den „Lowstocks“, „Männergewässern“ oder wie die sonstigen ultra krassen Herausforderungen derzeit in der Karpfenangelszene betitelt werden einfach nicht zu. Lieber verbringe ich die ohnehin schon knappe Zeit an Gewässern mit vernünftigen Fischbestand und der Chance den einen oder anderen Seebewohner ans Band zu bekommen. Geht der Plan auf, so bin ich zufrieden. Das ist mir lieber als meine Blanks aufgrund eines ultra Hardcore Gewässer zu rechtfertigen. Mir an schwierigen Flüssen oder Seen die Zähne ausbeißen, nach einem Blank frustriert einpacken und auf die nächste Chance am kommenden Wochenende hoffen? Nein, danach ist mir momentan nicht. Das habe ich jetzt einige Jahre hinter mir und verzichte derzeit gerne drauf.
So saß ich also nach der Arbeit an meinem vorbereiteten Angelplatz, warf die eingeclippten Ruten an die Spots und genoss den Anblick auf den spiegelglatten See mit einer heißen Tasse Kaffee in der Hand. Wie so oft in den letzten Tagen waren Schauer und kleinere Gewitter gemeldet. Glücklicherweise blieb ich von Blitz und Donner verschont. Aber zu regnen begann es trotzdem mehrfach. Durch das Vordach meines M3 konnte ich gemütlich im Zelt sitzen und oben aus der Tür (à la letterbox) Fischaktivitäten beobachten. Ich hatte ein gutes Gefühl.
Gegen Mitternacht bekam ich einen Biss auf meine Rute mit einem selbstgerollten Wafter. Der Fisch flüchtete zunächst in das tiefe Freiwasser – soweit so gut. Doch als ich Meter um Meter gewinne, entschloss sich mein Gegenüber das Totholz rechts und links von meiner Angelstelle aufzusuchen. Immer wieder gelang es mir den Fisch von den Büschen fernzuhalten. Ich ließ bewusst die Kopflampe aus, um den Flossenträger nicht noch hysterischer zu machen. Meine Schnur tauchte fast senkrecht vor mir ins Wasser. Weit konnte mein Gegenüber nicht mehr sein. Doch er klebte nahezu am Gewässergrund. Plötzlich ein kräftiger Ruck und die Schnur erschlaffte – geschlitzt.
Verfluchte #!@?+%? Es half nichts. Auch wenn ich dem Mistvieh am liebsten die Rute hinterher geschmissen hätte, beköderte ich sie neu und warf sie wieder an den Spot. Morgens gegen 05:00 Uhr lief die Rute erneut ab. Als ob der Zwillingsbruder am anderen Ende der Leine hing, wiederholte sich das Szenario aus der Mitternachtsaktion. Doch dieses Mal schwamm sich der Bursche im Gestrüpp fest. Immer wieder spürte ich Kopfschläge und zugleich das Reiben über ein Hindernis. Das Selbstvertrauen nach dem verlorenen Fisch war natürlich im Keller und mir ging ganz schön die Düse. Aber noch bestand die Chance den Fisch zu landen. Ich zog die Wathose an, begab mich ins Wasser und versuchte den Fisch aus dem Geäst zu buxieren. Ein Moment der Unachtsamkeit und ich rutsche auf dem glatten und steil abfallenden Lehmboden aus. Natürlich lief die Wathose voll mit Wasser. Doch während mir das Wasser die Kimme runterlief, mir das Geäst im Gesicht rumfuchtelt und es inzwischen auch wieder angefangen hatte zu regnen, registrierte ich, wie sich die Schnur aus dem Hindernis löste und der Fisch wieder ins Freiwasser schwamm. Ich lief wieder Richtung Ufer und konnte den Schuppi letztendlich keschern. YES!!!!
Ich war überglücklich und zufrieden – und total durchnässt. Wasser trocknet schnell, aber meine Zufriedenheit über diese Aktion bleibt erhalten. Ich bin mir sicher, dass ich früher oder später auch wieder eine Herausforderungen suchen werde – aber erst dann, wenn es passt und wieder die nötige Zeit und der Drive vorhanden ist. Momentan möchte ich einfach angeln – ja, einfach zufrieden Angeln gehen.
Viel Erfolg am Wasser
Max Brodehl

Dafür verliere ich nie den Blick

Alles nass, ja, alles, auch Matte und Kescher :-)

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