27.08.19

Französische Freiheit - Niklas Schröder

Endlich ist es soweit, die letzte Klausur ist geschrieben und nun steht mein lang ersehnter Jahresurlaub vor der Tür. Noch nie bin ich in der ersten Jahreshälfte so selten ans Wasser gekommen, ein Doppelsemester lässt grüßen. Umso mehr überkam mich ein Gefühl von einer Mischung aus purer Euphorie und Abenteuerlust, als wir nach der gut 1700km langen Anreise an den Ufern eines großen Stausees mit türkisblauem Wasser tief im Süden Frankreichs stehen. Es war Vollstau, die Ufer überflutet. Büsche und Bäume ragen rings herum aus dem Wasser, die Aura dieses Sees ist verdammt carpy. Unser Plan war es, eine der Inseln zu beziehen, da wir von hier aus in alle Himmelsrichtungen fischen konnten und die Strukturen recht unterschiedlich waren. Das war für uns sehr wichtig, denn wir planten einen kleinen Social zu viert mit zwei anderen Freunden, die im Laufe der Woche anreisen würden. Die Möglichkeit, gemeinsam loszuziehen, ergab sich das letzte Mal vor über 2 Jahren. 

Es war mittlerweile später Nachmittag, als wir endlich die Insel beziehen konnten. Die erste Nacht haben wir auf dem gegenüberliegenden Eiland verbracht, zwei freundliche Franzosen saßen noch auf unserem auserkorenen Platz, aber wechselten am Folgetag aufs Festland. Sie hatten nahezu nichts gefangen. Die Insel war also frei, aber ist das jetzt ein gutes oder schlechtes Zeichen?



Im Paradies

Langsam rudernd schob ich mich in meiner Falte durchs Wasser, um Location zu machen. Mein Bereich bot mir viele Möglichkeiten: Im Wasser stehende Bäume, große Krautfelder und eine alte Straße, um nur ein paar Features zu nennen. Fische konnte ich keine finden und so verteilte ich meine Ruten nach Bauchgefühl an verschiedenen Spots. Während ich mit der letzten Rute zum Camp zurück ruderte, ertönte auf einmal mein Bissanzeiger: Wir fuhren wir im Eiltempo dem Fisch entgegen, ich hatte die Rute erst eine halbe Stunde zuvor mit zwei Händen Tigers und Hanf zwischen den Bäumen abgelegt, ein riskanter Spot. Ich wurde zunehmend nervös und war umso erleichterter, als sich die Maschen um den Fisch schlossen. Was ein Einstand! Von nun an bekamen wir konstant und vor allem viele Bisse, aber ein ganz Dicker fehlte noch auf der SD-Karte.   



Der Tag der Tage



Es war der Abend vor der vierten Nacht, den Nachmittag über hatte es kräftig gewittert und gestürmt. Der Luftdruck war schon einige Tage konstant. In jener Nacht würde es gewaltig scheppern, da waren wir uns sicher. Noch nie zuvor verspürte ich eine derartige Sicherheit, so intensiv und irgendwie real. Tatsächlich rappelte es, nur nicht so wie erhofft: Die Waller hatten uns in einer schlaflosen Nacht heimgesucht. Doch was am Vormittag dann passierte, werde ich wohl nie vergessen. Auf einen kleinen Halbzeiler bei mir folgte ein brachialer Run bei Adrian, wir rechneten fest mit einem Waller. Was dann auf einmal im Kescher war, konnten wir beide kaum glauben. Ein bestimmt ein Meter langer, schlanker Fully! Noch während des Fotografierens lief bei mir der nächste ab, ein Zeiler von gleicher Statur und kurz darauf lag dann dieser eine Fisch auf der Matte, ein Spiegler mit satten 25kg für Adrian! Wir waren überwältigt, das alles innerhalb von nur 4h! 

Es vergingen ein paar Tage und es lief verdammt gut. Aber irgendwie wurde es Zeit für Neues, wir hatten Hunger auf mehr. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht verließen wir schließlich unser Paradies. Wir wollten Abenteuer erleben, und das taten wir auch. 

Bis dahin und tight lines, Niklas

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