02.01.18

Frostige Nacht - Johannes Braith

Dichte Nebelschwaden, Frost auf den Blanks und Bissanzeigern. Ich liebe es in meinem Brolly zu sitzen und eine warme Tasse Tee in den Händen zu halten, da die Finger ganz klamm vom Rudern sind. Meist ist der Spätherbst und Frühwinter die Zeit im Jahr in der noch einmal die richtig dicken Karpfen mit ihrer letzten Energie ordentlich fressen.
Und so beschloss ich Mitte November an einen See zu fahren mit dem ich noch eine Rechnung offen hatte. Ich war in den letzten Jahren einige Male dort. Meist im Winter - mit Randeis an den Ufern und gelegentlich sogar Schnee. Und ich blankte jedes Mal. Die Bedingungen waren wirklich jedes Mal mehr als überschaubar. Umso motivierter ging ich an die Sache heran, da die Jahreszeit für diesen See nun um einiges besser schien und ich dort endlich einen Fisch fangen wollte.
Ich packte meine sieben Sachen und machte mich zeitig in der Früh auf, um die zweieinhalb stündige Fahrt zu meistern. Nach einer guten Stunde konnte ich meinen Augen kaum trauen. Die letzten Tage hatte es täglich knapp 10° und nun sah ich Schnee. Ich befand mich zwar auf der Autobahn, welche über einen Gebirgssattel führte und der Schnee war noch etwas weiter von mir entfernt, doch mir schwante nichts Gutes. Sollte es wieder so kommen wie die letzten Male? Würde ich wieder zwischen Eiszapfen und Randeis an dem See sitzen und blanken?
Doch es war halb so wild. Am Ufer angekommen regnete es und es hatte erfrischende 4° Lufttemperatur. Mein Brolly stand prompt und ich befand mich in kürzester Zeit im Schlauchboot am See. Ich kannte das Gewässer und wusste, dass nicht viele Strukturen zu finden waren. Die Suche nach geeigneten Spots war somit rasch erledigt und die Montagen landeten im Abstand von je 75 Metern vom eigenen Ufer weg in Richtung Seemitte.
Der Fischbestand ist nicht sonderlich hoch, doch es befinden sich wahrliche Granaten in der trüben Schottergrube. Daher ging ich kein Risiko ein und verwendete meine absoluten Lieblingsmaterialien. Ich fischte ein simples No-Knot Rig bestehend aus N-TRAP Soft in 30lb und einem Kurv Shank XX der Größe 8. Gerade im Spätherbst und Winter fische ich gerne mit kurzen Rigs um die 10cm Länge. Um die Montagen beim Ablegen vom Boot bzw. Zurückrudern nicht zu verziehen, hängen in meinen Clips ausschließlich schwere Bleie ab 227 Gramm.
Als Köder verwendete ich kleine 15mm Peaches & Cream Wafter von Mainline. Ich liebe weiße Köder und setze in diese mein größtes Vertrauen. Und das ist auch immens wichtig, wenn man in der kalten Jahreszeit am Wasser sitzt. Oft blankt man tagelang und hat viel Zeit zum Zweifeln. Daher muss man in seine Montagen, Materialien und Köder vollstes Vertrauen haben.
Kaum lagen die Ruten einige Stunden ging auch die Sonne wieder unter. Nun wurde es im Zelt richtig frisch und ich drehte meine Gasheizung auf. Ich trank einen heißen Schluck Tee und genoss die düstere Stimmung am Wasser. Die Zeltheizung zischte dahin und wärmte mich angenehm. Doch nach einigen Minuten, ging die Flamme plötzlich aus. Fu** - ich habe noch darüber nachgedacht mir eine neue Gasflasche zu holen, doch schätzte ich den Füllstand komplett falsch ein. Naja – selbst Schuld dachte ich mir und verzog mich in meinen Schlafsack. Kaum zippte ich den Reisverschluss zu, bekam ich einen brachialen Biss auf meiner mittleren Rute. Ich brauchte eine Weile bis ich mich aus dem Schlafsack kämpfte und nahm den Kampf auf. Nach einigen Minuten landete auch schon der erste Fisch der Session im Kescher. Ein wunderschöner und makelloser Schuppi mit knapp 20kg ließ mich die Kälte komplett vergessen.
Voller Freude verkroch ich mich nach dem Releasen wieder in meinem Zelt und band ein paar Rigs, falls ich in der Nacht neue brauchen sollte. Und ich brauchte sie tatsächlich. Zumindest eines davon. Denn kurz vor Sonnenaufgang schoss der Bobbin der selben Rute wie zuvor in die Höhe und der Delkim sang das Freudenlied. Schlaftrunken nahm ich die Rute auf und mir war sofort klar, dass es sich wieder um einen richtig guten Fisch handeln musste. Der Drill dauerte eine gefühlte Ewigkeit und meine Finger waren bereits extrem kalt. Im Schein der Kopflampe sah ich, dass die gesamte Landschaft und das komplette Tackle mit einer Frostschicht ummantelt waren. Es hatte einige Grad Celsius unter Null und das war mit dem starken Wind doppelt spürbar. Als ich den Fisch das erste Mal erblickte, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Ein uriger Spiegler mit einem massiven Kreuz zeigte sich an der Oberfläche. Beim Wiegen wurde meine Annahme bestätigt, der Fisch war noch schwerer als mein erster Besucher. Ich war unglaublich happy und grinste in die bereits aufgehende Morgensonne. Nach den Fotos machte ich mir erstmal einen starken Kaffee und genoss die Ruhe am Wasser. Der Frost wich langsam der wärmenden Sonne und ich war einfach nur glücklich. Glücklich über die wahnsinnig geilen Fische, die friedliche Stimmung und die Tatsache dass ich meine Blankserie an dem See endlich durchbrechen konnte.
Cheers Johannes

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