22.05.18

Goldenes Frühjahr #1 - Jan Brase

Der Winter kam spät, aber er kam gewaltig hier oben in Norddeutschland. Ich konnte bis tief in den Januar mühelos an meinem Wintergewässer sitzen und auch konstant gut fangen. Als dann jedoch die warmen, aber nassen Tage vorbei waren und ab Anfang Februar eine Kaltfront eintraf, konnte man nicht wissen, dass diese sich 2 Monate mehr oder weniger einnisten würde. Es war nun schon Anfang April und der Frust, schon über 8 Wochen nicht am Wasser gewesen zu sein war riesig. Gerade da mich mein Leben in genau dieser Zeit negativ auf Trapp hielt, brauchte ich die frische Luft, um den ganzen Stress abzuwimmeln, der sich wochenlang wie eine riesige Gewitterwolke über mich befand. Nun endlich war ein Silberstreif am Horizont zu sehen und ich konnte über ein komplettes Wochenende ans Wasser. Ich beschloss trotz der noch immer sehr kalten Wassertemperaturen, nicht an mein Wintergewässer zu fahren, da ich dort gefühlt jeden Fisch schon mit Vornamen kannte. Wie jedes Frühjahr freute ich mich, wieder etwas anderes zu sehen, eine Luftveränderung war nötig. Also fuhr ich zu einem See, den ich schon die letzten 2 Jahre im Frühjahr befischte. Dieses Gewässer war sehr flach und mit Totholz „umzäunt“. Außerdem teilt sich der See in 3 Buchten auf, jede von ihnen hatte reichlich Hotspots, so dass man viel ausprobieren konnte, um den Fischen auf die Spur zu kommen.

In dem Gewässer schwimmen ein paar Perlen rum, von denen ich schon letztes Jahr berichtet hatte. In den 2 Jahren zuvor hatte ich noch meine Probleme, das Gewässer richtig du deuten. Zu viele Hotspots sorgten für zu viel Ablenkung und Selbstzweifel bei mir, wenn es mal nicht so rund lief. Außerdem fing ich meistens kleine Fische, nicht, dass sie nicht willkommen waren! Aber ich wusste auch, dass noch andere Kaliber hier ihre Bahnen zogen und diese Fische fand ich noch nicht wirklich. Bei meiner letzten Session im vergangenem Jahr an dem See fand dann ein Umdenken bei mir statt. Ich versuchte die ganze Zeit, sich zeigende Fische anzuwerfen und kleine Fallen zu stellen. Auch auf einem Futterplatz nah vor einem überhängenden Baum brachte ich nur ganz weniges, zerkleinertes Futter aus, welches ich mit Liquid und Baitpowder aufpimpte. Wie schon weiter oben geschrieben, war der Erfolg höchstens mittelmäßig und so entschloss ich, einfach meine Futterration zu erhöhen und auf hohe Lockwirkung zu verzichten. Der Bestand in diesem See ist gut und einen Versuch war es deshalb wert gewesen. Ich hoffte, dass die kleineren Fische nicht sofort an den Platz kamen und sich mit der Zeit auch die größeren Karpfen trauten, sich mal das Futter genauer anzusehen. An meinem letzten Tag vergangenes Jahr fing ich dann schlagartig besser und konnte auch zwei 30 Pfünder innerhalb von einer Stunde auf der gleichen Stelle fangen.

Mit diesen Erinnerungen ging ich wieder an den See und wollte gucken, wo sich Fische aufhielten. Leider zeigte sich nichts und ich musste auf meinen Instinkt hören. Ich bezog eine Stelle, an der am gegenüberliegenden Ufer viel Totholz ins Wasser ragte und ich die Karpfen tief drin vermutete. Da das Wasser noch recht kalt war, glaubte ich, dass die Fische ihr Energiesparmodus noch aktiviert hatten und nur spärlich zum fressen raus kamen. Daher mixte ich doch noch einmal eine Futterpampe aus zercrushten und kleinen 14mm Boilies, Amino Pellets, Dosenmais und flüssigen Extrakten an. Ich wollte erst einmal wissen, ob ich überhaupt in der Nähe der Fische bin und da war mir jeder Karpfen, egal welche Größe, recht. Ich fischte mit Flouro Pop Up’s am Multirig mit einem 6er Choddy Haken und dem Kamo Vorfachmaterial. Die Montage legte ich ein bisschen von dem Futter entfernt ab und hoffte auf die Neugier der Karpfen. Und tatsächlich, nach 2 Stunden bekam ich den ersten Biss. Nach kurzer Zeit konnte ich den Spiegler über den Kescherrand ziehen und freute mich, dass mein Instinkt intakt war. Die erste Nacht konnte kommen, ich war positiv gestimmt. Jedoch brachte diese mir nichts ein, es war komplett ruhig. Mit dem Sonnenaufgang stand ich am Wasser und schaute, ob ich Fischaktivitäten wahrnehmen konnte. Aber es zeigte sich absolut nichts außer 2 Schwäne, die sich gegenseitig bekriegten. Als meine Gedanken abschweiften lief auf einmal meine Rute, neben der ich Stand ab. Leicht erschrocken nahm ich die Rute auf und konnte auch diesen Fisch kurze Zeit später auf der Matte begrüßen. Es war ein wirklich hübscher Spiegler mit tollem Schuppenmuster, eine kleine Perle.

Unschlagbar - knalliger Pop Up am Multi Rig

Schöner Fisch doch es kommt noch besser...

Ich war größtenteils zufrieden, jedoch bekam ich wie in den letzten Jahren auch nicht viele Bisse und somit wollte ich jetzt wieder testen, ob mehr Futter mehr Wirkung zeigte. Ich hatte nichts zu verlieren, denn entschneidert war ich schon und Fische waren ja am Platz. Ich fütterte daraufhin großflächig pro Spot ca zwei Kilo 18mm Boilies etwa 10m vor’s Totholz, um die Fische raus zu locken und legte mein Multirig auf kleine, harte Stellen ab, die ringsum umgeben von weichem Sediment waren. Hier mussten die Fische fressen dachte ich mir und war überzeugt, dass diese Taktik von Erfolg gekrönt sein wird. Was dann bis zum Ende der Session noch passierte, hätte ich aber auch nicht gedacht. Ich fing in den verbleibenden 16 Stunden noch 8 Fische, darunter auch ein paar Größere mit über 30 Pfund. Das verblüffende daran war, dass je mehr Futter ich ausgebracht hattee nach jedem Run, die Bissfrequenz immer höher ging und jeder Karpfen größer war als der Vorherige. Warum musste ich nur jetzt schon wieder gehen? Ich war mir sicher, dass ich noch richtig gut gefangen hätte. Zum Schluss verteilte ich noch mein restliches Futter auf den Spots und beschloss, nächste Wochenende wieder zu kommen. Was ich da erlebt habe erfahrt ihr demnächst, nur so viel vorab: Es wurde richtig krass!

Grüße Jan Brase

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE