21.09.18

Gravel Pit Obsession - Sven Ihne

Spätsommer 2017. Ich bekomme die Möglichkeit einem neuen Angelverein beizutreten welcher in Besitz einer grossen, in NRW typischen, Kiesgrube ist.
Ich checke die Begebenheiten, recherchiere und versuche an Infos zu gelangen bevor ich meine Unterschrift unter den Aufnahmeantrag setze. Allerdings - Infos Fehlanzeige. Hin- und Hergerissen verbringe ich die nächsten Tage. Ein neuer Verein und somit neue Gewässer bedeuten natürlich mehr Angelrevier aber in erster Linie viel Arbeit und die Bereitschaft anderes aufzugeben. Seit längerem nehme ich mir anglerisch lieber weniger vor als zuviel. Knappe Zeit, hoher Aufwand- so könnte man mein Fischen in den letzten Jahren betiteln. Dies bedeutet konkret, ich kümmere mich fortan nicht um mehr als zwei Gewässer gleichzeitig. Alles andere bedeutet Stress Pur und ist in meinem Fall nicht vernünftig durchzuführen.
Herbst 2017. Ich habe den Schritt gewagt. Die neuen Papiere stecken im Carryall und das Boot steht beladen am Ufer. Es geht los. Ich will versuchen verschiedene Spots anzutesten um mir zügig ein guten ersten Eindruck zu verschaffen um mich dann für den Rest des Jahres an einer auserwählten Stelle niederzulassen und diese mit üppigen Gaben in Form von soliden Fishmehlboilies zu befüttern. Dieser Plan ist gut und hat in der Vergangenheit schon des öfteren bis Spät in das Jahr hinein gute Erträge gebracht.
Um den vergangenen Herbst/ Winter knapp zusammenzufassen, es gelang mir nicht einen Fisch an diesem Wasser zu fangen. Selten habe ich mit meiner Spotwahl so dermassen in die Sch***e gegriffen wie an diesem Pool. Ich habe viel Probiert und bis in den späten Dezember an ein Wunder gehofft, jedoch musste ich mich irgendwann damit abfinden die Situation völlig falsch gedeutet zu haben. Sichtlich demotiviert und auch enttäuscht startete ich in die verhasste Winterpause.
2018. Wie oft ich im zurückliegenden Winter an diesen See gedacht habe weiss ich nicht, es war oft. Nun war es plötzlich soweit, die Temperaturen kletterten stetig hoch und die Fische werden aktiv. Ich mochte das Frühjahr sowieso immer lieber als den Herbst und somit ist der Groll des letzten Winters vergessen als ich bei starkem Westwind hastig mein Auto mit der nötigen Ausrüstung belade. Ich hänge mal wieder hinterher, nichts ist vorbereitet, Chaos herrscht. Anstatt im Winter mein Tackle auf Vordermann zu bringen, habe ich mir lieber in eiskalten Nächten am Kanal den Hintern abgefroren und geblankt. Manches ändert sich eben nie. Bis spät in den Abend hinein bin ich damit beschäftigt mir passende Spots zu suchen und die Ruten zu platzieren. Der starke Wind welcher in dieser Nacht herrscht lässt präzises Angeln kaum zu und an vielen Stellen ist der Gewässergrund noch übersäht mit altem Kraut aus dem Vorjahr. Jedoch, es herrscht regelrechtes Fangwetter- da ist es manchmal einfach wichtiger scharfe Haken mit guten Ködern im Wasser zu haben als alles übertrieben genau abzulegen.

Guter 40er direkt am ersten Morgen.

Was für ein unglaubliches Tier - 24,8kg.

Am frühen Morgen, es wird soeben hell, schiesst die Rute im Flachwasser los. Das Ergebnis, ein toller Spiegler mit über 20kg versetzt mich schlagartig in Feierlaune. Ich bin Happy und strecke den 22 Blanknächten des Vorjahres den Mittelfinger entgegen als ich mit dem vollen Kescher im Uferwasser stehe.
Ich kann mein Glück kaum fassen als am Mittag die mittlere Rute, welche ich auf 4,5m Tiefe mit einem Chodrig plaziert habe einen Biss bringt. Während des Drills bete ich das alles glatt geht und sich das schwere 5oz Blei schnell aus dem Heli Safe ausklinkt. Bedingt durch den starken Wind
und der Angelentfernung musste ich das Gewicht des Flat Pears dementsprechend hoch wählen. Alles geht gut und ich ziehe einen grossen Spiegler über den Rand des Keschers. Dieser Fisch kratzt an der nächsten Hürde und bringt mit seiner Grösse und seinem Gewicht das Fass zum Überlaufen. Durchdrehtime in der Banane. Das Boot schaukelt in den Wellen als ich versuche dieses Urvieh zu bergen. Beim zurückrudern überkommt mich ein wahnsinniges Glücksgefühl und ich kann nur lächeln wenn ich an den vergeigten Herbst zurückdenke. Das Puzzle ist endlos, das ist Angeln! Sven Ihne

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE