14.12.20

Grüne Welle zum Jahresende - Nils Elders

Zähfließender, stockender Verkehr mit Stau, Baustellen und Sackgassen! Wenn ich meine Saison 2020 mit Verkehrsmetaphern beschreiben müsste, würde sich jedenfalls nicht viel Leichtläufiges beschreiben lassen, was auf eine grüne Welle hindeuten würde! Das Angeln an meinen heimischen Baggerseen ist freilich noch nie einfach und von großem Ertrag gewesen! Dennoch hat es sich selten so zäh angefühlt wie in diesem Jahr. Die konsequent untypischen Wetterbedingungen im Frühjahr gaben mir stets das Gefühl, permanent das falsche Timing zu erwischen. Ich kann abschließend nicht mal erklären, woran es wirklich gelegen hat, jedenfalls sammelte ich das Frühjahr über einen Blank nach dem anderen. Trotz der vielen Rückschläge, komme ich irgendwann aber immer wieder an den Punkt, an dem mir bewusst wird, wie sehr ich genau diese Herausforderungen brauche! Der Weg zum Fisch ist ausnahmslos hart und oft steckt hinter Fangbildern unverhältnismäßig viel Arbeit dahinter. Dafür macht sich das seltene Gefühl des Triumphes meist doppelt und dreifach bezahlt. Über die Verhältnismäßigkeit von Aufwand zu Ertrag an solchen Gewässern lässt sich definitiv streiten, doch am Ende zieht es mich immer wieder genau an solche Gewässer zurück. Bilanz wird am Ende gezogen und vertraut man darauf, dass der Tag X irgendwann kommen wird, kann einem auch diese Angelei extrem viel geben. Wichtig ist es einen realistischen Blick auf den möglichen Ertrag eines Gewässers zu wahren! Es spielt keine Rolle, was andere Angler im Social Media an ihren Gewässern fangen, denn das lässt sich in den meisten Fällen einfach nicht vergleichen. Der Fokus liegt darauf mit deinen Möglichkeiten, das Beste aus deinem Projekt zu erzielen.

Ich wollte nicht irgendwelche durchgehakten Dickfische, sondern genau diese raren, urigen Baggersee-Unikate. Also griff ich im Herbst mit neuer Motivation erneut an diesem See an. Ganz auf mein Ding fokussiert, schienen diesmal Mindset und Timing zu passen. Mit den ersten Erfolgen tankte ich neues Selbstvertrauen und nach gefühlter Ewigkeit schien sich das Blatt zu meinen Gunsten zu wenden. Während die anderen Angler weiter extrem spärlich fingen, gelang mir seit Langem die erste nennenswerte Serie! Der Fluch schien endlich verdrängt. Köder war dabei immer häufiger ein grüner Popup am geliebten Multirig, den ich entgegen der gängigen Taktiken unterhalb von 10m auf leicht schlammigen Boden präsentierte! Bereiche, die im Vergleich zu dem zahlreichen Kies und Muschelbänken, nur sehr selten beangelt wurden! Die Farbe Grün scheint dabei besonders in tiefen Gewässern ein richtiger Bringer zu sein. Nie zuvor hatte ich solche Bereiche so intensiv beangelt wie in dieser letzten Jahreshälfte! Die Bodensediment-Thematik ist mit Sicherheit eine stark vernachlässigte im Karpfensektor und hat meinen Horizont tatsächlich enorm erweitert. Selbstverständlich ist Schlamm nicht gleich Schlamm, aber findet man den Richtigen, ist er meist voll mit natürlicher Nahrung! Karpfen spüren diese mit Leichtigkeit auf und so ist es für sie auch keine Herausforderung unsere Köder dort zu finden. Das intensive Green Zing Flavour schien sie dabei besonders zielstrebig auf die richtige Fährte zu locken. Der Herbst stand jedenfalls ganz im Zeichen meiner neuen kleinen Lieblingswaffe und diese Motivation nahm ich schließlich mit in die kältere Phase. Während fast alle anderen Mitangler das Feld räumten, hatte mein Akku jedenfalls noch Kapazitäten den verhältnismäßig hohen Aufwand zu betreiben, der hier von Nöten ist. Natürlich geht einem das Gerödel mit Boot und Co bei kaltem Wetter weniger leicht von der Hand, aber irgendwas in mir konnte einfach noch nicht wirklich mit dem Traum vom raren Baggersee-Biggie abschließen. Ein Angler im Rentenalter, dem ich Woche für Woche an der Bootsrampe begegnete, pflegte zu sagen, dass die Toten schließlich erst am Ende der Schlacht gezählt würden! Getreu seinem Motto wollte ich jetzt auch bis zum Ende durchziehen und wenigstens die erste konstante Kälteperiode mitnehmen! Wie wertvoll diese Entscheidung war, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die tatsächlich letzte Nacht meiner letzten Session dort, brachte mir doch noch die ersehnte grüne Welle. Ich fing auf den quasi letzten Drücker doch noch zwei endstufige Winterfische auf meinem tiefen Schlammfeld. Köder war, ihr ahnt es sicher, wieder dieses kleine grüne Teil, das mir schon im Herbst die guten Fische brachte. Das Dauergrinsen steht mir seitdem ins Gesicht gemeißelt und 2021 kann gerne so weitergehen! Mulirigs und grüne Popups liegen jedenfalls schon bereit! Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich dem alten Mann im nächsten Jahr das Bild von dem endstufigen Schuppie unter die Nase halten kann!
Bleibt gesund!

Tight lines,
Nils Elders

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