09.05.18

Hakmaschinen #1 - Thomas Talaga

Kaum ein Thema wird unter uns Karpfenanglern heißer diskutiert als die unterschiedlichen Montagen, mit denen wir letztendlich unsere Fänge in die Kescher ziehen. Und mal ganz im Vertrauen, ich kenne sicherlich mehr als nur eine Handvoll Kollegen, die ihre Rigs häufiger als ihre Garderobe wechseln! Umso weniger es gerade so richtig beißen will, desto komplizierter muss das Hakenvorfach dann schon sein. Nicht unbedingt selten stelle ich mir dann absolut lebhaft vor, was sich dort ganz tief unten unter der Wasseroberfläche an Kuriositäten so alles abspielen könnte. Haha, wenn sich üblicherweise die Karpfen da unten vor lauthalsen Dauergelächter im Tiefschlamm wälzen… All dies natürlich erst nachdem sie den hektisch agierenden Zweibeinern am Ufer in ihrer unnachahmlichen Manier mal wieder ein paar Zusatzknoten und -schlaufen in ihre Kunstwerke gestrickt haben. Und den ganzen, wirren Schabernack treiben sie doch nur, um im Anschluss an das Herauskurbeln der schnieken Vogelnestvorfächer in die verstört dreinblickenden Gesichter ihrer hochprofessionellen Jäger blicken zu dürfen…haha…wie irre wär das denn bitteschön… Nun ja, jetzt aber wieder schleunigst zurück zu unserer ernsthaften Thematik. Ob dieses stetige „Häkchen-wechsel-dich-Spiel“ letztendlich wirklich einen vernünftigen Sinn ergibt, muss natürlich jeder für sich vollkommen allein entscheiden. Für mich kommt es bei der Auswahl der momentan von mir verwendeten Montagen weniger auf meine Tagesform oder den zuletzt gepushten Beitrag in den Medien an. Für weit wichtiger halte ich die Umstände, die ich aktuell an den jeweiligen Gewässern vorfinde. Montagen, die sich bestens zum Hindernisfischen eignen, müssen halt andere Kriterien erfüllen als die, die ich im tiefschlammigen Niemandsland verwenden würde. Außerdem spielt die Art der Köder, mit denen ich letztendlich später fischen möchte, bei der Favorisierung meiner Rigs eine eminent wichtige Rolle. Und sicherlich nicht zuletzt sollte die Montage auch zum Fressverhalten der zu fangenden Fische passen. Karpfen, die dauerhaft gejagt werden, fressen und verhalten sich gänzlich anders als jene aus einem überbesetzten Allerweltgewässer.

Ein genialer Greifer!

Gehören zusammen, Fluos und Chod Rigs.

Das Chod Rig
Ein sogenanntes Chod Rig funktioniert in nahezu allen Situationen ausgesprochen gut. Allerdings gilt es zu beachten, dass es sich hierbei um eine spezielle Montage für Pop-ups (schwimmende Köder) handelt. Besonders geeignet ist es für die Fischerei auf schlammigen oder mit Bodenkraut bzw. Pflanzenresten übersäten Untergründen. Exakt für die zuvor genannten Umstände wurde es ja schließlich auch konzipiert. Als herausragende Stärke dieses Rigs sehe ich dessen immense Fängigkeit an. Wenn bereits alles andere an Montagen nur noch nahezu chancenlos vor lauter Gleichgültigkeit vor sich hindümpelt, mit meinen Chod Rigs fange ich auch dann noch den einen oder anderen Interessenten. Dies bedeutet dann natürlich auch zeitgleich, dass Chods auch dann noch fangen, wenn den Karpfen kaum noch der Sinn nach etwas Fressbarem steht. Da es sich bei regelgerechter Anwendung extrem aggressiv verhält, sitzt der Choddy-Haken nahezu immer perfekt in der Unterlippe. Durch diese Eigenschaft lassen sich auch extrem vorsichtige Fische noch recht gut fangen. Und auch Aussteiger während des Drills bilden damit eine absolute seltene Ausnahme. Zudem gehören Verwicklungen beim Auswurf oder der Absinkphase zu fast 100 Prozent der Vergangenheit an. Ja, dies sind mal wahrhaftig traumhafte Eigenschaften – oder was meinen Sie dazu? Allerdings ist ein Chod genauer betrachtet nur eine modifizierte Version einer Helikoptermontage. Das Wurfgewicht befindet sich dementsprechend ganz am Ende der Montage und das Vorfach kann sich in Richtung Hauptschnur mehr oder weniger in gewissen Grenzen frei bewegen. Und genau so konzipiert fängt das in einem perfekten Radius geformte Vorfach einfach einen Fisch nach dem anderen. Doch warum ist dem überhaupt so? Diese Frage, die ich in meinem Job als Kundenberater in einem großen Angelfachgeschäft ziemlich häufig gestellt bekomme, ist meiner Meinung nach mehr als nur einfach sinnvoll und demnach auch vollends berechtigt. Wie zuvor bereits kurz angesprochen: Das Chod Rig ist genau gesehen eine moderne Variante einer Helikoptermontage. Beugt sich hierbei ein Karpfen kopfüber herunter und nimmt unseren Köder auf, so wird er beim Aufrichten nicht wie bei anderen Montagen üblich mit dem vollen Gewicht unseres Bleies konfrontiert. Nein, da sich bei Chod Rigs das kurze Hakenvorfach in einem gewissen Abstand zum Blei befindet und zudem bei mir noch einen Spielraum von 30 bis um die 60 Zentimetern bekommt, wird der agierende Fisch beim Aufrichten vielmehr nur unsere Hauptschnur etwas spannen. Dies wäre dann wohl mehr mit einem Gummibandeffekt und keineswegs mit dem Anheben eines Gewichtes zu vergleichen. Bestenfalls würde hierbei unser Blei nur ganz sachte und kaum merklich über den Bodengrund bewegt. Versucht der Karpfen nun wie üblich mit heftigen Kopfschlägen den bereits jetzt schon leicht in seiner Unterlippe pieksenden Haken loszuwerden, so wird dies ebenso weit seltener von Erfolg gekrönt sein. Eigentlich ist dies auch vollkommen logisch. Denn da er bisher nur mit einem Bruchteil des Bleigewichtes konfrontiert wurde, kann er auch nicht mehr als dieses Bisschen an Masse zum Herausschlagen des leicht angekörnten Hakens verwenden. Und ja, grundsätzlich hat sich herausgestellt, dass Chod Rigs, die mit kleineren Bleigewichten gefischt werden, weitaus wirksamer in ihrer Funktion sind. Sofern die Situation es zulässt, favorisiere ich hierfür Bleigewichte von 1,5 bis 2,5 Unzen. Dies entspricht ziemlich unüblichen Gewichten von nur rund 42 bis 70 Gramm. Wie zuvor bereits beschrieben, fixiere ich zudem ebenfalls nicht den Wirbel des eigentlichen Hakenvorfaches auf dem Leader, sondern gebe ihm einen gewissen Bewegungsspielraum. Wahrscheinlich wird dieser Spielraum, den ich meinem Vorfach zwischen zwei Gummistoppern gebe, für Sie nicht unbedingt Vertrauen erweckend aussehen. Doch glauben Sie mir ruhig, dieser kleine Kniff trägt wahrlich mächtig zur Effektivität und zur perfekten Funktionsweise eines jeden Chod Rigs bei! Warum? Ganz einfach: Es verstärkt nämlich einerseits den Gummibandeffekt. Und auf der anderen Seite trägt es deutlich zur Verpuffung der wütenden Kopfschläge eines überraschten Karpfens bei. Und ja, da sich bei einer so konzipierten Endmontage die Bissanzeige extrem direkt und damit fast schon perfekt verhält, werden wir während dieser ersten Phase des Anbisses nahezu immer auch die ersten, wenn auch noch zaghaften Piepser erhalten. Im Idealfall nutze ich diese Unsicherheitsphase des Fisches direkt aus und nehme zügig die betreffende Rute auf. Verpasse ich dieses Zeitfenster hingegen, bekomme ich häufig allerdings noch eine weitere Erinnerung. Diese wird dann weitaus spektakulärer und zwar in der Form eines Vollruns ausfallen. Zumindest geschieht dies in der Regel noch an normalen Gewässern, an denen der Angeldruck sich in einem weit weniger umfangreichen Rahmen bewegt. An heftig unter stetigem Dauerbeschuss stehenden Wassern, kann das Warten auf diese zweite weit krasser ausfallende Phase von einer frustrierenden Vergeblichkeit gekrönt sein. Hier haben die Fische dann wohl den Braten bereits hinreichend gerochen und bewegen sich keinesfalls mehr panisch und damit fluchtartig von der Stelle. Sie haben damit auch zeitgleich gelernt, dass ein Verharren auf der Stelle bzw. ein leichtes Entgegenschwimmen dem Gummibandeffekt klar abschwächt oder sogar ganz aufhebt. Und vollkommen ohne Schnurspannung wird dann auch das Fortsetzen der heftigen Kopfschläge weitaus erfolgreicher sein. Eine herausragende Eigenschaft des Chod Rigs sollte ich an dieser Stelle sicherlich aber noch erwähnen. Sehe ich während einer Session irgendwo ein Anzeichen eines aktiven Karpfens, z.B. ein sich an der Oberfläche drehendes Exemplare, kurbele ich rasch meine Montage mit dem Chod Rig heraus und werfe diesen Fisch möglichst ohne Zeitverzögerung direkt an. Mit dieser Strategie fange ich regelmäßig den einen oder anderen Zusatzfisch, der mir ansonsten wohl verborgen geblieben wäre. Wähle ich hierfür meine Pop-ups in auffällig grellen Farben, so erhöhen sich damit meine Erfolgsaussichten zudem auch noch ungemein.

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE