19.08.16

Halbzeitresümee - Etienne Gebel

Kaum zu glauben aber das Karpfenjahr 2016 ist mehr als halb vorbei! Noch kann ich mich nicht wirklich damit abfinden, dass es wahrscheinlich mein persönlich schlechtestes Jahr werden wird. Zwar steht noch eine Herbstsaison bevor, aber diese waren in den vergangenen Jahren auch nicht mehr was sie mal waren. Wieder sitze ich alleine im Zelt am See und grübele ob es eigentlich richtig ist am Wasser zu sein. Es ist bereits dämmerig draußen und obwohl es schwül heiß ist, musste ich mich soeben notgedrungen ins Zelt verkriechen. Mindestens 15-20 Mückenstiche bekomme ich in kürzester Zeit ab. Die Mückenpopulation bei uns am Niederrhein ist teilweise gigantisch dieses Jahr. Gott sei Dank kann ich auch noch die letzten Störenfriede im Inneren meines Zeltes kaputt schlagen. Die Blutsauger haben scheinbar eine Topsaison 2016! Es ist kaum auszuhalten. Ich schaue aufs Handy. Der Wetterdienst meldet eine tropische Nacht mit schwülen 20-22°C Nachttemperaturen und Regenschauern. Ich hoffe ich muss nicht raus, denn draußen wartet das Übel mit Flügeln. Eigentlich hasse ich das Angeln im Sommer, da ich aber bislang ein schlechtes Fangjahr hatte, kann ich mich nicht zügeln. Ich muss raus ans Wasser. Auch wenn ich nur im T-Shirt und Boxer Shorts auf dem Schlafsack liege und schwitze, mich dazu mal wieder selber hasse weil ich angeln gegangen bin, die Ruten liegen jedenfalls perfekt auf den Stellen. Wenn da Fisch vorbei kommt, wird es hoffentlich piepen. Irgendwie schulde ich meinen Misserfolg in diesem Jahr dem Wetter, bzw. dem hohen Wasserstand, meiner eigene Inflexibilität und dem Angeldruck. Die Fische ziehen an einigen meiner Gewässer in komplett neue Bereiche und stehen teilweise zwischen den gefluteten Bäumen und Sträuchern. Eins meiner Lieblingsgewässer, ein großes altes Baggerloch am Rhein kann ich meinen eigentlich geplanten Besuch nicht abstatten, denn alle interessanten Bereiche stehen meterhoch unter Wasser. Ein Boot ist dort verboten und die wenigen Angelplätze sind selbst unter der Woche ständig besetzt! Also weiche ich seit Wochen schon auf andere Gewässer auf. Das Problem habe nicht nur ich, sondern viele andere Angler aus meiner Region auch. Also konzentriert sich die Masse an Angler auf weniger zurzeit befischbare Gewässer Der Angeldruck steigt somit weiter an. Es ist etwa 1.30 Uhr Nachts, als ich das letzte Mal auf mein Handy schaue. Es ist stickig und tropisch warm im Zelt, obwohl alle Mückengitter offen sind. Die riesigen Mückenschwärme sind deutlich mit einem summen zu hören. Es müssen tausende sein, die bei mir in den Sträuchern auf Blut warten. Nach einem intensiven Arbeitstag und anschließendem Kraftakt das Tackle ans Wasser zu bekommen und aufzubauen, falle ich trotzdem in den Tiefschlaf. Gegen morgen in der Dämmerung werde ich wach. Es regnet wie aus Eimern. Trotzdem ist die Luft immer noch schwül und es ist so schwer zu atmen. Die Nacht über ist nichts passiert. Außer das ich mehrfach durch ein Stechen und Summen übler Moskitos wach geworden bin. Mit den kleinen Arschgeigen habe ich mir in meiner kleinen Behausung ein Gefecht geliefert. Zwar habe ich gewonnen aber ich bin auch wieder ein paar Mückenstiche reicher. Von Karpfen in der Nacht keine Spur. Ich setze mir eine wohlverdiente Tasse starken Kaffee auf. Zack ein Schlag in der Rutenspitze, die sich kurz darauf hin nach vorne neigt. Karpfen! In der Hektik renne ich den Wasserkessel um verbrühe mich und greife zur Rute. Mein Kontrahent liefert mir einen feinen Drill. Selten war ich so nervös, denn bedingt durch das schlechte Jahr und einigen Fischverlusten ist mein Selbstvertrauen stark angekratzt. Wenn man schon an seinem 100% Vertrauensrig zweifelt ist es weit gekommen. Der gut genährte Spiegler bringt mir jedoch ein Stückchen meines Vertrauens zurück. Mit mehr als 25 sichtbaren Mückenstichen und einer verbrühten Hand trete ich die Heimreise an...

Es gießt aus Kübeln - schon wieder...

Jeder Fisch stärkt das Vertrauen

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