10.12.20

Herbstzeit - Loreen Schmidtke

Bei all den Verrücktheiten, die dieses Schaltjahr für uns bereit hält, fühle ich mich umso befreiter in unseren Hobby. Beruflich war ich, als Podologin, glücklicherweise nicht von dem Lockdown betroffen. Das Gegenteil war der Fall. Die Nachfrage stieg weiter, die Bürokratie nahm zu und mein Arbeitsalltag überstiegt bis heute meistens die 10 Stunden. Trotzdem bin ich froh meine therapeutische Tätigkeit weiter ausführen zu dürfen.

Das Angeln blieb mir ohne große Einschränkungen erhalten. Eine Tour ins Ausland war, mit Ausnahme des Meerforellenfischens in Dänemark, sowieso nicht geplant. Somit beeinflusste mich das Virus und alles was mit ihm kam, nur geringfügig.

Als es die Situation zuließ, stand eine gemeinsame Session mit unseren Freund Michael im schönen Sachsen auf dem Plan. Eine, auch für ihn noch unbekannte Kiesgrube, war für 3 Nächte unser Ziel. Da wir die Ruten auf großen Distanzen staffelten, nutze ich die Korda Subbraid in 15 lb. Diese geflochtene Schnur legt sich sauber auf den Grund und ermöglicht eine perfekte Bisserkennung. Davor knote ich ca. 6 m des XT Snag Leader. In diesem Fall die stärkere Variante mit 60 lb um sicher an den muschelreichen Kanten fischen zu können. Schon nach wenigen Stunden stellten sich die ersten Fische auf den Plätzen ein. Wie es in einer freundschaftlichen Session bei uns üblich ist, stehen Gewichte nicht an erster Stelle. Wichtig ist, dass jeder fängt! Beim gemütlichen Grillen, Quatschen und Fische fangen vergingen die Tage wie im Flug. Viel zu schnell rief bei Michael wieder die Pflicht.

Glücklicherweise hatte ich noch 5 Tage Urlaub zur Verfügung. Das Gewässer, dass ich ursprünglich dafür ins Auge gefasst hatte, fiel leider weg. Die interessanten Stellen waren bereits belegt, somit musste eine Ausweichmöglichkeit her. Die letzten Tage blies ein kräftiger Wind aus Südwest und war auch weiterhin so vorhergesagt. Die Temperatur blieben tagsüber noch 2-stellig. Somit fiel die Wahl auf ein Gewässer, bei dem man wohl von einer Hassliebe sprechen kann. Trotz gutem Bestand hatte ich bisher wenig Glück. Die letzten Jahre gab es Reizvolleres für mich aber in diesen Tagen wollte ich nochmal mein Glück versuchen.
Die Ruten mussten noch ummontiert werden, denn hier ist weder ein Boot erlaubt, noch war derbes Material notwendig. Ich wechselte die Spulenköpfe mit dem Geflecht auf eine Monofile. Durch ihre geringe Dehnung und ihr Geschmeidigkeit ist mein Favorit hierfür immer die 10 lb Touchdown. Als Leader nutze ich an Wurfgewässern die verjüngten Subline Tapered Leader. Unauffällige Köder am Multirig mit einem 4er Choddy sollten meine Taktik abrunden.
Mit der Spomb fütterte ich pro Platz knapp 5 kg Boilies. Ich hatte Zeit und wollte das Futter für mich arbeiten lassen.
Doch 2 Tage lang passierte kaum etwas. Lediglich vereinzelt schaute ein kleiner Karpfen vorbei. Ich wechselte also nochmal meine Plätze. Warf erst beiden Ruten und spoddete anschließend das Futter darüber. Noch mit der Zweiten beschäftig pfiff die erste plötzlich ab. Etwas irritiert, da die Fische hier eher scheu auf die einschlagende Spomb reagieren, nahm ich die Rute auf. Nach kurzem Drill war klar das es sich nicht um eines der kleinen Exemplare handelt, mehr konnte ich allerdings nicht abschätzen. Der Karpfen lies sich heran drillen, machte in Ufernähe noch eine kurze Flucht und war schon nach 10 Minuten im Kescher. Eindeutig ein Besserer! Durch das trübe Wasser merkte ich erst beim Anheben so richtig was ich da gerade gefangen habe. Keine Unbekannte lag auf meiner Matte, doch bis jetzt kannte ich diese dicke Dame nur von Bildern.
Mit über 22 kg durfte ich sie nun in die Kamera halten. Das Gefühl muss ich wohl nicht beschreiben, jeder kennt das breite Grinsen das sich im Gesicht fest setzt.
Nach vielen Jahren durfte ich dem See endlich eine Perle entlocken. Was soll ich sagen, es blieb der einzige gewichtige Fisch der Session. Doch ich war seelig und ein kleiner Anreiz soll ja auch bleiben.

Bei mir steht immer das Unbekannte und das Abenteuerliche vor den Kilos. Es ist der Ausgleich den ich suche und das macht den Reiz des Karpfenangelns für mich aus.
Das ist einer der Gründe, weshalb solche Fische keine Selbstverständlichkeit für mich sind. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel! Und sind wir ehrlich, es ist doch immer wieder geil einen großen Fisch zu fangen!

Ich wünsche euch einen erfolgreichen Winter!
Eure Loreen

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