10.07.15

Ich Lügner - Christoph Freuen

Das letzte Wochenende im Monat Juni. Zusammen mit meinem Angelpartner Stefan wollte ich an einen sehr verkrauteten See, mit geringem Fischbestand fahren. Das hatte ich Ihm jedenfalls gesagt. Ein paar schön Beschuppte gibt es da, allerdings sehr wenige. Das stimmt sogar. Stefan war zwar von Anfang an nicht sonderlich begeistert von meiner Idee, aber er fand sich dennoch mit seinem Schicksal ab, das wir Sonntag mit großer Wahrscheinlichkeit ohne einen Fischkontakt wieder heimkehren würden. Dann kann man ja mal schön ein Wochenende am Wasser verschlafen, so sein Plan…

Ich hatte ihn einfach belogen. Meinen besten Angelkumpel. Wissentlich belogen. Geht überhaupt nicht, denken jetzt wahrscheinlich viele! Stimmt, macht man nicht. Während er noch über den Krautsee grübelte, fuhr ich jeden zweiten Tag einen Spot an einem Vereinssee, an dem Stefan auch gerne einmal fischen wollte, vorfüttern. Auf der Speisekarte standen Boilies und Tigernüsse. Ich wusste aus der Vergangenheit, dass die Fische dort unheimlich gut auf regelmäßiges Futter reagieren. Sollten sie also bekommen…. Dann kam der Freitag. Stefan und ich trafen uns auf halber Strecke. Er sah nicht sehr motiviert aus. Fett auf den Leim gegangen war er mir! Ich hatte ihm schon gesagt, dass wir unterwegs noch an meinem Vereinssee anhalten würden und ich dort noch schnell für folgende Sessions meinen Platz mal wieder mit etwas Futter versorge, bevor es dann weiter geht. OK, dann sehe ich den See ja auch mal, sagte er. Seine Gastkarte für dort hatte ich schon im Gepäck…

Am See angekommen gingen wir zu meinem gewohnten Platz, ich fütterte und zeigte Stefan eine Stelle an der anderen Uferseite. Dort hatte ich im letzten Jahr schon ein paar gute Fische fangen können, erklärte ich ihm. Allerdings mit dem Zusatz das wir dieses Wochenende auch dort fischen würden! Bäääm! Von Stefan kam ein dummer Blick und ein „Ja ja, ist klar“. Er wollte mir nicht so recht glauben, sollte es doch wie geplant an den Krautsee gehen. Als wir dann tatsächlich die besagte Stelle ansteuerten, wurde das Grinsen in seinem Gesicht immer breiter. Ich hatte Ihm ja oft genug von meiner Angelei und den Fischen aus diesem Gewässer etwas vorgeschwärmt. Zügig wurde alles aufgebaut und ich erklärte Ihm, wie ich unsere Plätze gefüttert hatte. Rechts nur Tigers, in der Erwartung auf Graskarpfen, links nur Boilies für „die Normalen“. Bei den Bissen wollten wir uns eh abwechseln. Auf den Boilieplatz legte ich meine Ruten, montiert mit Stiffrigs und weichem Haar. Auf den Tigernussplatz legte Stefan seine Ruten mit Combi Rigs, da wir hier auch eventuell mit Brassen rechneten, aber für die Graser keine kompletten Stiffrigs einsetzen wollten. Jeweils mit einem Boilie bzw. einer Nuss und einem kleinen, auffälligen Pop Up als Topper.

Am frühen Samstagmorgen waren es dann die Nüsse, auf die sich scheinbar die Satzkarpfen und Brassen eingeschossen hatten. Jedenfalls fingen wir ein paar von ihnen. Von den erwarteten Grasern keine Spur. Gegen Vormittag, Stefan war wieder mit dem Drillen an der Reihe, hatte ein etwas größerer Gegner seinen Tigernuss-Snowman genommen und machte ordentlich Druck auf seine Infinity. Was dann nach einiger Zeit im Uferbereich unter der Oberfläche zu sehen war, machte Stefan zu recht sehr nervös. Einer der most wanted des Gewässers, der orange Koi, hing am 6er Kurv Shank… Ich selber hatte vor knapp 1 ½ Jahren die Ehre ihn zu fangen und war damit erst der Dritte, der Ihn überhaupt fing. Die Sache ging gut aus und ich schob das Keschernetz für Stefan unter diesen tollen Fisch. Sein erster Koi! Es folgte ein ausgelassenes Frühstück und eine farbige Fotosession… Bis auf ein paar weitere Satzkarpfen blieb es dann ruhig. Bis zum frühen Sonntagmorgen. Der 21kg schwere Spiegelkarpfen, welcher einem weißen Wafter nicht wiederstehen konnte, gehörte mir. Er war gerade in einer Retention Sling untergebracht als eine weitere Boilieplatzrute ablief. Diesen dicken Spiegler von 20,8kg konnte Stefan sicher landen. Was für ein Finale! Erst der Koi und jetzt innerhalb von 20 Minuten zwei 20kg+ Fische. Mit so etwas hatte mein Kumpel Stefan die ganze Woche zuvor nicht gerechnet. Konnte er ja auch nicht. Ich hatte Ihn ja belogen. Unter solchen Umständen, denke ich, darf ich Ihn aber in Zukunft hin und wieder noch einmal belügen.
Gruß, Christoph Freuen

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