14.12.16

Ich zieh das durch - Sven Ihne

Es ist als wolle ich es nicht akzeptieren. Es ähnelt einem Kampf zwischen zwei Dickköpfen welche nicht aufgeben wollen. Wer hält länger durch und wer gibt sich nach langen Strapazen geschlagen. Ganz klar werde ich derjenige sein welcher den Schwanz einzieht und mit gesenktem Haupt nach Hause trottet. Aber diesen Zeitpunkt so lange wie möglich hinauszuzögern, ihn langzuziehen wie ein Kaugummi. Meine Schwäche (oder Stärke?) ist ähnlich wie bei einem kleinen Jungen, welcher an einem Sommerabend nicht ins Haus möchte obwohl die Mutter schon das dritte mal ruft. So ein angelloser Winter scheint oft endlos für mich. Im Februar kommt meist das absolute Tief – zu lang kommt mir die Zeit vor, in der ich zur Tatenlosigkeit gezwungen werde. Aus diesem Grund probiere ich so lange es geht in den Winter hinein zu fischen. Einer der wichtigsten Punkte, um eine lange Fangphase bei fallenden Wassertemperaturen zu erzielen ist, sich früh genug für ein Gewässer und die darin liegenden potentiellen Spots zu entscheiden.

Das hilft euch jetzt nicht mehr, doch vielleicht habt ihr die Erfahrung auch gemacht: Die Plätze müssen meiner Meinung nach spätestens im Oktober feststehen und am besten schon ein paar Fische gebracht haben. Wenn dem so ist besteht je nach Witterung die Möglichkeit, bis zum Jahreswechsel regelmäßig Erfolge einzufahren. Wohlgemerkt, wenn man hartnäckig bleibt. Natürlich spielt unter solch heiklen Bedingungen die Wassertemperatur eine große Rolle. Leider hat man überhaupt keinen Einfluss darauf wie das Wetter sich verhält, genau deswegen gilt es, Ruhe zu bewahren, auch wenn nicht bei jeder Session ein Fisch herausspringt. Im Ruhrpott sagt man, „es is wies is“. Es ist ganz normal, dass zum Jahresende, oder auch schon eher, die Wassertemperatur rapide auf unter 8 Grad fällt. Kein Problem. Hier gilt: Futtermenge anpassen und weitermachen. In so einer Situation kann man sich sicher sein, die Fische sind unter diesen Umständen lange nicht so launisch wie bei 8 Grad Wassertemperatur im März. Sie fressen noch, und das meist in klar definierten Bereichen. Karpfen zeigen bei dieser fallenden Temperatur ein komplett anderes Verhalten als bei langsam steigenden Zählern. Ganz einfach: sie sind vor der großen Winterruhe und dementsprechend noch nicht in die große Winterlethargie gefallen.

Kommen sie im Frühjahr erst wieder langsam auf Touren geht es dementsprechend träger zur Sache und kleinste Wettereinbrüche schlagen ihnen schnell auf das Gemüt. Sinken die Temperaturen unter 10 Grad wird gefressen. Und zwar meist im tiefen, ohne Skrupel und mit weniger Stimmungsschwankungen als bei ähnlich niedrigen Temperaturen nach dem Winter. Diese Tatsache hält mich aktuell bei Laune. Kurze Tage, viel Dunkelheit, eiskalte Finger beim Paddeln, all das sind nicht die schönsten Begleiterscheinungen beim Karpfenfischen, um die Eingangs erwähnte Zwangspause jedoch so kurz wie möglich zu halten, nehme ich dies gern in Kauf.

Also, habe ich einen passenden Platz am Zielgewässer gefunden, füttere ich diesen zuerst mit attraktivem Futter, um ihn sozusagen zu aktivieren. Stellt sich der Erfolg ein gilt es, sobald die Wassertemperatur bis auf 13 Grad gefallen ist, deftiges Karpfenfutter einzubringen. In meinem Fall sind das Boilies in Durchmessern zwischen 16 und 24mm und einem ordentlichen Anteil an frischem Fischmehl und einigen gut löslichen Zutaten. Hält sich dieser Spot wirklich über Wochen und ich strapaziere Ihn nicht mit zu viel Angeldruck sollten sich die Fische immer wieder in diesem Bereich einfinden. Hat man diese Sicherheit kann man beim Angeln selbst gerne etwas rumprobieren. Ich variiere mit meinen Montagen zwischen auffälligen Chod-Rigs aus Mouth Trap oder simplen Bodenköderrigs bestehend aus N-Trap und einem scharfen Longshank X.
Viel Erfolg in den letzten Wochen des Jahres, ich hoffe euer Platz läuft noch!
Sven Ihne


Bewährte Kombi

Wenige Tage später kam der Wettereinbruch...

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