17.09.20

Instant auswärts - Florian Woldt

Das Jahr 2020 fing sehr ereignisreich an. Während ich im März bei Kumpel Timo Nähe Hamburg meinen ersten Kurztrip in diesem Jahr startete und die nächsten Tage das Handy und somit alle sozialen Medien beiseite legte, ahnte ich noch nicht was in den nächsten Monaten auf uns alle zukommen würde. Nudel- und Toilettenpapier-Kaufrausch, Maskenpflicht und sowohl Entlassungswellen sowie Kurzarbeit fast überall. Von den vielen schwer erkrankten natürlich ganz abgesehen. Covid 19 war plötzlich allgegenwärtig. Gottseidank traf mich keins der vielen Schicksale und mein Alltag lief an und für sich normal weiter. Eine Sache änderte sich jedoch immer mehr. Bedingt, vermutlich durch Kurzarbeit der Leute, wurde es an all meinen Hausgewässern immer voller. In meinen Augen nahm es schon extreme Ausmaße an und somit war nun auch unter der Woche kein ruhiges Angeln mehr möglich. Meinen Plan, 2 Futterplätze parallel aufzubauen, konnte ich somit vergessen. Also ging es vorerst Instant an den heimischen Gewässern los, jedoch war es auch so schwierig, überhaupt erfolgreich aktiv zu angeln, denn ich musste die kurzen Zeitfenster nutzen, die mein Job und die Familie zuließen und fand somit oftmals am späten Abend kaum noch einen geeigneten Spot, der frei war und mich ansprach. Kurz gesagt war ich richtig genervt von allem und meine Laune wurde drastisch schlechter. Als dann noch zu guter Letzt auch der lang geplante Trip nach Bayern zu meinen guten Freund René ausfiel, da dort ein Einreiseverbot für Touristen herrschte, war ich vorerst richtig satt. Ein Plan für die nächsten Wochen musste schnellstmöglich her. Es ratterte in meinem Kopf und wie so oft machte ich mich komplett verrückt. Dabei wollte ich doch einfach nur das Frühjahr sowie den kommenden Sommer genießen und ein paar gute Fische fangen. Am besten auf einem meiner gut gepflegten Futterplätze an einem See in der Nähe, um die Zeit so effektiv wie möglich zu nutzen. Da dies nunmal momentan nicht möglich war, entschied ich mich spontan dazu vorerst genau das Gegenteil zu machen. Ich wollte fortan instant an etwas weiter entfernte Gewässer fahren und dort einfach mit freiem Kopf und ohne jegliche Vorkenntnis zu den Gegebenheiten angeln. Denn keine Informationen heißt nun mal auch, keine festen Plätze und somit auch keine worst case Szenarien über bestimmte Umstände im Kopf. Ein weiterer positiver Nebeneffekt war, dass ich die Zeit, welche normalerweise in die Hege und Pflege der Futterplätze gesteckt wurde nun gegen noch mehr Zeit mit der Familie eintauschen konnte. Irgendwie fühlte sich diese Entscheidung richtig gut an und auch Zuhause war so die Stimmung richtig gut. Beflügelt davon und voller Tatendrang fuhren sich nun regelmäßig die zwei Stunden zum auserkorenen Gewässer wie im Nu.

Fortlaufend nahm ich mir auch bei kurzen Sessions von nur 12-16 Stunden viel Zeit für Location und fischte extrem aktiv mit sehr geringem Tackle. Weiße und gelbe Pop Ups am Hinged Stiff Rig über ein paar Händen weit verteilter Boilies waren perfekt für die aktive Angelei. Bekam ich während der Nacht nur wenig Aktion, wusste ich nicht am Fisch zu sein und zog auch noch mal für die letzten drei Stunden um, um weiter aktiv die Fische zu suchen. Da an diesem klaren Baggersee die Fische oftmals „buckelten“ waren sie gut zu lokalisieren und so wirklich schnell erreichbar. Die Single Hookbait Angelei mit weißen garlic Pop Ups, welche ich mit dem neuen „No Name“ Goo behandelte, stellte sich hier als besonders effektiv heraus. Nicht nur einmal fanden zum Ende der Kurzsession auf einem neuen Platz meine nadelscharfen Kamakura Choddy Haken in mehr Karpfenmäulern Platz. Gerade die besseren Fische, so hatte ich zumindest das Gefühl, ließen sich an diesem sehr stark beangeltem Gewässer so schneller und leichter fangen. So fand unter anderem sogar mein neuer Schuppi PB den Weg in meinen Kescher. Mit freiem Kopf und deutlich mehr Zeit für andere Dinge im Leben, lief die erste Hälfte 2020 für mich letztendlich wirklich überragend und auch wenn ich bei weitem nicht so viele Nächte wie in den Jahren zuvor auf der Uhr habe, bin ich rückblickend mehr als zufrieden und freue mich nun auf den Herbst. Ob auf einen Futterplatz zuhause oder Instant Auswärts wird sich jedoch noch zeigen.
Beste Grüße Flo

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