04.04.16

Kanaltagebuch 1 - Nils Thönnes

Schon Wochen vor meinem Cassientrip im Februar, um genau zu sein am 08.01., begann mein Kanal- und Angeljahr. Seitdem sind exakt 11 Nächte an der „Rinne“ vergangen. Die ersten Nächte im Januar gestalteten sich wie gewohnt sehr ruhig, wenig Schiffe, kaltes Wasser und dementsprechend wenig Fischaktivität. Ich suche bei solchen Bedingungen meist Angelplätze, die hervorstechen und anders sind als der monotone Rest der Kanalstrecke. Diesen Winter, bis Ende März konzentrierte ich mich auf Bereiche in der Nähe von Schleusen, Flachwasserbecken, Schlammlöchern und Einläufen.
Die in den letzten Jahren anvisierten Brücken ließ ich dieses Jahr aus, weil die Materialschlacht dort einfach zu heftig ist. Warum? Ganz einfach! Viele Leute die sich nicht an die Norm der Gesellschaft anpassen, schmeißen Schrott oder Diebesgut ungeniert ins Wasser. Brücken sind scheinbar für viele ideal, Fahrräder, Mofas und Elektrogeräte kostengünstig und mit lautem Platschen zu entsorgen. Also, bei Brücken vorher genau hinsehen und mit dem Tastblei den Grund abtasten.

I. Der Januar
Die ersten vier Nächte im Januar, verbrachte ich dieses Jahr an einer Schleuse eines alten Kanals, der nicht mehr befahren wird. Von dort aus konnte ich in die Einfahrt der Schleuse angeln und eine flach einlaufende Landzunge mit einer schönen Kante befischen, welche bei Sonnenschein eventuell den Einen oder Anderen Bonusfisch bringen kann. Der Platz ist außerdem auch ideal um dort zu zweit zu angeln, jeder kann einen interessanten Bereich ins Visier nehmen! So zumindest die Theorie - leider musste ich dort vier Nächte blanken, zwei davon alleine.

II. Der Februar
Nach den vier Nächten ohne Fisch entschied ich mich für einen Platzwechsel und befischte zwei Wochen nach der letzten Nacht an der Schleuseneinfahrt, um genau zu sein Anfang Februar, eines der flachen Laichbecken. Weil auf der Straße auf der Seite des Laichbeckens nachts kein Auto stehen darf, musste ich über den Kanal auf das Laichbecken zu fischen. Das ist taktisch zwar besser, aber bei Schiffsverkehr wesentlich unentspannter, weil der Sog der Schiffe so stark ist, dass die Schnur sich in der Schraube verfangen würde. Schon am ersten Abend, als ich mit einem Freund dort war, konnte er einen urigen, grauen, dreißiger Kanalspiegler fangen. Ein unglaublicher Einstand für ihn – noch mal Glückwunsch an dieser Stelle! Den Rest der Nacht tat sich nichts mehr, weder bei ihm, noch bei mir. Auch anschließend am zweiten Tag und in der zweiten Nacht sah es ähnlich aus, außer ein paar Schiffe ging nichts mehr!
Mitte Februar, wieder zwei Wochen später befischte ich ein anderes Kanalstück, welches bis zur Fahrrinne extrem schlammig ist, für zwei Nächte. Solche Stellen sind am Kanal sehr selten, weil die Schiffe eigentlich soviel Wasser ziehen, dass sich kein Schlamm bilden kann. Aber da der Kanal dort wesentlich breiter ist und sich der Druck verteilen kann, bildet sich zumindest am Rand und bis an die Fahrrinne Schlamm. Gerade im Frühjahr, wenn die Mückenlarven dort schlüpfen, ist so eine Stelle ein echter Hotspot! Mit langen Vorfächern, welche eigentlich überhaupt nicht mein Ding sind, befischte ich den Uferbereich auf meiner Seite, die abfallende Kante und die gegenüberliegende Seite. Die erste Nacht des Wochenendes war nass, schifffrei und fischfrei. Es war unter Wasser noch tiefster Winter, bei einer Wassertemperatur von nur sechs Grad eigentlich logisch. Dennoch sind Kanalfische immer unterwegs, selbst im Winter… Die zweite Nacht brachte außer Regen noch heftigen Sturm und das Treibgut des Frühjahrsschnitts mit sich. Ein effektives Angeln war beinahe unmöglich. Die Schilfstangen, Äste und kleinen Büsche verfingen sich immer wieder in der Schnur und verzogen die Montagen völlig. Also, Spitzen unter Wasser, Absenkbleie direkt unter der Rutenspitze zum Grund lassen und die Delkims möglichst unsensibel einstellen! Am Morgen, als ich das erste Mal wach wurde, waren alle drei Rutenspitzen so stark gekrümmt, als hätte ich drei Bisse gleichzeitig. Allerdings waren es keine Bisse sondern das Treibgut, welches in allen drei Spitzen hing. Der einzige Lichtblick daran war, dass die Montagen so wenigstens nicht verzogen waren. Spaß macht es trotzdem nicht und so ging auch die achte Nacht ohne Fisch für mich zu Ende.

Materialschlacht - Kanal eben...

Kumpel Peter mit 31er - geht doch!

III. Der März
Nach meinem Cassientrip war ich irgendwie froh nach echter Naturidylle in den Südfranzösischen Alpen wieder am Kanal zu sein. Inzwischen war es Mitte März und das Wetter zeigte sich auch hier zu Lande endlich von seiner besten Seite. Ich war unter Woche mit Christopher am Kanal verabredet um eine paar neue Produkte für Korda und Trakker zu fotografieren. Wir trafen uns am Morgen an einer Stelle, welche ich vor zwei Jahren schon einmal befischt hatte. Dort gibt es einen kleinen Einlauf einer Kläranlage, aus dem etwas wärmeres Wasser kommt als das im Kanal befindliche Wasser. Ich verteilte alle drei Ruten in der Wolke des warmen Wassers in drei verschiedenen Tiefen, von 70 cm bis 3 Meter etwa. Gerade als wir das neue weiße Wonder Berry Goo fotografieren wollten, meldete sich die Rute, direkt vor dem Einlauf in nur 70 cm Wassertiefe. Ich nahm die Rute auf und dachte sofort an eine Brasse, der Fisch leistete zuerst fast keine Gegenwehr. Er zog plötzlich nach rechts weg und dann in die Fahrrinne. Nun merkte ich, dass es sich nicht um eine Brasse handelte. Ich war endlich wieder im Spiel und voller Adrenalin, der erste Fisch 2016 im Kanal und das mehr oder weniger live vor der Kamera. Der Fisch war für die Jahreszeit fit! Er hatte seine Kräfte den Winter über gesammelt, das merkte man. Irgendwann gab er sich dann aber doch geschlagen und glitt in die Maschen meines Keschers. Die Freude von Christopher und mir war riesig! Ich machte kurz die Schlinge und Matte nass, während der Fisch noch einen Moment im Kescher verblieb. Als der Wiegesack samt Fisch im Haken der Waage hing, pendelte sich der Zeiger auf 14,5 Kilo ein, einfach unglaublich!

Zwei Tage später, am Wochenende, ging es wieder an den Einlauf. Gleiche Stelle, gleiche Taktik. Nur leider ging sie diesmal nicht auf, so ist angeln! Gerade am Kanal gehört blanken dazu, egal zu welcher Jahreszeit. Am Gründonnerstag vor Karfreitag entschied ich mich spontan nach dem Spätdienst die Stunde Autofahrt in Kauf zu nehmen um es dort erneut zu probieren. Da alles beleuchtet ist, ist das Ablegen der Ruten auch nachts kein Problem. Nach einem anstrengenden Dienst in der JVA schlief ich recht schnell ein und wachte erst morgens ohne jegliche Aktion auf. Als ich kurz aufstand um nach dem Rechten zu sehen, sah ich in dem Einlauf einen kleinen orangefarbenen Koi. Ich traute meinen Augen nicht und war sofort hellwach! Ich fragte mich, warum er noch nicht auf mein Futter aufmerksam geworden war. Als ich ihn ungefähr zehn Minuten beobachtete wusste ich warum. Er fraß die schwebenden Teilchen, die aus dem Einlauf kamen. Ich musste zumindest eine Rute sofort umlegen und mit einem Zig bestücken, in der Hoffnung, dass der Fisch darauf reinfällt. Ich stand unter Spannung und sah ständig, wie er an meinem auftreibenden Köder vorbeischwamm. Doch er ignorierte ihn, als würde er es schon kennen. Irgendwann war ich soweit, dass ich mir das Ganze nicht mehr mit ansehen konnte und verkroch mich in mein Zelt! Nach etwa zwei Stunden, in denen ich immer wieder nach dem Fisch sah, passierte es! BAM – der Koi nahm meinen Schaumstoff Dumbell auf und hakte sich! Nach kurzem Kampf hatte ich mein Osterei dann im Kescher. Nach einem schnellen Fotoshooting setzte ich den Fisch wieder zurück. 15 Minuten nach dem Zurücksetzen konnte ich ihn wieder in dem Einlauf sehen und beobachtete, wie er ungehemmt weiter fraß.

Fortsetzung folgt…

Er frisst vor den Füßen...

Buntes Osterei!

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