06.06.16

Kanaltagebuch 2 - Nils Thönnes

Zur richtigen Zeit am falschen Ort…
Bescheidener hätte das spätere Frühjahr nicht laufen können. Der mich zufrieden stellende Start in 2016 wurde ab April vollkommen versaut. Anfang April konnte ich am Einlauf noch einen urigen Schuppi fangen, welcher bis Ende Mai aber vorerst der letzte Fisch bleiben sollte. Ab April beginnt in fast allen Betrieben oder Dienststellen die Urlaubsphase, so auch bei meinem Arbeitgeber. Von nun an hieß es zwölf Tage Schichtdienst, zwei Tage frei und zwar Samstag und Sonntag. Mit Glück hat man dann unter der Woche einen freien Tag, welchen man aber nicht zum angeln nutzt, weil auch zu Hause einiges liegen bleibt. Und an den Wochenenden, Samstag und Sonntag? Da möchte die Herzdame auch was unternehmen, verständlich! Die einzige Alternative ist dann also nach dem Spätdienst an den Kanal zu fahren, um dann morgens oder vormittags frustriert zurück nach Hause zu kommen, weil man unter Umständen den Schneider gemacht hat, so wie ich. Und damit man nicht zu spät zum Dienst erscheint, ist das Mittagessen natürlich vom Vortag. Ab und an ist das alles nicht schlimm, sogar irgendwie cool zwischen den Schichten zu angeln, aber auf Dauer? Auf keinen Fall! Zu meinem Glück kam dann noch die elendig lange Blankphase, fast zehn Nächte! Irgendwann war es dann schon Mitte Mai und die WhatsApp Gruppen explodierten förmlich auf Grund der Fangfotos, es fing an zu laufen, und zwar richtig! Ein Freund konnte in einem dünn besetzten Kanalstück einen fetten Schuppi mit 45 Pfund fangen! Er und andere Freunde fingen an einem anderen Kanal außerdem noch eine Serie weiterer schöner Fische. Und wo war ich? Natürlich, im Dienst! Und genauso geht es sicher vielen Leuten da draußen, Arbeit geht vor.

Im April sah noch alles gut aus

Ich konnte sie sehen, aber nicht fangen

Mein Urlaub begann Ende Mai, zur diesjährigen Laichzeit also. Zu meinem Glück kam aber, dass nicht alle Fische gleichzeitig laichten und sie teilweise auch schon fertig waren. Vor einer Schleuse konnte ich über Tage hinweg ganze Schulen von Fischen an der Oberfläche ausfindig machen, von denen ich unbedingt welche fangen wollte. Darunter auch ein paar Kois! Ein niederländischer Radfahrer rief mir am ersten Tag an dem ich dort angelte noch zu, dass ich sowieso nichts fangen werden, die Fische fressen nichts! Lachend wünschte ich ihm noch einen schönen Tag, denn das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber um es kurz zu machen, er hatte leider Recht! Die Fische ignorierten gnadenlos jegliche Art von Köder, egal ob Brot an der Oberfläche, Zig´s im Freiwasser oder unter der Oberfläche, Chods oder einfache Bodenköder. Über Tage konnte ich machen was ich wollte, blank! Dann kam das Wochenende an dem das Tief „Friederike“ und der Regen begann, der vielerorts für Überschwemmungen sorgte. Angeltechnisch hätte das Wetter nicht besser sein können, denn kurz vor den Gewittern, am 29. Mai, beendete ich dann völlig unerwartet meine Blankserie mit einem vollsitzenden Two-Tone Spiegler. Völlig perplex schaute ich meinen Kumpel an, der ihn gerade geschert hatte. Nach dem zaghaften Biss und Drill so ein Fisch? Unglaublich. Einen Tag darauf, nachdem ich meinen nassen Schlafsack zu Hause trocknete, fuhr ich an den Einlauf. Denn auf Grund der starken Regenfälle, so meine Theorie, musste dort viel Wasser und somit auch Nahrung aus dem Rohr kommen. Als ich auf dem Weg dorthin war und den Kanal entlang fuhr, sah ich schon den weißen Schaum an der Oberfläche, Bingo, ich lag mit meiner Vermutung richtig. Als ich ankam, meine ich sogar die Silhouette einer großen Schwanzflosse gesehnen zu haben und einen kleinen, auffällig hellen Schuppi. Ich legte, wie immer, zwei Ruten direkt vor den Einlauf. Dort konnte ich die letzten Fische ja schließlich auch fangen. Ein IQ D Rig wurde mit einem selbst gemachten Scopex Wafter beködert und die andere mit einem Scopex Schneemann am Arma Korda Blow Out Rig. Der Wafter lag direkt am Eingang des Einlaufes und der Schneemann einen guten Meter von der Spundwand bzw. vom Ufer weg. Als ich anfing meine restlichen Sachen aufzubauen, hatte ich einen Biss auf den Wafter. Im Gegensatz zu dem Two-Tone vom Vortag stand der Fisch voll im Saft und verlangte mir im Drill alles ab. Nach sicher zwanzig Minuten landete dann einer langer und massiver Schuppi in meinem Kescher, genau so sollte es sein! Im Laufe des Tages konnte ich noch einige Fische im Einlauf sehen, teilweise standen sogar bis zu sechs Fische vor und in dem Rohr. Allerdings gelang es mir nicht mehr einen dieser Fische zu fangen, gegen natürliche Nahrung in Form von Larven oder Würmern können Boilies einfach nicht anstinken, auch mein Zig Rig wurde ignoriert. Als am Morgen danach kein Fisch mehr da war entschloss ich mich für die letzten zwei Stunden an die Stelle zu wechseln, wo ich auch den Two-Tone fangen konnte. Als ich die ersten zwei meiner drei Ruten liegen hatte, fing es an zu regnen. Das Wetter war „Carpy“ und zwar richtig, es war warm und es nieselte! Nachdem die dritte Rute lag, verzog ich mich ins Auto, um in einer Pause meinen Brolly aufzubauen. Der Nieselregen wurde aber schnell zum Starkregen und leider kam die Pause nicht, sondern ein voller Lauf auf der mittleren Rute. Nach kurzem Zögern stieg ich aus dem Auto aus und stolperte durch Pfützen zur Rute. Der Fisch kam im Drill direkt an die Oberfläche, wieder ein Schuppi, nur kleiner. Zum Glück konnte ich den Fisch recht schnell landen und noch einen Moment im Kescher lassen, bis der Regen kurz aufhörte und ich ihn schnell fotografierte.
Fortsetzung folgt…

Platzwechsel - was wird es bringen?

Ist das ein krasser Fisch?

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