27.06.16

Kanaltagebuch 3 - Nils Thönnes

Die Tage nach dem Regen konnte ich es kaum abwarten, wieder ans Wasser zu kommen. Es war endlich wieder trocken und seien wir mal ehrlich, jeder von uns hat mehr Spaß am Wasser, wenn die Sonne scheint! Ich plante kurzfristig wieder für drei Tage an den Kanal zu fahren. Von Mittwochmorgen bis Freitagmittag, denn ab Samstag musste ich wieder arbeiten und der Urlaub war vorbei. Um nicht auf gut Glück irgendwo zu angeln, fuhren Peter und ich eine ausgedehnte Runde den Kanal entlang. Das kostet zwar Angelzeit, aber was ist schon Angelzeit, wenn ich unter Umständen in einem völlig falschen Bereich des Kanals angele? Ich wollte meinen Urlaub erfolgreich abschließen und noch einen der großen, fetten Rogner fangen. Weil wir noch kurz einkaufen mussten, fuhren wir den Kanal von der falschen Seite an, anstatt direkt dort nach den Fischen zu schauen, wo sie sich bei schönem Wetter meistens aufhalten – nämlich vor der Schleuse wie an den Tagen zuvor. Auch jetzt standen zumindest vereinzelt Fische im Schleusenbereich an der Oberfläche. Weil ich dort in den Tagen zuvor bei kurzen Sessions keine Fische fangen konnte, entschlossen wir wenigstens eine Nacht dort zu verbringen um dann, wenn gar nichts geht, zu moven. Um möglichst viele Bereiche abzudecken, bauten wir unsere sieben Sachen auf der Spitze, der Einfahrt zur Schleuse, auf. Peter entschied rechts zu fischen, damit angelte er auf der mehr oder weniger monotonen Kanalstrecke. Ich konnte somit die Einfahrt der Schleuse und die große Sandbank beangeln. Zusätzlich fischten wir beide eine Rute rüber zur anderen Kanalseite, direkt vor die Spundwand. Die Montagen, bestehend aus dem Hybrid Lead Clip, 140 bzw. 170 Gramm Grippa Lead und Arma Kord Blow Back mit 8er Longshank X, waren simpel gehalten. Ich wollte somit auf Nummer sicher gehen und mit meinem Endgame Material nicht großartig experimentieren. Dieser Montage in Verbindung mit dem Rig vertraue ich zu 100%, weil es am Kanal bisher immer funktioniert hat und ich bis dato noch keine Aussteiger hatte. Nur was meine Hakenköder anging machte ich etwas was ich sonst nie mache.... Weil ich in der letzten Woche auf diesem Platz überhaupt keine Aktion auf Pop Ups, Zig´s, Sinker und Schneemänner hatte, wollte ich es nochmal, zumindest an zwei Ruten, mit einfachen und unauffälligen Bodenködern probieren. Meine Hoffnung war, dass die großen Fische diese eventuell argloser fraßen und ich mein Ziel, noch einen der großen Fische zu fangen, erreichen könnte. Auf der Sandbank fischte ich zwei Ruten. Eine davon mit unauffälligem Sinker und die andere mit einem selbstgerollten Scopex Wafter, dieser hat ja schließlich auch den Schuppi vor dem Einlauf gebracht. Die Rute die ich rüber auf die andere Seite fischte, wurde auch mit einem sinkenden Boilie beködert. Am späten Nachmittag, als ich gerade mit Peter neben meinen Ruten stand und wir spekulierten was wohl noch geht, krümmte sich meine linke Rutenspitze. Es war die Rute direkt an der Spundwand, die in nur einem halben Meter Wassertiefe lag. Der Fisch, ein 19 Pfund Schuppi, war vom laichen sichtlich ramponiert und mit seinen Kräften schnell am Ende. Nach kurzem Fotoshooting musste der Fisch, Holland sei Dank, direkt wieder zurückgesetzt werden. Am Abend, nachdem wir zur Ausnahme mal den Frittiertopf anfeuerten und uns die holländischen Nationalspezialitäten schmecken ließen, legten wir unsere Ruten neu. Es fischte wieder jeder zwei Ruten ufernah und jeweils Eine rüber, vor die Spundwand! Nach ruhiger Nacht wurden wir am Morgen durch einen vollen Lauf auf Peters Rute geweckt, der Fisch zog sicher beim Biss schon 10 Meter Schnur von der Rolle. Solch heftige Bisse bekam ich in der Vergangenheit nur bei kleinen Fischen, diesmal war es aber kein kleiner, zumindest deuteten die dumpfen und kräftigen Kopfschläge darauf hin! Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich den Fisch dann endlich sehen und kurz darauf keschern – unsere Freude war riesig! Was ein praller Spiegler, massiv und fett! Als wir den Fisch wogen, hatten wir Gewissheit, etwas über 19 Kilo: Geil, genauso wie mein Two Tone aus der Woche zuvor.
Um ungefähr 12 Uhr bekam Peter wieder einen Biss, erneut an der eigenen Uferkante, wie in der Nacht. Peter konnte die Fluchten des Fisches kaum abfangen, immer wieder zog er fast bis auf die andere Kanalseite. Irgendwann, als der Fisch sich näherte und an die Oberfläche kam, konnte ich einen langen Schuppi sehen, um den sich sein Leader gewickelt hatte. Für Peter, mit der Rute in der Hand, eine beschissene Ausgangsposition. Wir beide hatten nun die Hoffnung, dass der Fisch sich irgendwie dreht und der Hakenhalt dadurch nicht behindert wird. Leider hielt die Hoffnung nicht lange an und der Fisch schlitzte aus – shit happens! Als Peter die Montage in der Hand hielt, hingen am Haken zwei kleine Schuppen, der Haken hing also nachdem er im Maul ausschlitzte irgendwo im Fisch. Da es zwei kleine, helle Schuppen waren und der Fisch recht groß war, tippten wir auf Schuppen aus dem unteren Bereich des Fisches. Immerhin hatte Peter jetzt ein Andenken, Karpfenschuppen sollen im Portmonee ja Glück bringen, dennoch war es wirklich schade.

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Peter mit der 19-Kilo-Kugel

Die pralle Mittagssonne stand inzwischen voll auf die flache Sandbank auf der ich fischte, eigentlich optimal um sonnende Fische abzufangen. Meine Vermutung bestätigte sich wenig später, denn die Rute an der Spundwand lief zum zweiten Mal ab! Als ich den Fisch der gebissen hat sah, fingen meine Knie an zu zittern, wieder einer der wenigen Kois! Ich drillte direkt vorsichtiger um sicher zu gehen, dass mein Fisch nicht auch ausstieg. Weil der Fisch kein Riese war und nicht quer durch den Kanal zog, sowie Peters Fisch, hatte ich ihn wenig später auch im Kescher. Der zweite bunte Fisch des Jahres, was hab ich ein Glück! Peter tat mir in dem Moment ein wenig Leid, weil sein Fisch nicht auf der Matte landete, aber das ist Angeln und kann passieren! Über den ganzen Tag stand die Sonne auf die flache Sandbank, aber nach dem kleinen Koi ging nichts mehr. Es war einfach zu heiß und die Fische standen mitten im Kanal an der Oberfläche. Wir taten es den Fischen gleich und entspannten im warmen unter den schattenspendenden Bäumen, auch das muss sein! Peter schlief den ganzen Tag und ich baute Rigs, schließlich war gerade Zeit genug dafür da! Oft macht man sicher viel zu viel Stress. Natürlich bringt es mehr Fische wenn man aktiv angelt und ständig Fische sucht, aber angeln sollte auch ein Ausgleich sein und entspannen!
Erst am Abend, kurz bevor wir die Ruten neu machen wollten, bekam ich auf die Rute, welche gegenüber am Ufer lag, einen Fallbiss. Als ich die Rute aufnahm und kurbelte war der Fisch bereits auf unserer Seite und zog nach rechts, Richtung Peters Schnüre. Grund für die schlechte Bissanzeige sind die schweren Backleads, die wegen der Schiffe aber leider unabdingbar sind! Peter hatte seine Schnüre natürlich auch abgesenkt, also waren seine Schnüre kein Problem. Allerdings war der Winkel zum Fisch dadurch mehr als ungünstig, weil wir auf der Spitze der Einfahrt saßen. Die Spundwand oder Unterwasserhindernisse am Ufer könnten also zum Problem werden. Glücklicherweise zog der Fisch dann irgendwann wieder in die Mitte des Kanals und ich konnte wieder drillen, ohne Angst zu haben, den Fisch wegen des ungünstigen Winkels zu verlieren. Schlussendlich konnte Peter den Fisch dann abschöpfen, ein langer, abgelaichter Schuppi! Als ich den Haken entfernte fiel mir direkt der frische Cut auf und zwischen den Brustflossen fehlten zwei Schuppen, das war deutlich zu erkennen! Ich hatte also Peters zuvor verlorenen Fisch gefangen – unfassbar! Gerade abgelaicht und mit ca. 18 Kilo verdammt gierig.
Nachdem Fisch gingen wir mit hoher Erwartung in die letzte Nacht, welche allerdings nicht erfüllt worden ist. Auch der Morgen blieb stumm, es tat sich nichts mehr. Zudem waren auch die Fische nicht mehr an der Oberfläche zu sehen, irgendwas war an dem Morgen anders…

Krass, da ist wieder einer!

Der 18-Kilo-Schuppmann

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