13.09.16

Kanaltagebuch 4 - Nils Thönnes

Nach dreimonatiger Pause stand ich nun wieder an der Rinne. Das alljährliche Sommerloch hatte seine Spuren hinterlassen, ich wusste überhaupt nicht mehr wohin ich mich setzen soll. Alles hatte sich durch die natürliche Flora und Fauna extrem verändert. Wo im Juni noch Stellen waren, stand nun brusthoch das Schilf. Nach langer Suche wurde ich dann aber doch fündig und fang ein geeignetes Plätzchen, auf dem sich zwei Leute bequem niederlassen konnten. Dazu war es auch noch eine Stelle, welche ich bisher noch nicht befischte. Der Platz hatte einiges zu bieten, neben einer Küchenmaschine, haufenweise anderem Müll im Gras und hunderten von Fliegen, lag dort auch noch ein verwestes Kaninchen, welches mir aber leider erst später auffiel. Den Müll sammelte ich auf, aber mit den Fliegen musste ich mich auf Grund des toten Tieres arrangieren. Peter hatte diese Probleme 10 Meter weiter nicht, er hatte sogar einen Platz im Schatten, welcher bei den Temperaturen wirklich beneidenswert war – Peters Brolly war the place-to-be! Anglerisch hatte der Platz aber einiges zu bieten, neben Schilfbänken die wir befischen konnten, war dort auch noch ein Flachwasserbereich, den die Fische durch schmale Durchgänge erreichen konnten, bei dem Wetter ideal! Peter befischte die Durchgänge des Flachwasserbereichs und ich die Schilfbänke auf der anderen Seite des Kanals. Standartgemäß bestanden meine Rigs aus einem Longshank X Haken, Rig Ring, Schrumpfschlauch und Arma Kord und beködert mit süßen Birdfood Boilies (siehe Kanaltagebuch 2&3). Die Montagen mit den schweren Bleien fuhren wir mit dem Futterboot direkt vor die Features, in ca. 2- 3 Metern Tiefe.

Bei einem gekühlten Bier aus der Kühlbox ließen wir den Abend zwischen den widerlich vielen, grün schimmernden Fliegen ausklingen, ehe wir uns gegen halb zwölf auf die Liegen legten. Zum Glück waren auch inzwischen die Fliegen weg! Nach ruhiger Nacht bekam ich mit den ersten Sonnenstrahlen auf der am tiefsten abgelegten Rute einen Biss! Der Fisch stand voll im Saft und zog durch die noch übrig gebliebenen zwei Ruten. Vorne in den Absenkbleien verfing sich dann zu allem Übel auch noch die frisch aufgespulte Subbraid. Zum Glück war ich nicht alleine und Peter, der noch schlaftrunken war, griff ein und half mir kurz. Nach weiteren zehn bangen Minuten konnte er den Fisch dann auch Keschern. Beim versorgen des Fisches meldete sich Peters Rute und auch er hatte einen verdammt starken Fisch gehakt! Während mein Fang noch kurz im Keschernetz verweilte, versuchte ich Peters Fisch zu landen, was nach einer gefühlten Ewigkeit auch endlich gelang. Wir fotografierten Peters Schuppi zuerst. Mit 14 Kilo und fettem Bauch ein schöner, markanter Fisch aus dem Kanal! Mein Spiegler wurde nach dem Zurücksetzen von Peters Fisch weiter versorgt, gewogen und fotografiert. Mit 19,5 Kilo kratzte er an der magischen 20 Kilo Marke vorbei! Nach einer schnellen Fotosession konnte er auch wieder zurück ins Wasser. Mit einem Schlag mit der Schwanzflosse verabschiedete sich der urige Spiegler wieder im trüben Wasser des Kanals! Zwei Fische an einem Morgen waren für die erste Session nach der Abstinenz ein unglaublich guter Einstand und mehr als zufrieden stellend!

Gegen 12 Uhr entschieden wir uns dazu, der Mittagssonne zu entfliehen, um einzukaufen und danach am Kanal Fische zu suchen. Lediglich einen kleinen Schuppi konnten wir auf 15 km Kanal ausfindig machen, das war nicht viel! Bei der Platzwahl am Nachmittag vertrauten wir auf einen bekannten Spot, der neben etwas Wind und Schatten in der Vergangenheit schon einige Fische gebracht hat. Wie erwartet tat sich den ganzen Tag über in der prallen Hitze aber überhaupt nichts mehr. Ein Lichtblick war aber, dass wir in unmittelbarer Nähe unserer Spots ein paar Fische springen sehen konnten. Am Abend, als es dunkel war, hörten wir die Fische immer noch springen, nur leider zu weit entfernt! Erst am Morgen bekam ich den lange ersehnten Biss. Auch der Fisch war genauso kräftig wie mein Spiegler und zog bei jeder Flucht wieder einige Meter Schnur von der Rolle. Als Peter den Fisch endlich keschern konnte fiel mir direkt seine kleine Schwanzflosse auf, es war der Fisch von der letzten Session im Juni, damals konnte ich ihn mit 18 Kilo fangen, jetzt wog er ca. 500 Gramm mehr. Wobei das Gewicht zweitrangig war, es ging dem Fisch gut nachdem ich ihn fangen konnte und wieder zurücksetzte, das war wichtig. Daran sollten auch deutsche Behörden endlich erkennen, dass es den Fischen nicht schadet sie zurückzusetzen. In den Niederladen ist es seit Jahren Pflicht und es funktioniert perfekt, die Fischpopulation, auch von anderen Fischarten, ist wesentlich besser!

Beim Frühstück, nachdem wir gerade den ersten Kaffee fertig hatten, bekam Peter wie aus dem Nichts einen Vollrun auf seine Uferrute. Er sprintete zur Rute und musste nachdem Anhieb dem Fisch an der Spundwand folgen, weil die Schnur sonst die Spundwand berührt hätte und somit gerissen wäre. Nach ein paar Metern rutschte er auf einer Wurzel aus und fiel zuerst auf die Kante der Spundwand und dann in gesamter Montur mit Rute in der Hand in den zwei Meter tiefen Kanal! Ich wusste in dem Moment nicht ob ich lachen oder geschockt sein soll, es sah verdammt lustig aus, aber es war wirklich gefährlich! Als Peter wieder auftauchte und nach Luft rang, nahm ich ihm zuerst die Rute ab und stellte sie mit offener Bremse ins hohe Schilf. Während der Fisch Meter für Meter Schnur von der Rolle zog, reichte ich Peter meine Hand und versuchte ihn hochzuziehen, was gar nicht mal so einfach war und mir auch nicht gelang. Inzwischen war aber der erste Schock überwunden und Peter musste selbst lachen. Zwischen den Hochziehversuchen und Lachen, hatte ich immer wieder die Rute in der Hand und hielt die Schnur auf Spannung, damit der Fisch nicht ausschlitzt. Irgendwann sagte Peter mir, ich solle den Fisch ausdrillen und landen. Währendessen sammelte er seine ganze Kraft um sich die einen Meter hohe Spundwand hochzuziehen. Er hatte Glück das direkt an unserer Stelle eine Gewindestange im Wasser stand, auf der er seinen Fuß abstützen konnte. Mit aller Kraft schafften wir es dann gemeinsam, dass er wieder festen Boden unter den Füßen hatte, welch´ eine Erleichterung! Wenn einem so was im Winter, bekleidet mit Thermoanzug und Stiefeln passiert, war es das wohl. Wenn man dann noch alleine ist, hat meine keine Chance!
Als wir den Fisch im Kescher dann gemeinsam betrachteten war die Freude wieder zurück! Es zwar ein kleiner Schuppi, dafür aber mit besonderer Schwanzflosse und wirklich spektakulärer Story, die von uns keiner so schnell vergisst.

Fortsetzung folgt…

Idylle geht auch am Kanal

Traumfisch!

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