08.11.16

Kanaltagebuch 5 - Nils Thönnes

Die Tage werden nun kürzer und die Nächte deutlich länger, der Herbst hat Einzug genommen! Teilweise sind die Temperaturen sogar schon einstellig, endlich! Das hier ist mein fünftes und letztes Kanaltagebuch für 2016, denn mit dem Herbst geht’s von der Rinne an die großen Baggerseen. Im Tagebuch V geht es um die letzte Kanalsession des Jahres, im Oktober. Das ersehnte Wochenende fing für mich am Mittwoch nach meinem letzten Nachtdienst an. Das heißt für mich fünf freie Tage am Stück, wenn man den Mittwoch dazu zählt. Ideal also, um ein paar Tage auszuspannen und sich um nichts zu kümmern! Das einzige was dann noch stresst, ist die Schifffahrt am Kanal, aber das will ich ja so. Um halb sechs in der Früh ging es also direkt in das benachbarte Land, erst mal nur für zwei Nächte. Die Fahrt nach acht Stunden Nachtdienst zieht sich dann doch ziemlich und ist mit einer Dose Koffeinbrause wesentlich erträglicher, denn die Müdigkeit macht sich bemerkbar. Wenn ich am Kanal ankomme fahre ich oft erst eine Runde, um zu sehen ob irgendwo geangelt wird. An dem Morgen entschied ich mich für eine recht unscheinbare Stelle auf der monotonen Strecke, weil dort der wenigste Angeldruck herrschte. Um alle Bereiche abzudecken, staffelte ich meine drei Ruten über den gesamten Kanal. Eine Rute an der eigenen Seite, etwa drei Meter von der Spundwand, eine in der Fahrrinne und die dritte am gegenüberliegenden Ufer. Durch die vielen Schiffe am Tag erhoffte ich mir mindestens einen Fisch, aber um es kurz zu halten: Es tat sich die ganze Nacht und am nächsten Morgen überhaupt nichts! Die Fische waren scheinbar woanders. Aber das ist die Rinne, es kann Schlag auf Schlag gehen oder aber tagelang überhaupt nichts. Mit der Stelle hatte ich in dieser Nacht aber definitiv ins Klo gegriffen, shit happens!

Nachdem ich einpackte, kurz einkaufte und die übliche Runde fuhr, ging es auf eine viel befischte Stelle direkt an der Straße, die in der Nacht zuvor zwar auch von jemand anderem befischt worden ist, mir aber in der Vergangenheit immer wieder Fische gebracht hat.
Ich warf die Ruten, bestückt mit süßen Birdfood Boilies und PVA Säckchen auf die bekannten Stellen. In der Vergangenheit konnte ich feststellen, dass der Donnerstag zumindest anglerisch, der beste Tag der Woche ist, warum auch immer. Ein Grund sind bestimmt die ganzen Schiffe, denn viele der Schiffer wollen am Freitag Wochenende haben, deswegen werden die letzten Touren von Donnerstag auf Freitag gefahren. Außerdem herrscht unter der Woche weniger Angeldruck, vielleicht nicht an meiner ausgewählten Stelle, aber am gesamten Kanalsystem! So zumindest meine Theorie… Die ganzen Schiffe machten das Angeln an dem Tag ziemlich anstrengend. Außerdem war es inzwischen wirklich frustrierend, dass sich immer noch kein Fisch für meine Boilies interessierte. Erst gegen Abend wurde es dann endlich ruhiger, zumindest was den Schiffsverkehr anging, die Autos fuhren weiterhin nur wenige Meter an meinem Zelt vorbei.
Ich konnte die Ruten nun liegen lassen, es fuhr tatsächlich kein Schiff mehr. Am Morgen nach einer ruhigen Nacht wurde ich von einzelnen Piepern der gegenüberliegenden Rute geweckt. Als ich auf die Rutenspitze sah, konnte ich sie wippen sehen, es war also nicht der Wasserdruck auf der Schnur oder ein Schiff, das sah für mich schwer nach einer Brasse aus! Nachdem ich die Rute aufnahm, fühlte es sich auch so an. Erst kurz vor meinem Ufer schoss die vermeidliche Brasse dann in die tiefe Rinne des Kanals, der Drill wurde nun doch zum Spektakel unter der Rutenspitze. Nach fünf aufreibenden Minuten kam der Fisch dann das erste Mal an die Oberfläche und zeigte sich. Zwei weitere Fluchten später war er dann im Kescher und war gar nicht mal so klein wie angenommen. Ein fetter Schuppi, der irgendwie komisch geformt war, ein typisches Kanalunikat! Beim Wiegen pendelte sich der Zeiger auf satte 19 Kilogramm ein! Für die vorerst letzte Nacht an der Rinne ist es wohl das größte überhaupt, noch so einen krassen Fisch zu fangen. Für mich war der Abschluss perfekt. Für dieses Jahr sind die Stunden am Kanal nun gezählt und ich kann mich vollends auf die wesentlich zeitintensivere Angelei an den Baggerseen konzentrieren. Wenn man es gewohnt ist, mehr oder weniger aus dem Auto raus zu angeln, wird die Fahrt mit dem Trolley wirklich anstrengend, aber das gehört dazu. Dafür ist man mitten in der Natur und hat keine lauten Schiffsmotoren vor sich, oder Autos die mit beinahe 100 km/h hinter dem Zelt herfahren… Ob es nächstes Jahr wieder an die Rinne geht, weiß ich noch nicht genau. Irgendwie kann ich nicht ganz ohne, denn die Fische und Angelei sind und bleiben was Besonderes! Ihr werdet es erfahren.

Es folgt noch ein weiteres Update von mir zur Kanalangelei, in dem ich euch meine Kanal-Essential vorstelle. Solltet ihr auch mal Bock auf "Durchhalten und Dranbleiben" am Kanal haben, damit seid ihr gut gerüstet!

Wie viele Stunden habe ich gewartet und gehofft

Was für ein Abschluss!

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