22.05.19

Kanaltagebuch 9 - Frühling am Kanal - Nils Thönnes

Was waren das bisher für kilometerreiche Monate?! Mindestens einmal in der Woche, eher aber zweimal, ging es ins weit entfernte Belgien oder Holland zum Angeln. Die Nächte unter Woche waren oft spontan und ohne große Vorbereitung, zum Leid tragen der nicht vorhandenen Fangstatistik! Aber Unterwasser herrschte bis ein paar Wochen ja schließlich auch noch Winter, also war weder Futter, noch Vorbereitung nötig.
Statt statisch auf eine Stelle zu bauen, angelte ich mit Andreas Hetzmannseder viele Kanalkilometer ab und versuchte so die Fische zu finden, was im Winter leider nicht so einfach ist wie in den wärmeren Monaten. Selbst an Einläufen, wo ich die letzten Jahren immer meine Winterfische finden und fangen konnte, war tote Hose. Außer ein paar Alanden oder Brassen war dort nichts zu sehen. Wir suchten gezielt die Bereiche auf, welche den Fischen Unterstand und Schutz bieten. Brücken, Büsche, beruhigte Schleusenbereiche und Häfen. Es war nichts zu machen, allen Bemühungen zum Trotz, die Tage und Nächte waren ruhig!
Besonders eine Session an einem Kanalstück in Belgien bleibt mir da im Kopf!
Andreas konnte in den Tagen zuvor einen Fisch fangen und lud mich zu einer gemeinsamen Nacht an dieser Stelle ein. Ich musste relativ lange arbeiten und konnte mich erst nach der Arbeit auf den Weg zum ihm machen. Andreas schrieb mir nachmittags schon, dass die Fische da sind und sogar springen - Jackpot im zeitigen Frühjahr!
Ich war erst gegen 22 Uhr am Wasser und konnte auch am nächsten Tag nur bis zum Mittag bleiben, 160 km für 14 Stunden! Wenn man fängt spielt das keine Rolle, wenn man aber wieder als Schneider nach Hause fährt fragt man sich nach dem Sinn des Ganzen. Dementsprechend war die Euphorie nach der Nacht auch wieder gedämpft. Wir gingen leer aus. Obwohl die Fische auch in der Nacht noch am Platz waren, blieb es die Nacht über mausetot. Die Zeit die man investiert hat spielt dabei eigentlich gar keine große Rolle, allerdings bemerkt man nach ein paar Wochen auch ein Loch im Geldbeutel. Nichtsdestotrotz ist und bleibt das Angeln am Kanal eine echte Leidenschaft, welche nicht mit dem Angeln an Seen zu vergleichen ist. Also nehme ich es auch weiterhin in Kauf weite Strecken zu fahren und keine Massenfänge zu erleben. Irgendwann kommt der Tag an dem man für all das entschädigt wird!

Die Wende kam in den Tagen vor Ostern, ich angelte eine Nacht an meinem Heimat-Kanal, weil mir mein Dienstplan einen Strich durch die Woche frei gemacht hat. Der Plan von Dienstag bis Samstag in Belgien zu angeln wurde also kurzerhand über Bord geworfen und ich ging zurück an den Kanal, wo alles anfing.
Ich suchte den Kanal nach Fischen ab und konnte tatsächlich einen Fisch fressen sehen. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt so eine Fraßwolke und danach einen hellen, sandigen Fleck dort sehen konnte, welcher ganz schwer nach Karpfen roch!
Leider konnte ich an dem Tag nicht angeln, verteilte dafür aber etwas Futter und kam am Tag danach erst Nachts am Kanal an und wurde zu allem Übel beim Ausladen meiner sieben Sachen noch von einer Zivilstreife der Polizei kontrolliert. Die Jungs waren etwas verwundert über meinen nächtlichen Ausflug und haben gefragt was ich da doch treiben würde. Auch solche Dinge erlebt man nur am Kanal! Als die Ruten um 1 Uhr perfekt abgelegt waren, wurde ich gegen drei Uhr von einer Brasse geweckt. Die süßen Hakenköder schienen zumindest ihr zu schmecken! Den Rest der Nacht tat sich aber leider nichts mehr, auch der eigentlich interessante frühe Morgen brachte nicht den gewünschten Erfolg. Gegen Mittag entschied ich mich dazu die Segel zu streichen um noch an einem Altarm des Kanals zu gucken. Auf Grund des warmen Wetters hoffte ich wenigstens dort Fische ausmachen zu können. Tatsächlich konnte ich einen relativ großen Schuppi finden der so heftig nach Futter suchte, dass sogar Stöcke und Äste an die Oberfläche trieben.
Ich ging so schnell wie möglich zurück zum Auto, montierte eine Rute mit einem neongelben Pop Up am Chod Rig und ging zurück zum anvisierten Platz. Der Fisch fraß weiterhin so heftig, dass inzwischen der schmale Graben auf dem Stück dunkelbraun war. Voller Hoffnung legte ich die Montage vorsichtig mit einem 1 oz Blei in unmittelbarer Nähe des Fisches ab und wartete nervös vor meiner Rute. Tatsächlich musste ich eine gute Stunde auf den Anbiss warten. Ich konnte auch den gehakten Fisch fangen, allerdings nicht den großen Schuppi den ich vorher sah! Aber wen interessiert es schon, der erste Fisch des Jahres spontan am Mittag gestalkt - ich war überglücklich meine Blankserie damit endlich abzuschließen. Mit dem Motivationsfisch in der Tasche ging direkt weiter an einige stehende Gewässer in meiner Region, wo ich mit meinem mobilen Angelstil und auffälligen Hakenködern 2 weitere hübsche Fische fangen konnte. Ab nun gehts definitiv bergauf!

Bis bald,
Nils

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