29.05.18

Kanaltagebuch, zurück an der Karpfenautobahn - Nils Thönnes

Lange war es her, dass ich euch hier was erzählt habe. Im letzten Jahr zog es mich fast gar nicht zum Kanal, aber dieses Jahr stattete ich der Rinne, sowohl in der Heimat als auch im Ausland, den einen oder anderen Besuch ab. Wenn man einmal Blut geleckt hat, geht es halt nicht ganz ohne. Nachdem der letzte, große Renovierungsstress nun hinter mir liegt, war mein Kopf wieder frei. Das lange Wochenende lud ebenfalls dazu ein angeln zu gehen. Ich fuhr gemeinsam mit einem Freund am Donnerstag morgen recht zeitig los und stand um acht Uhr am Kanal auf der Suche nach Fischen. Einen gewissen Bereich hatten wir uns vorher schon ausgesucht, weil ich wusste, dass sich die Fische dort im Frühjahr bzw. zur Laichzeit aufhalten. Zwei weitere Freunde befischten bereits in der Nacht zuvor einen der von uns anvisierten Plätze und konnten gleich mehrere Fische fangen. Ideale Voraussetzungen also, um auch Erfolg zu haben. Wir fuhren das von uns ausgesuchte Stück Kanal zuallererst ab, um uns einen überblick zu verschaffen, was dort die Nacht los war. Es standen nur drei Zelte in dem Bereich was recht überschaubar war und für uns somit kein Problem darstellte. Als wir uns eine Stelle ansahen sprangen in unmittelbarerer Nähe gleich mehrere Fische. Es war also direkt klar wo wir angeln würden. Um schnell im Rennen zu sein, wenn wir die Fische finden würden, hatte ich meine Ruten schon am Abend zuvor mit auffälligen Pop Ups am Spinner Rig beködert. Die Ruten waren selbstverständlich also das Erste was aufgebaut worden ist. Wir verteilten unsere Montagen auf insgesamt 200 Metern Kanalstrecke, direkt unter überhängenden Büschen, der Steinpackung, einer flachen Bucht und unmittelbar vor der Spundwand. Während ich noch dabei war mein Schirm aufzubauen, sah ich im Augenwinkel wie sich meine rechte Rutenspitze Richtung Wasseroberfläche durchbog. Fish on - so schnell ging es lange nicht mehr! Aufgrund des Feiertags fuhren beinahe keine Schiffe, dementsprechend klar war also auch das Wasser und ich konnte schon recht früh den massigen Leib des Spieglers erkennen! Umso aufgeregter war ich beim Keschern, als ich die vollen Ausmaße des Fisches sah. Aber es ging gut und ich konnte einen kugelrunden und prallgefüllten Fisch im Netz betrachten. Das es so schnell gehen sollte, hat keiner von uns erwartet. Allerdings hat der Anbiss offenbar so viel Unruhe unter die anderen anwesenden Fische gebracht, dass es an dem Tag keinen weiteren Anbiss gab. Es war allerdings nicht nur der Biss, der Grund für die Beißflaute war, sondern auch die laichenden Fische. Den ganzen Tag klatschte und platschte es an der gegenüberliegenden Steinpackung und in den Büschen. Die Nacht blieb ebenfalls ruhig, erst am nächsten Tag im Morgengrauen kam der nächste Biss bei Peter. Als der Fisch im Kescher lag erkannten wir schon um welchen Fisch es sich handelte. Peter konnte ihn zwei Jahre zuvor schon einmal fangen, nicht unweit von diesem Angelplatz entfernt. Um den Fisch nicht noch weiter unnötig zu stressen, hakten wir ihn noch im Kescher ab und ließen ihn schwimmen, ein Hoch auf die Niederlande wo das Zurücksetzen der gefangenen Fische sogar Pflicht ist!
Nachdem wir frühstücken unterhielten wir uns über die große Besatzmaßnahme der „Spiegel Karper Project Group“ kurz „SKP“, welche Korda vor gut zwei Jahren finanziell großzügig unterstützte. Keiner von uns beiden hatte bis dato einen der Fische gefangen, die nach zwei Jahren zu einer beachtlichen Größe abgewachsen sind. Wie soll es auch sonst sein, wir hatten es noch nicht zu Ende gedacht, da lief schon die nächste Rute ab, dieses Mal wieder bei mir. Nach kurzem, knackigen Drill konnte ich einen wunderschön beschuppten Spiegler keschern. Der Fisch wurde Anfang 2017 besetzt und hat in der Registrierungskartei die Nummer 219. Wie sich nachher rausstellte, war es der erste gemeldete Fisch, der mehr als zehn Kilo wog. Die Fische wurden durchschnittlich mit 3,5-5 Kilogramm besetzt, da ist also definitiv noch Potenzial nach oben!
Außer laichende Fische war den Tag über nichts mehr zu sehen, erst am Abend, als wir gerade mit dem Essen beschäftigt waren, bekam ich den nächsten Biss. Kurz nachdem ich die Rute aufnahm, lief die nächste Rute ab. Mein erster Doppelrun, zu Glück war ich nicht alleine! Nachdem beide Fische versorgt waren, konnte ich mit zwei tollen Schuppis in der Abendsonne Fotos machen, ehe ich sie wieder zurücksetzen konnte. Das waren an dem Abend die letzten beide Fische. Auch die Nacht verlief ruhig und wir konnten keine Fische mehr fangen. Auch das Laichen stellten sie ein, es war wohl plötzlich irgendetwas anders als zuvor. Aber nichtsdestotrotz haben sich die zwei Nächte mehr als gelohnt, mit vier Fischen aus dem Kanal war ich mehr als glücklich!

Wie anfangs schon geschrieben fischte ich ein Ronnie/Spinner Rig mit auffälligen Pop Ups. Es war allgemein das erste mal, dass ich am Kanal mit Pop Ups angelte. Warum ich mich für das Ronnie Rig entschied? Eigentlich bin ich inzwischen ein echter Freund des Chod Rigs, ich fische mein Choddy dann gerne in Verbindung mit leichten Bleien, damit der Fisch nur einen leichten, aber sich steigendem Widerstand spürt und sich so mit geringem Druck selbst hakt. Der Vorteil hierbei ist, dass der Fisch den Haken mit Hilfe des schweren Bleigewichts nicht wieder abschütteln kann. Eine genauere Erklärung könnt ihr in einem der letzten Artikel von Thomas Talaga nachlesen. Diese Methode mit leichten Bleien kann ich am Kanal nicht anwenden, weil die Strömung zu heftig ist. Würde ich mein Choddy mit schweren Bleien fischen, hätte ich den oben genannten Effekt nicht und die Strömung wäre mein Problem, weil sie einen zu heftigen Bogen in meine Schnur drücken würde und ich somit keine perfekte Präsentation mehr garantieren könnte. Die beschriebenen Probleme habe ich beim Spinner Rig nicht, denn ich kann mein Vorfach direkt am Lead Clip mit schweren Blei oder in Verbindung mit einer Helikopter Montage mit Helm Safes fischen.

Fortsetzung folgt….

Über 20 Kilo nach unter 20 Minuten.

Das ist mal ein Willkommensgeschenk!

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