22.08.14

Kein Sommerloch - Christoph Pleischl

Unser Freund Pleischi aus Bayern hat die perfekte Wetterlage im August so gut ausgenutzt, dass es schon fast dreist ist:

Fischtechnisch präsentierte sich das Frühjahr äußerst großzügig, konnte ich doch schon zu dieser für mich seit Jahren eher schlechten Zeit viele und vor allem auch schwere Fische fangen. Erfahrungsgemäß wendet sich dann das Blatt im Sommer. Das heißt, wenig Zeit, viele Badegäste am See und die Fische stehen lieber faul unter der Wasseroberfläche und lassen sich nicht stören. Als ich mich mit meinem Kumpel Markus für eine viertägige Session an unserem Hausgewässer verabredete, hatte ich eigentlich keine Gedanken an eine fischreiche Sitzung verschwendet, sollte doch eher die Geselligkeit im Vordergrund stehen.

Zudem sind seit einigen Wochen die Fische sehr launisch, was mir andere Freunde, die am See angeln, bestätigten. Aber egal, ich bezog meinen Platz und legte meine beiden Rigs mit den neuen Boilies und den Partikel Hookbaits an den mir bekannten Spots aus. Gegen späten Nachmittag tauchte Markus auf und wir läuteten den Abend mit Fleisch auf dem Grill ein. Ich war skeptisch, als ich am nächsten Morgen unsanft um halb sieben von vorbeifahrenden LKWs geweckt wurde, hatte sich doch an meinen beiden Ruten nichts getan. Ich füllte gerade die Espresso-Maschine als wie aus dem Nichts die tiefe Plateau-Rute abpfiff. Der Fisch saugte sich einen BS Pop Up garniert mit einer Squid Ali Nuss am Hinged Stiff Rig gebunden mit einem 8er Choddy Haken rein.

Nach kurzer Zeit war der Karpfen in Wurfdistanz. Ein, zwei heftige Fluchten ließen meine Tournament knattern. Ich hielt gut dagegen, doch plötzlich dreht sich der Fisch und die Schnur erschlaffte. Argh…Aussteiger! Ich kontrollierte den Haken, bestätigte seine Schärfe und Unversehrtheit, köderte neu an und fuhr die Rute gleich danach noch einmal auf den Spot und erhöhte das Futter. Es vergingen keine zwei Stunden und exakt die gleiche Rute pfiff wieder ab. Nur dieses Mal bugsierte ich den Spiegler sicher an Land. Ein alter Bekannter, den ich im Frühjahr mit 21 kg fangen konnte, brachte es jetzt auf 20.2 kg. Bei Markus tat sich in der Zwischenzeit leider nichts, doch er gab nicht auf und suchte aktiv mit einer Schwimmbrot-Rute die Fische.

Er lokalisiere sie zwar, jedoch standen diese in ihrer Holding-Area und ließen sich nicht beirren. Der Nachmittag und die folgende Nacht brachten keine Ergebnisse, doch am nächsten Morgen läutete mein CS wieder. Die BS Pop Ups mit einer Squid Nuss schienen jetzt genau das Richtige für die trägen Fische zu sein. Auch bei diesem Biss saß der Choddy am Mouth Trap gebunden bombenfest und ich konnte innerhalb von 24 Stunden den zweiten 20-kg-Fisch vor die Linse halten. An dieser Stelle Danke für die Fotos, Markus!

„Von wegen Sommerloch“, dachte ich mir und stellte nun auch die zweite Rute auf ein weiteres tiefes Plateau um, da im angrenzenden Uferbereich nichts zu holen war. Ich stellte die Montage auf einen BS-Snowman um und präsentierte ihn am 8er Longshank X mit N Trap Semi Stiff. Ich bin eigentlich kein großer Freund von langschenkligen Haken, doch dieses Hakenmodell hat mich überzeugt. Der hält! Und so war es dann auch. In der vorletzten Nacht bekam ich auf dem neuen Spot einen Lauf. Ich merkte es schon in der Rute, als der Fisch wie wild geworden mit dem Kopf schüttelte, dass es sich hierbei um ein kleineres Exemplar handeln muss. Ich behielt Recht, doch dass es ein wunderbarer Koi ist, freute mich dagegen umso mehr. Diesen Fisch konnte ich vor fünf Jahren auf einem anderen Spot schon einmal fangen und er verdoppelte auf die Jahre sein Gewicht. Kurz für zwei Stunden in die Trakker Retention Sling und mit den ersten Sonnenstrahlen einige Fotos geschossen.

„Von wegen Sommerloch“, kam es mir wieder durch den Kopf, als ich gemütlich mit Markus einen Espresso genoss. Schon vormittags war es unerträglich heiß geworden. Ich war schon zufrieden, sollte doch jetzt endlich bei Markus der Knoten in Form eines Fisches aufgehen. Er war gerade mit dem Boot auf dem See unterwegs, um seine Rute zu holen, als sich meine Rutenspitze schlagartig gen Wasser neigte und die Daiwa zu singen begann. Der neue Platz hatte wieder zugeschlagen! Schon nach kurzer Zeit kam der Fisch, der gut Schnur nahm, an die Oberfläche und ich sagte zu Markus, der wieder ans Ufer ruderte, dass ich wohl schon weiß, um welchen Fisch es sich handeln würde, da er beim letzten Fang exakt das gleiche Vorgehen demonstrierte.

Wir holten den Fisch gemeinsam mit dem Boot, weil er schnurstracks auf die sich im Wasser befindlichen Bäume zusteuerte. Nach wenigen harten Fluchten konnte Markus den Kescher unter den massiven Schuppi schieben. Wir sahen uns beide an und wussten, um welchen Fisch es sich eindeutig handelte. Das Wiegen bestätigte das vermutete Gewicht und die Waage blieb bei 24,9 kg stehen. Nach wenigen Bildern im Wasser tauchte die Königin des Sees in guter Verfassung wieder ab. Mein Plan war aufgegangen, wollte ich doch diesen Fisch noch einmal fangen, bevor im September die Zeit wieder deutlich weniger wird. Das Tackle zusammengepackt und einen anderen Freund am See besucht lief im Radio bei Bayern3 „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?!“. Von mir aus kann die heiße Sonne den bunten Blättern an den Bäumen weichen. Ich habe mit dem Sommer abgeschlossen…
Euer Pleischi

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