30.03.17

#LostinFrance 2 - Christopher Paschmanns

Nach einem weiteren kleinen Schuppi verließ ich den See. Es war empfindlich kühl geworden, etwa 11 Grad am Tag, auch das Wasser war wieder merklich runtergekühlt. Ich hatte konstant die Wetter-App im Blick und neue Ziele etwas weiter im Süden. Dort, vor kälteren Einflüssen von den Alpen geschützt, lagen so viele Gewässer, die ich immer schon befischen wollte – definitiv zu viele für ein Anglerleben. In den folgenden zwei Nächten befischte ich einen paradiesischen See mit Alpenkulisse und einen kleinen, verwunschenen Fluss. An diesem See hätte ich Wochen verbringen können, doch leider wurde ich dort unmissverständlich vom Platz verwiesen. Dort war Nachtangelverbot. Obwohl ich mich bei einem nahe gelegenen Camping Platz rückversicherte, ob ich mich dennoch am Wasser aufhalten und dort parken dürfte, bekam ich im Dunkeln Besuch. Nicht direkt am Platz, sondern etwa 400 Meter entfernt am Auto, das auf einem Schotterparkplatz stand. Zwei Autos mit wütend rufenden Franzosen hielten bei meinem Caddy, leuchteten hinein, beleuchteten mit Fernlicht das gesamte Ufer und riefen etwas, das ich nicht wirklich verstand in den Wald. Anscheinend waren sie zu faul, um den matschigen Pfad bis zu mir zu laufen oder sie wussten nicht, wo ich saß. Jedenfalls hatten sie mich mit dieser Aktion wirkungsvoll verjagt – das fühlte sich nicht gut an. Aber auch solche Erfahrungen gehören dazu. In dieser und der Folgenacht am kleinen Fluss fing ich neben einem kleinen Schuppi nur große Schleien und ein monströses Rotauge.

Am kleinen Fluss weckte mich ein Baby-Schuppi

Location kostet Zeit, doch die ist bestens investiert

Für die letzte Nacht hatte ich eine zu große Auswahl an Gewässern auf der Liste. Doch der großen Rhône konnte ich mich einfach nicht entziehen. Ich wollte dort immer angeln, träumte von einem urigen, großen Schuppi aus dem riesigen Strom. So viele Male fuhr ich kilometerweit am Fluss entlang und endete an einem der vielen – oft bekannten – Seen des Südens. Ich erinnerte mich an einen Bericht von Klaus Brix – einem der echten Frankreich-Pioniere und Rhône-Kenner. Er hatte diverse Regionen und Nachtangelzonen beschrieben und eine davon lag nur etwa 15 Minuten von der Autobahn entfernt in etwa auf dem Rückweg. Ich fand die Zone problemlos und kam genau zur richtigen Zeit für eine Mittagspause. Also nahm ich mir die Foodbag aus dem Wagen, setzte mich ans Ufer in die Sonne, brühte einen Kaffee und kochte mir was zu essen. Ein paar Weißfische zeigten sich, die Kormorane setzten ihnen mächtig zu. Beim zweiten Kaffee sprang – außer Reichweite, aber genau vor meinen Augen – ein kleiner Schuppi. Dann ein zweiter! Top, hier bin ich richtig, dachte ich. Mit einer der Ruten machte ich Lotwürfe, um das Wasser vor mir genauer zu erkunden. Es herrschte eine Kehrströmung in dieser Flussausbuchtung unweit einer Schleuse. Überall trieben gewaltige Bäume und anderes Treibgut. Doch von Strömungsdruck konnte nicht die Rede sein und es war überall etwa drei Meter tief, hier und da etwas krautig – perfekt! Schnell baute ich die Ruten auf, ohne Ablagen für hinten und mit soliden Systemen: XT Snagleader, Hybrid Leadclips, Rigs aus 30lb Kamo. Tatsächlich warf ich sie aus, zwei an die Uferkante, zwei auf 18 Rutenlängen. Ich fütterte mit Kelle und Spodrod. Meine Schlafstätte richtete ich mir einfach im Auto her – bequem. Das Wetter änderte sich zügig, straker, aber milder Wind zog auf, gepaart mit Regen. Ich hatte ein gutes Gefühl, einen der kleinen Schuppis würde ich sicher fangen. Was dann aber tatsächlich geschah, hätte ich nie erwartet: Bis zum nächsten Morgen hatte ich einen halbstarken Waller und ganze sechs Karpfen gefangen! Fünf davon waren die erwarteten kleineren Schuppis, einer war doch tatsächlich genau die Schuppenbombe, die ich mir erträumt hatte! Ich war „over the moon“! So ein Fisch und dann noch aus der Rhône, in meiner allerersten Nacht überhaupt an diesem mächtigen Strom?! Unfassbar! Und doch habe ich das schon häufiger erlebt: Wenn ich meinen eigenen Pfad beschreite, den Szenepools den Rücken kehre, dann passieren Dinge, die mir wirklich was bedeuten.
Auf das Abenteuer, das uns Angeln immer sein sollte! #Keepthespirit

An der Rhône kamen QC Hybrid Lead Clips und Grippas zum Einsatz

Kamo - ich will nicht mehr ohne!

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