17.07.17

Meine Saison #1 - Kai Lander

April, April, der macht bekanntlich was er will! Er kann dich mit reichlich Fisch beschenken oder das reinste Desaster werden. Ich jedenfalls konnte den April kaum abwarten. Ist er doch ein guter Monat, um an den großen Naturseen zu Angeln. Ein neues, mir noch unbekanntes Großgewässer von etlichen Hektar Wasserfläche steht seit Jahren auf meiner Liste. Oft bin ich auf dem Weg zu anderen Seen daran entlang gefahren. Jetzt schien der Zeitpunkt gekommen, es anzugehen. So wurden einige Tage Frei eingeplant und es konnte auf Karpfenjagd gehen.

Gemeinsam mit meiner Freundin und Hund Ares ging es am frühen Morgen des 3. April auf in Richtung Norden, den See zu erkunden. Auch nach etlichen Touren dieser Art bin ich immer noch aufgeregt, als wäre es die erste. Die West-Windlage kurz vor Vollmond sah vielversprechend aus. Nur der hohe Luftdruck bereitete mir ein wenig Sorge, doch damit hat man ja keine Wahl. Der See empfing uns mit kräftigen Wellen, die über die Wasseroberfläche geschoben wurden. Das Boot war schnell bepackt, schon ging es auf’s offene Wasser hinaus. Sollten wir in einem der Flachwassergebiete starten, oder doch lieber tiefere Gefilde aufsuchen? Die Wassertemperatur von 11 Grad sowie angekündigte kühlere Lufttemperaturen für die nächsten Tage ließen mich zweifeln, ob Flachwasser jetzt optimal ist. Ich folgte dem Wind und fuhr Richtung Ostufer. Optisch gefiel mir diese weit ausgedehnte Uferlinie, vor der sich flaches mit tieferem Wasser und breitem Schilfbewuchs abwechselten - damit konnte ich arbeiten. Auch unser kleines Camp fand seinen Platz im Unterholz - es konnte losgehen! Die Spotwahl nahm einige Zeit in Anspruch. Im Flachen bis 1,80m war noch nichts zu erspähen, was auf Fraßspuren von Karpfen hindeutete. Die steil abfallenden Kanten mit hartem Bodengrund sahen zwar nicht schlecht aus, aber das genügte mir zu jenem Zeitpunkt nicht. Ich suchte weichen Bodengrund mit Krautbewuchs und fand ihn auf einer monotonen Strecke zwischen 2,80m und 3,20m Tiefe mit 13,8 Grad Wassertemperatur am Grund. Das Klopfblei ließ ich hinter dem Boot schleifen, damit Kraut daran hängen blieb. In jeder Probe war Nahrung im Überfluss. Der Bodengrund war mit Dreikantmuscheln, Bachflohkrebsen und Schlammrohrwürmern übersät - super, das ist es! Der Tisch war reich gedeckt und die Wassertemperatur höher als im flachem Wasser. Wo, wenn nicht hier und jetzt sollten Fische fressen?! Schnell noch die Ausmaße des Krautfelds abgecheckt und ins GPS gespeichert. Ein Banoffee-Fluoro Pop Up, der in Goo Mystic-Spice schon ein paar Wochen Attraktoren aufsog, fand jetzt seinen Platz direkt auf dem Kraut. Dank Helisafe und Hinge-Rig, mit Boom gecrimpt, brauchte ich mir keine Gedanken zu machen, dass sich irgendetwas verheddern oder im Kraut versinken könnte - ist es doch die ideale Montage für solche Situationen. Von den verbleibenden beiden Ruten fand je eine ihren Platz im flachen und im tieferen Wasser. Mit dem Futter hielt ich mich zurück. Kleine Boilies aus einem attraktiven Birdfood-Spice-Mix mit Mainline Clockwork-Orange Flavour sollten hier genügen. Die erste Nacht über blieb es ruhig, doch mit beginnendem Sonnenaufgang gab es einen heftigen Run an der Krautfeldrute. Nach kurzem Drill lag der erste Fisch im Kescher. Gleich darauf wurde die Rute wieder abgelegt, keine Stunde später erfolgte der nächste Biss. Diesmal zog etwas Kräftigeres am Hinge-Rig, ein makelloser Spiegler mit 16,8 Kilo war für einen kurzen Zeitraum mein. Was für ein super Start! An den anderen Ruten tat sich allerdings nichts. Gegen 15 Uhr wurden alle Montagen neu ausgelegt, um Ruhe einkehren zu lassen. Der Wind drehte immer mehr auf, es wurde zunehmend kälter, aber im Tempest Composite mit der Utilityfront ließ es sich aushalten. Ich crimpte gerade neue Vorfächer, als ein brachialer Run erfolgte. Der Fisch am anderen Ende zog so heftig Schnur von der Rolle, dass mein Adrenalinspiegel durch die Decke schoss. Mit dem Boot ging es zügig dem Flüchtigen hinterher, bis ein Krebs das Einkurbeln meiner Schnur blockierte. Dieses kleine Krustentier ließ sich nicht -wie sonst üblich- einfach abschütteln. Er umklammerte die Schnur fest mit einer seiner Scheren. Mir blieb nichts anderes übrig, als Druck von der Rute zu nehmen, um ihn von der Schnur zu befreien. Was sich nicht gerade einfach gestaltete, dieses kleine Viech hatte soviel Kraft, dass ich ihn nicht abbekam - ich war auf 180!

Kutter - weil halb doppelt so viel ist

Mystic Spice - nicht umsonst Danny Fairbrass Lieblings-GOO

Das konnte doch nicht wahr sein, an einem Ende tobte der Karpfen mit kräftigen Kopfschlägen, dazu der starke Wind, der mich wegdrückte - und das Vieh hielt fest! Ich musste den Krebs loslassen, um das Boot wieder auszurichten, als er seine Schere endlich von allein öffnete. Schnell Kontakt zum Fisch aufnehmen und abkeschern - denkste! Eine mächtiger Schwall an der Oberfläche und das Teil gab richtig Gas. Meine Rute war bis auf`s letzte durchgebogen, die Bremse ließ viel Schnur frei, zusätzlich gab ich dem Motor Gas, um den harten Druck zu mindern. Doch das alles half nichts, ein starker Schlag ging durch den Blank und der Fisch schlitzte aus. Was war das bitte für eine Aktion? Dazu fiel mir nichts mehr ein - so ist Angeln! Alles wieder startklar gemacht, es folgten bis in die Nacht hinein ein Paar kleinere Karpfen. Pünktlich zum Sonnenaufgang gab es den nächsten Lauf. Der Fisch kämpfte hart am Grund und riss ordentlich Schnur von der Rolle. Ich hielt kräftig gegen, bis er platt wie eine Flunder an die Oberfläche kam. Beim Keschern viel mir auf, dass es sich um ein langes Exemplar handelt. Bei 105 cm Länge brachte der Spiegelkarpfen 19 Kilo an der Waage. Ich war happy! So einen Einstand an einem unbekannten Gewässer - der Hammer. Das Ergebnis nach den paar Tagen mit 8 Läufen und 7 gefangene Karpfen zauberte mir ein fettes Grinsen ins Gesicht. Einziger Negativpunkt der Session war der schlechte Hakensitz bei den größeren Karpfen. Die Fische haben extrem harte Maulpartien, wie ich sie bisher noch nie gesehen habe. Der Choddy Haken fiel heraus, sobald die Fische auf der Matte lagen. Ich denke, die gekrümmte Spitze war für diese Angelsituation einfach zu kurz, um in diesem harten Fleisch perfekt zu haken. Ich wäre gern noch länger geblieben, aber es gibt auch noch andere Verpflichtungen im Leben. Der nächste Trip in einigen Tage ist schon in Planung.

Der QC Wirbel macht das Schnellwechseln möglich

Hakt auch am Hinge - Kurv XX

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE