18.07.17

Meine Saison #2 - Kai Lander

Die letzte Aprilwoche war angebrochen und ich war wieder auf dem Weg zum See. Das Wetter spielte mir voll in die Karten: Neumond, Luftdruck seit Tagen zwischen 1008 hPa und 1014 hPa, Wind aus Südwest. Regen- und Hagelschauer wurden nicht vorhergesagt. In den kommenden Nächten sollte sich das Quecksilber auf 5 Grad zurück ziehen und am Tage bis zu 15 Grad ausdehnen. Ich wollte endlich eine der Flachwasserzonen beangeln und begab mich auf die Suche. Es war nicht leicht, bei Wellengang und trübem Wasser etwas zu erkennen bzw. Fraßspuren zu finden. So zog sich die Suche mal wieder ewig hin, besser gesagt, verbrachte ich knapp 3 Stunden mit aufgesetzter Poolbrille, damit auch nichts übersehen werden konnte. Etliche helle Flecken auf krautigem Boden wurden mit Aquascop genaustens begutachtet. Nur konnte ich mich nicht entscheiden, wo ich es versuchen sollte. Irgendwann sah ich einen Karpfen um die 15 Kilo regungslos vor einem Schilffeld stehen. Das Motorgetucker schien ihn nicht zu stören, bis ich bemerkte, dass er ganz schön angeschlagen ausschaute. Zwei große Wunden auf der Flanke und ein weißer Belag auf seiner Haut ließen mutmaßen, dass er ums Überleben zu kämpfen hatte. Ich drehte ab, um ihn nicht noch zusätzlich zu stressen. Ein kleiner Sandstreifen im Kraut nahe einer Schilfkante in 1,20m Tiefe weckte mein Interesse. Hier versuche ich es in der ersten Nacht, würde ich keinen Biss bekommen, ginge es am nächsten Tag weiter. Eine Rute legte ich auf den Sandstreifen, eine auf 500m vor einem großen Krautfeld in 3m Tiefe und die Dritte bei 50cm an einer Schilfspitze. In der Dunkelheit würde bestimmt der ein oder andere Karpfen ins Flache kommen, um nach Nahrung suchen kommen. So war es dann auch: 21:00 Uhr und die Funke gab vereinzelte Töne von sich. Kräftig zog der Fisch am anderen Ende, bis die Schnur erschlaffte, weg… das kann es doch nicht geben! Das Vorfach war nur noch zu Hälfte dran und aufgescheuert, Sch…Muscheln. Neues Vorfach dran und weiter ging es. Keine Stunde später - Vollrun! Mit dem kleinen Beiboot pumpte ich mich heran. Kräftige Kopfschläge deuteten auf ein größeres Exemplar hin. Schnur nahm er nicht, nur immer wieder diese kräftigen Kopfschläge. Der Wind drückte mich dem Fisch entgegen und ehe er es bemerkte, schlossen sich die Maschen um ihn. Mann ist das ein Rücken, der könnte 20 Kilo haben! Mit 800 Gramm, die ihm dazu fehlten und einem Maul wie ein Scheunentor war er schon beachtlich. Der verlorene erste Fisch war vergessen. Noch dreimal musste ich in dieser kalten Nacht mit -1 Grad aus dem Schlafsack raus. Spannende Drills vom kleinen, mit Eis überzogenem Boot machten riesigen Spaß. Genau das wollte ich - deswegen war ich hier! Action und Karpfen fangen, die ein Nomadendasein führen. Meine Füße und Hände waren so ausgekühlt, dass ich kein Auge zubekam. Da half auch die zur Wärmflasche umfunktionierte Wasserflasche nicht. Erst in der Frühe, als die Sonne das Tempest wärmte, gelang es mir einzuschlafen. Nach einem kräftigen Frühstück und einigen Tassen Kaffee ging es an das Vorbereiten der Montagen für die kommende Nacht.

In Banoffee gedippte Wafters, Peaches & Cream und Indian Spice Pop Ups am Multi Rig sollten es richten. Ganz fertig bin ich damit nicht geworden, ein 15 Kilo-Spiegler unterbrach am Nachmittag die Ruhe. Der Tag neigte sich mit schwindendem Licht seinem Ende hin, in der Pfanne brutzelten Crevetten mit Spargel. Gespannt saß ich im Boot und lauschte in die windstille Nacht, auf dem Wasser bewegte sich nichts. Gegen Mitternacht hingen sich 2 Brassen auf die kleinen Popis auf. Die Brassen waren schon schlimm, doch das war erst der Auftakt des Desasters. Drei Fische in Folge liefen sich in irgendeinem Hindernis am Grund fest und schlitzten aus. Ich kochte vor Wut! Auch das es nie dasselbe, sondern immer ein neues Hindernis war, schien kaum zu glauben. Erst fängst du 5 Fische in diesem Bereich - und jetzt sowas. Ein hoher Dreißiger ist direkt vor dem Kescher ausgestiegen. Dabei sah man, daß der Fisch mit dem Vorfach am Grund festhing. Ich bekam natürlich keinen Lauf mehr auf diesem Spot, wie ja zu erwarten war. Die geschlitzten Fische werden große Mengen Stresshormone ausgestoßen haben, ihre Artgenossen waren somit vor Gefahr gewarnt. Mit bitterem Beigeschmack packte ich ab und sah mir den Bereich mit Aquascop genau an. Kleine alte Schilfwurzeln, die ich im Voraus im aufgewühlten Wasser nicht sehen konnte, waren verantwortlich für das Desaster.
Das war er nun, mein April 2017, mit den insgesamt 6 Nächten Angeln kann ich -bis auf die verlorenen Fische- sehr zufrieden sein.
Die heiße Phase vor der Laichzeit steht uns allen noch bevor, wer weiß, was sie so bringen wird.

Meine geliebten Black & Whites

Bootstour im Mai

“Alles neu macht der Mai” - in diesem Jahr trifft der Spruch voll zu. War doch der Mai des vergangenen Jahres sehr ernüchternd, was die Karpfenpopulation auf meiner Abhakmatte betraf. Diese Jahr sollte es besser werden! Ein Ziel vor Augen, - “einfach nur Angeln" - mehr nicht! Mit einem fischreichen April im Rücken konnte ich völlig gelassen in den Monat starten.
Den Anfang machte eine Bootssession am ersten Mai, in der sich schon nach 20 Minuten ein Mittzwanziger am Hinge-Rig hakte. Am frühen Morgen folgte ein weiterer Nomade und machte den Auftakt eines Top-Monats perfekt. Einige Tage später stand mein Geburtstags-Trip an, zu dem die Eisheiligen Einzug hielten und ich mir meinen Traum vom Geburtstags-Vierziger erfüllen konnte. Eine Woche danach war ich mit Hund Ares an einem Großgewässer unterwegs. Das Quecksilber stieg von Tag zu Tag, die Karpfenhaut wurde rau und Laichstimmung kam auf. Während dieser fünf Tage waren mehr als zwei Stunden Schlaf am Stück Luxusware - die Nacht wurde zum Tag. Einige Fische in der Dreißigpfund-Klasse konnte ich abgreifen. Den i-Punkt setzte ein bulliger 23 Kilo-Spiegler. Mann, war ich happy über diesen Fang! Der Fisch schoss nach langen Fluchten in ein Schilffeld hin, bis zum Hals im Wasser und voll auf Adrenalin nahm ich die Verfolgung auf. Kescherversuche scheiterten bei dieser Aktion kläglich. Ich griff mir den dicken Rogner und umklammerte ihn fest bis er im Boot lag. Der 2er Wide Gape X, am 30lb Kamo saß bombig in der Unterlippe fest. Hier sah man wieder, dass grobes, robustes Material für meine Art der Angelei unverzichtbar ist. In diesen Tagen ließ sich sogar ein "Fetter Leder", auf den ich seit Jahren wartete blicken. Bei aufsteigendem Mond, der sich auf der glatten Wasseroberfläche in einer irren Farbe spiegelte, bescherte er einen ausdauernden Drill. Bevor es aber dazu kam, musste zunächst einer Yacht ausgewichen werden, die sich gegen Abend ca. 100 Meter vor meiner Stelle und genau über der Schnur der Distanzrute verankerte. Den betrunkenen Freizeitkapitän interessierte es nicht, dass ich hier angelte. Als ich ihn fragte, ob er nicht 200 Meter weiter fahren könne, lachte er nur. Ich ließ die Rute auf 600 Meter liegen und hoffte, dass kein Biss kommt. Um zwei Uhr in der Nacht aber kam ausgerechnet auf ihr ein Run! Das konnte jetzt lustig werden - rechts oder links an dem Dampfer vorbei? Auf welcher Seite von der Ankerkette geht meine Schnur entlang? Ich entschied mich für rechts. Nahe an die Yacht herangefahren, schaltete ich meine Kopflampe mit voller Leistung an und erschreckte damit das Partyvolk. Sie konnten nicht verstehen, was ich jetzt hier machte. Die Rute bis zur Rolle senkrecht ins Wasser getaucht und vorbei an der Yacht - Glück gehabt, richtige Seite gewählt! Während der Fahrt auf den See hinaus hing die 14er geflochtene Schnur am Grund fest und war auch ohne großen Druck sofort von Muscheln durchgeschnitten. Ich stoppte den Motor, machte eine 90° Kurve, fuhr mit der Rutenspitze im Wasser, einige Meter und hatte das andere Ende wieder. Schnell zusammengeknotet, ging bis zur Landung des "Leders" nichts mehr schief. Was das schon wieder für eine Aktion war, Mann, Mann, Mann... die Tour kam in die Kategorie Traumsession!
Nach mehr als zehn Jahren bin ich mal wieder mit meinem Vater für eine Nacht rausgefahren. Ein kleiner unbekannter Natursee mit klarem Wasser, den ich zum "Muschel-Holz-See" ernannte, wurde für spätere Touren erkundet. Welche Mengen von Muscheln und Geäst im Wasser lagen war schon krass, hier muss was ans Band gehen! Noch vor Einbruch der Nacht kam ein Biss auf eine ausbalancierte Tigernuss mit pinkem Pop Up Fakefood Maiskorn. Unter ordentlichem Druck bekam ich den Fisch, der sich gut anfühlte, vom Holz weggedreht, stieg in die Falte und pumpte mich heran. Allein ins Boot gegangen zu sein sollte sich schnell als großer Fehler herausstellen. Der Karpfen nutzte meinen ungünstigen Winkel aus, schwamm in einen versunkenen Baum, der mir vorher nicht aufgefallen war und schlitzte aus,- das war bitter! Zwei kleinere Spiegler fing ich noch am Multi-Rig und ging somit nicht leer aus. Ich komme aber bald wieder!
Das Ablaichen bekam ich leider nicht direkt mit. Gegen Ende des Monats, als ich mal wieder die weite Fahrt ans Große Wasser auf mich nahm, waren die Karpfen bereits "leer" und vom Laichspektakel stark gezeichnet. Es lief super in den Tagen, auf wenig Futter in Verbindung mit Pop Ups am Hinge-Rig. Und sowie der Mai mit einer Bootssession angefangen hatte, so endete er auch. Bei bestem Badewetter auf einer weiteren Bootstour mit schönen Karpfen.
Ein klasse Mai war nun vorbei.
Grüße Kai

Mein Tempest mit Insect Panel

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