27.06.16

Mut zur Lücke - Kai Lander

Anfang Juni war ich für einige Nächte in Mecklenburg an einer Seenkette unterwegs auf der Suche nach unbekanntem Wasser. Das Wetter zeigte sich von seiner guten Seite, viel Sonne und der Luftdruck passte auch. Die Wassertemperatur im Flachwasser von 25 Grad ließ annehmen, dass ein Großteil von den Karpfen mit dem Laichen bereits durch waren. Ich hoffte, dass die Dicken Rogner noch voll mit Eiern sitzend ihre Bahnen ziehen. Die Vergangenheit zeigte mir und einigen freunden immer wieder, dass die Großen länger brauchen bis sie auf Laich – Temperatur sind. Mit Poolbrille bewaffnet ging es mit dem Boot auf die Suche nach den Karpfen. Uferbereiche, Seerosenfelder, Schilffelder sowie überhängende Büsche wurden abgesucht. Das nahm einiges an Zeit in Anspruch bei dieser großen Wasserfläche und Motor Verbot. Die Wassertrübung ließ max. eine Sicht von 1,20 m Tiefe zu. Daher musste ich mich gedulden und lange an einigen Bereichen in der Falte stehend ausharren, um wirklich nichts zu übersehen. Drei Stunden waren bereits vergangen und von Karpfen war nichts zusehen. Mir blieb nur noch ein breites Schilffeld im tieferen Bereich des Sees, was ich noch nicht erkundet hatte. Dieses Schilffeld wies zwei kleinere Eingänge auf und war unregelmäßig mit großen freien Stellen versehen. Das Faltboot passte gerade so durch den Eingang, das sah hier aber verdächtig nach Fisch aus. Zumal zwischen Ufer und dem Schilf, sich ein breiterer Streifen mit über 30 m Länge befand, der nicht bewachsen war. Am Grund waren viele geknackte Muscheln sowie kleine Fraßlöcher zusehen. Ich stellte mich hin und sah einige Meter vor mir einen sehr großen Strudel und im gleichen Augenblick einen Karpfen, dann noch einen und immer mehr. Leise verzog ich mich aus dem Schilffeld und richtete mein Camp ein. Zwei Ruten fanden ihren Platz am Schilffeld, vor den Eingängen bei 1 m Tiefe und die Dritte vor einem großen Krautfeld in 4 m Tiefe. Der Abend verging und nichts bewegte sich, kein Piep, nichts. Den nächsten Morgen erblickte ich ohne Nächtliche Unterbrechung. Was war hier los? Wollten die Fische nicht fressen? Der erste Kaffee des Tages musste verschoben werden. Die Plätze checken war jetzt wichtiger, meine Boilies lagen alle noch an Ort und Stelle. Anschließend kämpfte ich mich wieder in den kleinen Eingang vor. Gleich mehrere Karpfen machten sich bemerkbar, das war genug, mehr brauchte ich nicht sehen. Zwei meiner Montagen mussten hier irgendwie in die Lücken! Auf dem Weg zum Camp, kam mir auch die Idee. Die Schnur musste direkt vom Blei aus dem Wasser hinaus. Zum Umlenken boten sich Äste der überhängenden Erlen perfekt dafür an, um die Schnur über das Schilf zu bekommen. Den Vorteil der Erlen als Umlenker sah ich darin, dass wenn ein Fisch sich hakt, der Druck vom Land aus auf den Fisch kommt. Und ein gehakter Fisch idealerweise aus dem Schilf in Richtung Freiwasser flüchtet. Soviel zu Theorie, klappen musste das aber auch noch.

XT Snagleader - ein Muss in meiner Angelei

Farbe fängt schnell Fisch

Die Montagen hielt ich einfach und robust. Korda lässt da keine Wünsche offen und hat einiges dafür im Programm parat. Meine Vorfächer waren für den Tag über Hing Rigs mit kleinen Fluoro Pop Ups und für die Nacht lange Monovorfächer aus IQ2 mit weichem Haar und großem Schneemann. Damit ja keine Brassen, die hier zahlreich vertreten waren nachts für Unruhe sorgen konnte. Die 30 cm langen Vorfächer hatten genügend Dehnung und konnten so als Puffer fungieren, falls ein Fisch sich festsetzt, um nicht zu schlitzen. Choddys sind die besten Haken für Monofiles Material und haben mein vollstes Vertrauen. Für das Schilf war er stark genug und kam in Größe 4 drauf. Keine Stunde später und die zwei Fallen lagen Perfekt in den Lücken. Eine Handvoll Boilies die in Goo Wicked Tuna und Thunfisch aus der Dose gesoakt waren reichte vollkommen für die Situation. Die Schnüre wurden stramm bis zum 150 m entfernten Angelplatz abgespannt. Auf Bootsverkehr brauchte hier keine Rücksicht genommen werden, war ich doch der Einzige an diesem Wasser. Komisch sah es schon aus, die Erlenäste zum Umlenken der Schnur zu nutzen. Zur Mittagszeit die Sonne brannte ordentlich, setzte sich eine der Schilfruten in Bewegung. Ein kurzer Ton vom Bissanzeiger und der Clinga klebte an der Rute bei geschlossener Bremse. Ohne Druck aus zu üben, ging es im Eiltempo zum Schilffeld, erst dort nahm ich den Kontakt auf. Die Schnur war bereits von dem kleinen Ast gezogen und der Fisch stand ruhig nur wenige Meter vom Freiwasser entfernt im Schilf. Die Schnur noch grob vom Schilf befreit und der eigentliche Drill begann. Nach einigen hektischen Minuten war der Karpfen im Freiwasser. Sicher konnte ich den alten Kämpfer landen, Erleichterung machte sich in mir breit. Was für eine Aktion, es schien zu funktionieren mit meiner Ast-Umlenker Variante. Der Choddy saß perfekt in der Unterlippe. Mit dem Einzug der Nacht kam die andere Rute ins Rennen. Ein Dauerton schallte durch das Tal. Dieser Fisch blieb im Schilffeld, hart unter der Rutenspitze kämpfte ein wilder Milchner. Immer weiter wollte er ins Schilf, aber Schnur gab es keine von mir. Nach etlichem Hin und Her bekam ich den Fisch irgendwie in den Kescher. Die restliche Nacht über blieb es ruhig, hat der Drill doch sehr viel Unruhe in den Bereich gebracht. Der nächste Vormittag brachte zwei Bisse kurz hintereinander, von denen mir einer leider ausgeschlitzt ist. Den anderen konnte ich ohne weitere Probleme fangen. Bei allen Fischen handelte es sich ausschließlich um Milchner, die Rogner ließen sich nicht blicken. Im Laufe des Tages ist der Luftdruck von 1012 hPa auf 1028 hPa rasant in die Höhe gestiegen und es kam was kommen musste, die Karpfen stellten das Fressen ein. Ich konnte beobachten, wie lethargisch einige von ihnen zwischen dem Schilf standen. Die letzte Nacht brachte wie auch anders zu erwarten keinen Biss. Tägliche Kontrolle der anderen Spots, die mit Futter bestückt wurden zeigte, dass kein Boilie fehlte. Die Fische nahmen nur in diesem einem Schilffeld Futter auf. Die Entscheidung war genau richtig es in den Lücken zu probieren, nicht gerade eine angenehme Art des Angelns. Aber besser versuchen das Unmögliche möglich zu machen, als tatenlos hinter den Ruten zu hocken.
Grüße Kai

Pink bringt's

Einer mit Kraft für drei

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