10.11.14

Neues Selbstvertrauen - Max Brodehl

Max Brodehl hat sich dieses Jahr keiner leichten Aufgabe gestellt: Vater Rhein. Der große Strom fordert Geduld und Motivation. Um die aufrecht zu halten, macht max Abstecher an sein Hausgewässer:

Da ich in letzter Zeit von Vater Rhein regelmäßig den Allerwertesten versohlt bekam, war es nun endlich mal wieder an der Zeit, eine Session am See abzuhalten. Auch wenn ich meine Kraft und Zeit mit aller Leidenschaft in das „Projekt Rhein“ steckte, keine oder nur wenige Fänge kratzen am Selbstvertrauen. Der sich in immer größeren Schritten nähernde Herbst, der gute Besatz im See und nicht zuletzt die Fangergebnisse der Kollegen während der letzten Wochen ließen in mir die Hoffnung keimen, den ein oder anderen Specki abgreifen zu können. Glücklicherweise endete meine Arbeitswoche zwei Tage früher als geplant und ich konnte eine spontane Session am Vereinsgewässer ohne großes Vorfüttern abhalten. Am See konnte ich nun auch mal einige neue Produkte (wie z.B. das COG System) testen und mir davon ein eigenes Bild machen. Am Rhein ist mir dieses Bleisystem leider noch nicht behilflich, da es die Bleie noch nicht in einer schweren Ausführung gibt (einige Vögel zwitscherten aber, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es COG Bleie bis zu 8 oz geben wird).

Auf einer flach abfallenden Kante mit weichem Sand am Uferbereich sollte eine Falle platziert werden – die andere etwas weiter in Richtung Seemitte. Ich fütterte an der Uferrute ca. zwei Hände voll GLM-Boilies und verwendete einen extra Hakenköder, der etwas fester und leichter gegenüber den Futterboilies war. Neben der Tatsache, dass so ein schwereloser Köder leichter und schneller ins Maul fliegt, sieht er aufgrund der Zugabe von Pop Up Mix auch noch ausgewaschener aus. Möglicherweise schöpft das auch weniger Misstrauen bei den Fischen. Schließlich ist die Saison 2014 schon weit vorangeschritten und die Fische standen unter permanenten Angeldruck. Der Köder hing an einem 8er Krank Hook am Kombi Rig und dem COG-System. Da weder Hindernisse, noch Kraut in der Nähe des Spots waren, wählte ich diesen zugegebenermaßen recht dünnen und kleinen Haken. Zudem war rundherum genügend Platz um den Fisch in aller Ruhe auszudrillen – meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Aspekt um einen Haken nicht mit unnötig viel Druck zu belasten.

Die andere Rute bestückte ich mit einem auffälligen Schneeman. Bei der Angelei ohne Vorfüttern probiere ich gerne unterschiedliche Typen von Hakenköder aus. Man weiß ja nie, was derzeit bei den Karpfen „In“ ist. Es dauerte eine Zeit lang, bis ich Vertrauen in das COG-System bekam. Das erste Mal in der Hand gehalten, sah es doch recht globig aus, wenngleich die Idee hinter diesem Produkt mehr als einleuchtend ist – ein Safety System mit einem Inline System vereint. Aber wie soll man Vertrauen in ein Produkt bekommen, wenn man es selbst nicht ausprobiert? Also kam ein COG #4 (Flat Pear) an die Hauptschnur. Ich denke, dass mir der weiche Sand gut in die Karten spielte und sich das Blei ein wenig darin eingrub. Dass sich das Blei verkehrt herum am Boden ablegt befürchtete ich nicht, da es meiner Meinung nach dem Prinzip eines Method Feeders gleicht. Der schwerere Teil wird immer zuerst in Richtung Grund fallen. Zudem sinken Hakenköder und Vorfach langsamer als das Blei, wodurch sich das Blei ebenfalls in die richtige Richtung dreht. Um Verwicklungen während des Wurfes zu vermeiden, ist ein steiferes Vorfachmaterial empfehlenswert. Mein Kombi Rig bestand aus IQ2 und auf den letzten cm aus Dark Matter Braid für mehr Beweglichkeit.
So viel zur Theorie, nun zur Praxis ;-)

Gegen 22 Uhr bekam ich einen Biss auf die Uferrute. Dieser Dauerton des Delkims – wie sehr ich ihn vermisst hatte… Nach einem kurzen und relativ unspektakulärem Drill glitt ein Spiegelkarpfen in die Maschen des Keschers. Yes! Es fühlte sich gut an, endlich wieder einen Karpfen gefangen zu haben. Die Größe und das Aussehen waren zweitrangig. Manch einer würde diesen Fisch vermutlich als wahren Charakterfisch betiteln, für mich war es ein unförmiger Spiegelkarpfen, über dessen Fang ich mich riesig gefreut habe. Kurzerhand noch schnell den K(r)ampf mit dem Selbstauslöser bei Nacht aufgenommen und schon flog die frisch beköderte Rute wieder an die Uferkante. Dazu noch eine Hand voll GLM Boilies – fertig. Gegen 8 Uhr morgens riss mich der Dauerton der Funkbox erneut aus dem Schlaf. Es war ebenfalls die Uferrute. Der Fisch startete mehrere heftige Fluchtversuche, fand jedoch keinen Unterschlupf im Geäst oder Kraut. Ein weiterer Spiegelkarpfen im goldgelben Herbstkleid inhalierte ebenfalls den Hard & Light Hookbait. Auch hier hing der Krank, dessen Hakenbogen ich zusätzlich noch mit etwas Dark Matter Tube beschwerte, bombenfest in der Unterlippe. Eines muss man dem Krank Haken lassen – hat er erst einmal gegriffen sitzt er verteufelt stark. Eine Eigenschaft, die nicht viele Haken aufweisen. Übrigens kann ich das Vorurteil, dass man beim COG System jedes Mal das Blei verlieren würde nicht bestätigen. Das Blei löst sich aus der Einfassung im Schwerpunkt, nicht aber aus dem Safety Clip. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte den Tail Rubber so weit wie möglich über den Lead Clip ziehen und auf das vorherige Anfeuchten verzichten. Aber dass man nach jedem Fisch ein neues Blei benötige ist und bleibt ein Mythos.

Der restliche Tag verlief ruhig und ohne weitere Aktion. Ich konnte noch ein wenig Sonne tanken und ließ den Tag gemütlich ausklingen. Zwar war der zweite Fang dieser Session vom optischen her wunderschön, aber war er deshalb mehr wert als das Abbild von Quasimodo? Ich sage „Nein“. Schließlich hat der buckelige Fisch meine Durststrecke vorerst beendet und neues Selbstvertrauen in mir geweckt. Und mit genau diesem Selbstvertrauen geht es nun mit vollem Einsatz in die Herbstsaison. Viel Erfolg am Wasser,
Max Brodehl

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE