02.09.19

Nuancenwechsel - Michael Nürenberg

Viele Jahre verbrachte ich an Gewässern mit einem geringen Karpfenbestand. Immer wieder packte mich der Reiz, einen der großen Karpfen zu fangen. Einen Fisch mit einem enormen Stellenwert in meinen Fangbüchern.
Im letzten Jahr trat ich einen Verein bei, nahe meines Wohnortes. Die 55ha große Kiesgrube hatte es mir angetan, denn dort wurde mir der komplette Kontrast geboten. Neben dem guten Fischbestand wurde ich zeitgleich mit einigen Faktoren konfrontiert, die mir völlig neu sind. Starker Angeldruck. Den gab es an den dünn besetzten Kiesgruben kaum, eher war es eine Handvoll Leute, die so gut wie jedes Wochenende auf „Ihrem“ Futterplatz saßen. Dieses Vorgehen hatte jeder Angler respektiert, Ausnahmen gab es keine. Nun sieht die Situation anders aus. Viele Angler kämpfen von Wochenende zu Wochenende um die besten Plätze, viele verbringen ihren Jahresurlaub dort und belegen einige Spots direkt mehrere Wochen am Stück.
Viele Angelstellen gibt es in Anbetracht auf die Gewässergröße nicht. So kann es auch mal vorkommen, dass man Freitag Abend nach getaner Arbeit am See ankommt und jeder Angelplatz besetzt ist.

Einen Platz mit Futter vorzubereiten gleicht einem Glücksspiel. Die Wahrscheinlichkeit einen kompletten Bundesliga Spieltag im Fussball richtig zu tippen, ist deutlich größer, als am Wochenende seinen präparierten Platz zu bekommen. Völliges Neuland!

Im Grunde macht dies aber nichts, denn eine neue Situation war mein Ziel. Ich wollte es schaffen regelmäßig Fische zu fangen und ohne anstrengende Kampagnen die Abhakmatte nass zu bekommen. Nun, knapp ein Jahr später kann ich auf ein gut gefülltes Fangbuch zurück blicken und habe, so denke ich zumindest, einen guten Überblick über den Bestand. Die Masse der Karpfen sind Spiegler in der 12Kg Kategorie. Gefräßige Maschinen, welche recht hektisch beissen, getrieben durch Futterneid. Durch Gespräche mit anderen Anglern ließ ich mir aber sagen, dass es hier auch einige Fische geben soll, die deutlich größer sind. Nicht immer sind solchen Aussagen sofort Glauben zu schenken, denn ein korrektes Wiegen der Fische scheint immer noch nicht bei jedem angekommen zu sein. Nach einem Jahr dort, kann ich stolz behaupten so einige Fische gefangen zu haben, einen Ausnahmefisch jedoch nicht. Wie auch? Jedes Wochenende arbeitet man mit extrem attraktiven Ködern, sowie Futter. Da wie bereits erwähnt, ein Vorbereiten nahezu unmöglich ist. Die kleineren Bewohner des Gewässers sind nunmal schneller am Platz und der auffällig präparierte PopUp schnell eingesaugt.

Ich musste mein Vorgehen also überdenken, um an die richtigen "Otter" heran zu kommen. Der Baggersee hat extrem klares Wasser, einen starken Krautbewuchs und eine Grundstruktur, die der Mondlandschaft gleicht. Einen Bodenköder anzubieten, schien mir einfach nicht die ideale Köderpräsentation, denn das viele Kraut schluckt so ziemlich alles. Was war also der Schlüssel zum Erfolg? Zwei der erlaubten drei Ruten wurden weiterhin mit den auftreibenden Ködern bestückt, die Bissfrequenz und das Feedback, welches die Fische einem geben, macht einfach zu viel Spaß! Dennoch wollte ich an die wenigen Großen ran. Die dritte Rute wurde fortan mit einem schwerelosen Wafter am Loop Rig angeboten. Dieses Rig bietet einem gleich mehrere Vorteile. Zum einen bleibt es absolut verhedderungsfrei, zum anderen habe ich die Gewissheit, dass es sich durch die steife Boom Komponente sanft auf das Bodenkraut ablegt und der leichte Bodenköder nicht durchsackt. Als Beifutter wurden dort ausschließlich 25mm große Boilies gefüttert, welche einige Tage an der Luft richtig durchgehärtet sind. So konnte ich mir sicher sein, sollte an dieser Rute mal der Bissanzeiger ertönen, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich größer einen der schlauen Großen gehakt zu haben.

Und sie lief ab! Zum Vorschein kam ein perfekter Spiegelkarpfen, der die 20 Kilogramm überstieg. Für mich ist es jedes Mal aufs Neue eine Faszination, wenn die ausgewählte Taktik das gewünschte Ergebnis bringt. Angeln ist eben doch mehr als nur ein Glücksspiel!

Michael Nürenberg

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