20.08.15

Ostwindhoch - von Max Ingenhaag

Max Ingenhaag hat bereits vor Jahren an einem Korda-Jugend-Workshop teilgenommen und ist nach wie vor mit unseren Produkten sehr erfolgreich. Hier ein schönes Update von ihm:

Nach dem Bestehen einer mündlichen Abschlussprüfung fiel der Druck von mir ab. Endlich —diesen Moment hatte ich so lange herbeigesehnt. Die Prüfungsvorbereitung schränkte meine Frühjahrsangelei doch ein Stück weit ein. Jetzt hatte ich nur noch einen Wunsch: „Raus ans Wasser, die Natur erleben, neue Energie tanken und im Idealfall noch einen schönen Karpfen überlisten“ — eben einfach frei sein.

Parallel zog das Hochdruckgebiet der letzten Wochen über die Bundesrepublik. Die ganze Woche sollte es warm werden. Dazu gab es, wie bei uns üblich, einen leichten bis mäßigen Ostwind. Für die meisten Leute sicherlich ein Traumwetter und für viele Freibäder der Startschuss in die Sommersaison. Fangtechnisch gesehen aber sicherlich nicht das, was die meisten Karpfenangler sich wünschen. Ich zog trotzdem los, schließlich wollte ich den Kopf frei bekommen. Außerdem tut ein bisschen Sonne tanken, ja auch mal ganz gut. Mit dem Gedanken war ich nicht alleine. Am Gewässer hatten sich noch viele weitere Angler eingefunden. Um niemanden auf die Pelle zu rücken und auch um selbst ein bisschen Ruhe zu finden, entschied ich mich für einen kleinen, noch unbesetzten Bereich im Ostwind. Mein Ziel war es das Beste aus dem zu machen, was mir gegeben war.

Damit ich weiß, wie mein Spot aussieht, welchen Untergrund ich vorfinde und auch um im Vorfeld vielleicht schon Fische zu sehen, ist eine gute Location für mich unabdingbar. Mit Polbrille bewaffnet, schaute ich mir die ufernahen Bereiche an. „Eigentlich doch ganz cool“, dachte ich mir.
Unter Seerosenfeldern fand ich einige helle, kiesige Stellen. Da konnte ich mir vorstellen, dass diese ufernahe Zone von den Fischen auf jeden Fall in der Nacht mal angeschwommen wird. Auch im Kraut entdeckte ich freie Stellen, die in mir Euphorie erzeugten. Der Plan war eigentlich recht schnell gemacht. Ich wollte die Berge, Sandbänke usw., die in Distanz lagen, in Ruhe lassen. Stattdessen montierte ich 2 Fallen, die an dem Ostwindufer angeboten werden sollten. Zum einen wählte ich einen auffälligen, pinken Pop-up aus. Diesen hatte ich zuvor in einem Infuza mit pinkem Almond-Goo behandelt. Der eigentlich weiße Pop-up, den das Goo grellpink gefärbt hat, gibt über längeren Zeitraum seine Farbe und Aroma ab. Als Vorfach verwendete ich ein Hinged Stiff Rig, gebaut aus N-Trap Soft, Mouth-Trap und einem Größe 6 Choddy-Haken.

Als zweite Uferfalle sollte ein 20 mm Fischboilie in Verbindung mit gelben Pop-up Fake Maize zum Einsatz kommen. Hier verwendete ich ein Rig aus Dark Matter Braid und einem 4er Krank-Haken. Das flexible, bleihaltige Vorfachmaterial beschwere ich zusätzlich noch mit großen Sinkern. So passt sich dieses Rig exzellent den Konturen des Gewässergrundes an. Mit gutem Gefühl genoss ich die Sonne, nahm vermehrt rollende Karpfen in meinem Bereich wahr und konnte entspannt einige Naturaufnahmen mit meiner Kamera einfangen. Plötzlich pfiff eine der Ruten ab. Nach ausdauerndem Drill konnte ich einen langen, schlanken Schuppenkarpfen, über 20 Pfund, keschern. Überglücklich hoffte ich auf mehr.

Nachdem die Sonne mein Zelt am nächsten Morgen schon früh in eine Sauna verwandelte und schlafen unmöglich machte, beobachtete ich die Morgenkulisse. Dabei konnte ich einen prallen Spiegelkarpfen, der sich laut klatschend aus dem Wasser schraubte, erspähen. Spontan entschloss ich mich die Session noch um ein paar Stunden zu verlängern und erst gegen Mittag einzupacken. Ungefähr zur selben Tageszeit, wie beim Schuppi, lief die Rute erneut ab. Die Fische schienen diese Stelle bevorzugt in der Mittagshitze anzuschwimmen. Mit ordentlichem Gegendruck zog mein Gegenüber tief und konstant seine Bahnen. Als ich ihn zum ersten Mal sah, erschrak ich und dachte an den rollenden Fisch vom Morgen. Der Choddy saß perfekt in der Unterlippe und ließ ein einwandfreies Keschern zu. Persönlich hätte ich mit diesem Mittagstischgast, über 40 Pfund, nicht mehr wirklich gerechnet. Genau das ist es was Angeln für mich ausmacht. In einem immer mehr verplanten und strukturierten Alltag, bleibt dieses Hobby unberechenbar. Es vermittelt uns Freiheit und lässt uns niemals die Beziehung zur Natur vergessen.
Es bleibt ein Abenteuer…


…genießt Eure Zeit am Wasser und behaltet den Spaß an der Sache.
Max Ingenhaag

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