15.05.17

Perlensucher - Jan Brase

Jahrelang angelte ich an einem See ganz in der Nähe meines Zuhauses. Die Jagd auf Karpfen war entspannt, da das Gewässer einen sehr guten Fischbestand aufweist und man mit wenig Aufwand viele Fische fing. Aber auch an den bequemsten Seen wird es irgendwann mal langweilig und man will neue Gewässer kennen lernen, um sich auch anglerisch weiter zu entwickeln. Letztes Jahr war ich an einem ca. 10ha großen, flachen See, der zwischen einem Wohn- und Waldbereich liegt. Mir wurde zugetragen, dass dort einige Perlen rumschwimmen sollen, diese aber nicht leicht zu fangen sind, da man sich erst durch die kleineren Fische durchangeln muss und generell nicht viele Bisse zu erwarten sind. Ich konnte damals tatsächlich nur 3 Fische in mehreren Nächten fangen, aber darunter waren schon echt schön beschuppte Karpfen und ein Two Tone Spiegler. Irgendwas musste also an den Geschichten dran sein und ich schwor mir, dort in diesem Jahr komplett anzugreifen.

Gesagt, getan! Nach dem Winter legte ich sofort los und musste direkt mit ansehen, dass der See anscheinend immer beliebter wird. Mein Vorteil war, dass ich bis April Urlaub hatte und unter der Woche weitaus weniger los war als am Wochenende. Mich zog es in die Waldseite, von der ich in den Hauptteil des Sees sowie in zwei Buchten rechts und links von mir fischen konnte. Somit hatte ich viele Gestaltungsmöglichkeiten und konnte die Fische auf großer Fläche mobil suchen. Auch schaute ich mir in Ruhe an, wie die anderen Angler hier vorgehen und beschloss, genau das Gegenteilige zu machen. Auffällig war, dass hier immer viel gefüttert wurde und das bei noch nicht einmal 6°C Wassertemperatur. Aber scheinbar habe ich die richtigen Schlüsse draus gezogen, meine Fangergebnisse in den ersten Nächten waren jedenfalls für die Verhältnisse sehr ordentlich. Ein paar Karpfen konnte ich fangen, die richtigen Perlen fehlten noch, aber das sollte sich schnell ändern…

Schönes Schuppenbild, na also!

Teig als Beifutter, Teig um den Köder - kluge Taktik

Denn weiter geht’s: Die Sonne strahlte den ganzen Tag mit mir um die Wette. Ich hatte einen erfolgreichen Tag mit 4 Karpfen und außerdem noch einen kleinen Sonnenbrand auf der Nasenspitze. Es ist herrlich, die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr auf der Haut zu spüren. Wahnsinn, was so ein bisschen Vitamin D mit unseren Glücksgefühlen anstellen kann, aber man hatte endlich mal wieder das Gefühl, dass man aus seinem Winterschlaf erwachen würde. Genauso ging es wohl auch der Natur, die an diesem See besonders toll ist. Hier jagen noch Seeadler den kleinen Fischen Angst ein, abends hört man die Wildschweine grunzen und auch die Ringelnattern haben hier einige Nester und kriechen vor deinen Füßen ins Wasser, um sich unter den liebestollen Frösche zu mischen und erjagen sich den ein oder anderen Snack. An diesem See bist du entweder damit beschäftigt, die Natur zu beobachten oder du drillst einen dieser kampfstarken Fische. Aber eins ist Gewiss: Langweilig wird dir hier so schnell nicht.

Die Sonne ging gerade auf, da ist schon der erste Karpfen im Netz. Ein schöner Schuppi der 20 Pfund Kategorie, der sich einen weißen Pop Up am Spinner Rig schmecken ließ. Nicht nur meine Gewässerwahl ist dieses Jahr anders, sondern auch die Art, wie ich angeln werde. Ich habe mich anstecken lassen vom mobilen angeln mit Pop Up’s und wenig bis gar keinem Beifutter. Eine Rute wird ab sofort für diese Art Angelei abgestellt werden, da diese Methode sich hier bisher als sehr effektiv herausgestellt hat.

Aber auch auf der anderen Rute hat sich in diesem Jahr ein bisschen was getan. Da der Boden hier nicht mehr schlammig ist wie bei meinem anderen Gewässer, kann ich endlich mit Stiff Rigs fischen. Das IQ-D Rig hat es mir schon lange angetan, jetzt kann ich es auch endlich benutzen. Zusammen mit dem COG System ist es eine runde Sache, der Hakeffekt ist um einiges besser und ich darf mehr Karpfen auf meiner Matte begrüßen. Wo andere Angler meist nur 1 Fisch pro 24 Stunden fangen, habe ich nicht selten mehrere Bartelträger überlisten können. Aber auch das Futter ist wichtig, man sollte wenig, aber gut lösliches Futter anbieten, welches den Karpfen unter Wasser schnell auffällt. Ich entschloss mich, mit 3 großen Teigkugeln um den Hakenköder herum zu füttern, diese geben ständig ihre Attraktoren ab und sorgen schnell für Aufmerksamkeit. Außerdem beschäftige ich die Karpfen länger am Futterplatz. Da sie ohne Messer und Gabel fressen, müssen sie notgedrungen ihre Mäuler benutzen, um sich Teile des Teiges abzuknabbern. Dies dauert länger, als sich einen einzelnen Boilie einzusaugen und macht die Fische unvorsichtiger. Auch den Hakenköder ummantel ich mit Teig, somit imitiere ich gut einen „Teil“ des großen Teigballen, der schon abgefallen und leichter einzusaugen ist. Die Fische fallen drauf rein und bringen mir in aller Regelmäßigkeit nasse Keschernetze.

Mein Höhepunkt im Frühjahr war sicherlich eine Stunde am Nachmittag, wo ich zwei 30 Pfund und einen dickbäuchigen Spiegler auf der gleichen Rute fangen konnte. Leider habe ich jetzt erst einmal Sommerpause und komme erst wieder im Oktober ans Wasser, aber seid euch sicher: Die Suche nach den Perlen geht dann weiter!

Wir hören uns,
Grüße Jan Brase

Attraktive Happen am Spinner Rig

Die Falle ist scharf

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