09.12.15

Raus aus der Komfortzone - Jan Brase

Es ist nun schon Ende Oktober und so langsam beginnt auch bei mir die heiße Phase der Saison. Das Wasser ist jetzt schon merklich abgekühlt, in manchen Gewässern schon unter 10°C und die Fische können jetzt gar nicht anders als fressen, fressen, fressen!
Bis jetzt lief der Herbst für mich mittelmäßig. Trotz Urlaub schaffte ich es nur ein paar Nächte an meinem Hausgewässer zu verbringen. Ich fing zwar regelmäßig Fisch, aber irgendwie war alles so vertraut, so gut wie jeder Karpfen schon einmal gefangen. Die Abenteuerlust keimte in mir auf. Wie jedes Jahr bedeutet für mich der Herbst Reisezeit, die damit verbunden ist neue Gewässer kennen zu lernen. So auch jetzt, es sollte ins Land der 1000 Seen gehen, Mecklenburg! Ich guckte mir ein ziemlich flaches Gewässer aus, in der Hoffnung, dass die Fische bei den kalten Wassertemperaturen Ende Oktober erst recht fressen müssen. Am See angekommen verliebte ich mich sofort: gelb-grün-rote Baumlandschaften rund um den See, Schilfgürtel, abgestorbene Seerosenfelder und Totholz. Hotspots ohne Ende, hier muss einfach was gehen! Schnell wurden die Sachen aus dem Auto geräumt, das Boot startklar gemacht und ab ging es mit dem Echolot auf den See. Die erste Ernüchterung kam allerdings schon nach kurzer Zeit: Ich wusste ja, dass es hier flach sein sollte, allerdings war mir nicht bewusst, dass es so doll war: Mich begrüßte die reinste Badewanne, keine Kanten und eine durchschnittliche Tiefe von knapp 1m. Außerdem hatte das Wasser nur noch 7,9°C. So krass hatte ich mir das nicht vorgestellt und meine Mundwinkel begannen nach unten zu wandern. Wo bitte soll ich die Fische finden, wenn an den eigentlichen Hotspots das Wasser 80cm hatte? Dazu kam, dass die ganze Woche über sternenklare Nächte, Vollmond und Ostwind angesagt war. Aber aufgeben war nicht, ich versuchte die Situation so positiv wie möglich zu sehen und brachte die Köder zu den Plätzen, die ich für fängig hielt. Ein paar Boilies flogen grob um den Hakenköder und danach hieß es abwarten, ob die Fische die Plätze tatsächlich zum Fressen aufsuchten.

Und tatsächlich: in der ersten Nacht gab mein Delkim die ersten Lebenszeichen von sich und der Hänger hüpfte rauf und runter. "Nicht wirklich der typische Karpfenbiss", dachte ich mir und nahm Kontakt auf. Ich sollte Recht behalten, eine Karausche vergriff sich an meinen Snowman. Von denen soll es hier nur so wimmeln im See wurde mir gesagt, also was tun? Auf der einen Seite war ich nicht wirklich hier, um nur Karauschen zu fangen. Allerdings dachte ich, dass durch hohen Karauschenanteil auf dem Futterplatz die Aufmerksamkeit der Karpfen gesteigert werden könnte. Ich beließ alles erst einmal beim Alten. Als allerdings nach der zweiten Nacht die Karpfen immer noch nicht da waren und die Karauschen weiter bissen, entschloss ich mich noch einmal den See nach tieferen Ebenen abzusuchen. Und tatsächlich, ich wurde fündig! Das Gute kann manchmal so nah dran bei einem sein. Nicht einmal 5m vor meinen Füßen verlief die einzig "tiefe" Stelle, eine Kante von 0,90cm auf 1,70m und knallharter Boden verrieten mir, dass hier eine Futterstraße ist. "Wieso bin ich Idiot nicht vorher drauf gekommen?" fragte ich mich und knallte mir die flache Hand auf die Stirn. Sofort änderte ich meinen Plan und legte 2 Ruten in diesen Bereich ab. Da der See voll mit Unterwasserholz ist und auch diese Stelle davon betroffen ist, entschloss ich mich dazu, auf starke Haken zurück zu greifen. Somit bastelte ich mir 2 Stiff Bottom Bait Rigs aus dem IQ 2 Flourocarbon mit weichem Haar, allerdings kam nicht wie gewohnt der Longshank X zum Einsatz, sondern die neuen Kurv Shank XX Modelle in Größe 6. Diese sind für den doch dicken Draht verdammt scharf, drehen jedoch mindestens genau so gut und waren stabil genug, um die Rollenbremse komplett zu zu drehen, um bei einem Biss hart auf hart drillen zu können. Desweiteren ließ ich von nun an die Pop Ups weg und bot einen 30mm Sweet Insect Hookbait von Selfmade Baits an. Ich hoffte dadurch, dass die Karauschen es endlich ließen, an den kleinen Poppies zu naschen und sich irgendwann aufzuhängen. Allerdings wollte ich sie trotzdem am Platz haben, um die Karpfen aufmerksam zu machen, dass es dort etwas zu fressen gab. Also kellte ich auf den Plätzen noch ordentlich Hanf rein. Meines Erachtens ein super Köder, um einen Platz schnell zu aktivieren, gerade in den kälteren Jahreszeiten. Die Karauschen können also Haufenweise kommen, um den Hanf zu naschen und für die Karpfen blieben die großen Boilies über. So zumindest die Theorie…

Einfach schön

Hanf aktiviert den Platz

Die dritte Nacht begann und ich hatte ein gutes Gefühl, jetzt endlich die Fische abzupassen. PENG, KLATSCH… "na das war doch direkt auf meinem Platz" ,dachte ich und ging langsam raus, um mir das Geschehen live anzusehen. Ich musste leise sein, da meine Montagen keine 8m von meinem Zelt weg lagen. Aus dem Zelt heraus gekommen, sah ich nach ein paar Sekunden direkt vor mir eine Sternschnuppe. Was ich mir gewünscht habe, war ja wohl klar ;-) Das Rollen der Fische ging weiter, es musste einfach was gehen, sonst würde ich die Welt nicht mehr verstehen. Wieder in den Schlafsack zurück gekrochen und gerade wieder dabei einzuschlafen war es dann soweit: Der beliebte Delkim Ton war zu hören und ich sprang geistesgegenwärtig auf und rannte zur Rute. Der Kontakt war da, doch der Fisch hatte keine Lust direkt in den Kescher zu wandern und machte richtig Alarm. Ich musste zwangsläufig doch die Bremse auf machen, um keinen Schnurbruch zu riskieren. Direkt zog der Fisch dahin, wo ich ihn wirklich nicht haben wollte: Ins Buschwerk! Ab ins Boot und hoffen, dass alles gut geht. Es wäre super ärgerlich, gleich den ersten schuppigen Freund zu verlieren. Mit viel Geduld und Hoffnung, den starken Kollegen doch noch zu bekommen ruderte ich los. Über den Fisch stehend sah ich ihn, einen schöner Spiegler, der einmal um einen Baumstumpf herum und danach ins Schilf geflohen ist. Ich wollte den Fisch unbedingt und begann ganz langsam mit Hilfe meines Kescherstabes die Schnur zu entwirren. Dies klappte Reibungslos und nach kurzem weiteren Kampf lag er im Kescher! "YES" halte es über den ganzen See.
Erleichtert und mit einem fetten Grinsen im Gesicht ruderte ich ganz entspannt zurück auf dem Platz und versorgte den Spiegler. Ein paar Stunden vergingen noch bevor es wieder hell wurde. Ich stand früh auf, um das ganze Erwachen der Natur mitzubekommen. Vollkommen zufrieden saugte ich die ganze Stimmung in mir auf, Eisvögel flogen an mir vorbei, die Sonne fing an die bunten Bäume zu bestrahlen und die Retention Slang schwamm samt Inhalt ganz ruhig auf dem Wasser. "Das ist ganz nah dran an dem perfektem Moment", dachte ich und begann den Fisch zum Fotografieren wieder aus dem Wasser zu befördern. Nach der Fotosession gab es erst einmal lecker Frühstück und einen kräftigen Kakao. Ich ließ die letzten Stunden nochmal Revue passieren. Mein Gefühl sagte mir, dass es komisch sei seine Montagen so nah ans Ufer zu legen. Doch mein Verstand gab mir zu verstehen, dass sich dort sicherlich Karpfen aufhalten werden, und mehr als weiter blanken ging eh nicht. Mein "Versuch macht Klug" Prinzip hatte mich nun überzeugt und ich änderte zur nächsten Nacht nicht mehr um. Da ich in ein paar wenigen Stunden Geburtstag hatte, hoffte ich natürlich, dass ich an diesem Platz vor den Füßen meinen Geburtstagsfisch fangen könnte. Das Wetter tat sein übriges, der Ostwind sollte zumindest eine Nacht dem Südwestwind weichen und endlich mal keinen Bodenfrost. Schon früh am Abend legte sich ein gewaltiger Nebelschleier auf den See ab und die Sicht war gerade zu Null. Man guckte gegen eine Wand aus Feuchtigkeit, die immer wieder wärmenden Wind durch ließ. Im Zelt dösend wurde ich durch 2 Einzelpieper schlagartig wach und wollte gucken, was da los war. Ich öffnete den Zeltausgang und sah direkt vor mir eine schwarze Gestalt, kein Zweifel es war ein Tier. Langsam ging ich 2 Schritte nach hinten und holte vorsichtshalber mein Pfeffer Spray vom Bivvy Table. Wieder vorne am Ausgang war das Tier immer noch da und ich entschloss mich, meine Kopflampe anzumachen, um es eventuell durch das Licht zu verscheuchen. Klack, Licht an und da sah ich, dass 3m vor mir ein Wildschwein stand und mich ganz entspannt anguckte. Zuerst ging mir das Herz ein wenig in die Hose, aber nach ein paar Sekunden ging die Bache langsam wieder Richtung Waldgebiet und verschwand. "Puh,hätte auch anders ausgehen können", dachte ich mir und pustete einmal kräftig durch. Da an den Ruten nicht weiter erkennbares war ging ich auch davon aus, dass das Wildschwein wohl gegen meine Rute gekommen sein muss.

Doch das änderte sich 3 Stunden später: Mitten im Tiefschlaf, ich hatte schon Geburtstag, die Uhr zeigte 2 Uhr nachts an, pfiff meine Uferrute wieder los! Jeder kennt dieses Phänomenen, vollkommen benebelt zu der ablaufenden Rute zu rennen, Kontakt aufzunehmen um erst Sekunden später zu realisieren, was eigentlich gerade geschieht. So auch bei mir, auf einmal wurde ich wach und stand mit krummer Rute am Ufer. Dieses Mal konnte der Fisch nicht solche Kräfte entwickeln wie der erste,dadurch musste ich nicht mit dem Boot durch die immer noch dicke Nebelwand fahren, sondern konnte das Spiel nach circa einer Minute für mich entscheiden. "Ja man, Ziel erreicht,Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Jan", sprach ich kurz mit mir selber und grinste mir einen. Dieser Fisch war noch etwas größer als der Erste, wohlig proportioniert und farblich klasse gezeichnet. So einen kann man mal fangen an seinem Ehrentag. Nachdem ich am Morgen die Foto Session beendete ging auch wieder das fängige Wetter und der kalte Ostwind kam zurück. Um es kurz zu fassen: Es ging bis zum Schluss nichts mehr, was allerdings nicht weiter schlimm war, ich habe ein neues Abenteuer erlebt, den See lesen können und auch 2 Karpfen fanden den Weg in meinen Kescher. Auch die neuen Produkte wie das Mini Rig Safe und den XX Haken hatte ich das erste Mal dabei und garantiert nicht das letzte Mal! Gerade die Haken haben es mir angetan mit ihrem wirklich bombigen halt im Maul. Selbst als ich den ersten Karpfen im Unterwasserdschungel schon verloren dachte, hielt der Kurv Shank seinen Mann und half mit, den Fisch sicher aus der Gefahrenquelle raus zu bekommen und das alles ohne schlitzen, aufbiegen oder brechen! So langsam aber sicher schreitet der Winter voran und das große Fressen findet bald ein Ende. Bis dahin gilt es weiter die Zeit zu nutzen die man hat und wer weiß, vielleicht wartet ja noch die eine oder andere Überraschung auf uns.
Ich wünsche jedem Kollegen am Wasser erfolgreiche Stunden!
Cheers, Jan Brase

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