29.12.16

Schwarze Nächte, beschuppte Unikate - Michael Draxler

Den Lichtkegel der Kopflampe vor mir, bahne ich mir meinen Weg durch die Dunkelheit, den schweren Eimer in der Rechten. Es ist stockfinster, der Trampelpfad führt mich durch den Wald.

Das Jahr an diesem See war ein aufregendes. Ich fing erstaunlich viele Fische und doch war es gewissermaßen „unrund“. Die ganze Saison hatte ich keinen meiner Zielfische in Armen halten dürfen und die Prüfungszeit auf der Uni rückte nun mit großen Schritten näher. Sie würde mich zwingen, für heuer von diesen Ufern Abschied zu nehmen.

Nach einer erneut schlaflosen Nacht mit einigen kleinen Schuppis in Einheitsform und
-größe, saß ich zerknautscht auf meiner Liege und blickte ratlos aufs Wasser. Ich fing, doch irgendwie nicht das, wonach mir der Sinn stand. Wo war mein glorreiches Ende?
Da sprang ein Fisch, weit draußen, gerade noch auszumachen, zwischen den Nebelschwaden. Meine Augen wanderten mit ihm und ich wusste plötzlich wohin mit mir. Ans Nordufer. Komplett verwachsen, voll mit Hindernissen, kaum befischt und riecht ein bisschen nach Abenteuer. Ich ließ den altbekannten Platz hinter mir und machte mich mit der Lotrute auf gen Norden.

Im Frühling war ich hier, zwischen den im Wasser liegenden Bäumen, einem Spiegler nachgelaufen, mit genial beschuppten Flanken, einer ausladenden Wampe und kleinen, tief versenkten Augen. Ein wahres Unikat und eine absolute Rarität in diesem, von Schuppis dominierten, See. Täglich tauchte er frühmorgens an der gleichen Stelle auf, inhalierte ein paar Happen und trollte sich wieder davon. Und immer wieder saß ich dort im Gebüsch, mit zitternden Händen und pochendem Herzschlag, ihn im Visier, hoffend, dass er endlich in meine Falle tappt. Er tat mir den Gefallen nicht. Eines Tages war er fort. Einfach so.

Unweit dieser Stelle plante ich nun meine vielleicht letzte Nacht des Jahres zuzubringen. Vier mal folgte ich im dunklen dem Trampelpfad durch den Auwald, mit Futterkübel im Arm. Der Wald scheint hier jegliches Restlicht, ohnehin finsterer Herbstnächte, komplett zu schlucken. Das Wasser liegt im Schatten der Bäume wie Pech. Eine Spannung geht von diesem Ufer aus, die die meine noch verstärkte. Mein Feuer brannte wieder. Trotz der schaurigen Atmosphäre, fühlte ich mich hier plötzlich wohl und hoffte, dass es einem besonderen Abschlussfisch genauso ging. Die Anreise mit dem Trolly versetzte dieser Stimmung allerdings einen ordentlichen Dämpfer. Minusgrade und ich stand im T-Shirt völlig durchgeschwitzt vor dem erneut umgestürzten Gefährt. Eine volle Stunde war ich zugange, im Kampf gegen Auf und Ab und die mächtigen Wurzeln, die sich kreuz und quer über den Waldboden ziehen. Ich weiß warum hier selten jemand fischt.

Der holprige Start war vergessen, als die Ruten lagen und der Tee kochte. Auf meiner Liege sitzend, die ich auf dem unebenen Boden als fast perfektes „U“ aufgestellt hatte, musste ich über mich selbst lachen. Den erfolgreichen und bequem erreichbaren Platz aufgegeben für das hier. Und doch war ich glücklich. Plötzlich ein Piepen, ein Ausschlagen der Rutenspitze und ein Aufatmen von mir, als ich das Netz unter einen Fisch schieben konnte. Die Kopflampe angeknipst, wurde ihr Schein von großen Schuppen an der Flanke des Tiers reflektiert. Nein! Das gibts nicht! Er is es! Ich hatte ihn, meinen beschuppten Spiegler.

Drei tolle Schuppis folgten ihm nach. Die Nachtfotos wurden, passend zur Szenerie, schwarz. In den frühen Morgenstunden erneut ein Biss. Nach unglaublich hartem Kampf fielen mir fast die Augen aus dem Kopf, als ich den Fisch endlich im klaren Uferwasser ausmachen konnte. Wie Goldtaler zierten Schuppen seine Seiten. Die Maschen schlossen sich um ein absolutes Kunstwerk von Karpfen. Ich war hin und weg. Der zweite beschuppte Spiegler aus dem Schuppi-See. Das war er, mein glorreicher Abschluss, bevor ich Schirmzelt gegen Bibliothek tauschte.

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