08.05.16

Sinne schärfen, Fallen stellen II - Andreas Hetzmannseder

Und schon war sie wieder dahin, die bissige Schönwetterphase. Der Wetterwechsel hatte uns wahrlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Normalerweise sitzt du jetzt solange blank an einem Spot, bis sich die Bedingungen wieder zu Deinen Gunsten wenden. Oder Du kämpfst dich einfach so lange durch bis du wieder in einer besseren Position stehst. Ein mobiler Angelstil bringt hier ganz klar entscheidende Vorteile, wenn es auch nicht gleich heißen mag, dass man andernorts sofort wieder am laufenden Band Fische fängt. Meist ist ein gewisses Maß an Eigeninitiative nötig, vor allem an verkrauteten Gewässern steckt oft eine gehörige Portion Vorarbeit hinter so manchem Fangbild. Sind die Fische gefunden, heißt es oftmals noch längst nicht, dass man diese auch sofort und unauffällig beangeln kann. In der seichten Bucht hatten wir zu Anfang des Monats noch relativ leichtes Spiel, eine mehrwöchige Eisdecke hatte dem Unterwasserwald über den Winter hinweg den Gar ausgemacht. Mehrere große Krautlücken waren entstanden. In den tieferen Wasserschichten überstehen die großen, widerstandsfähigen Wasseralgenbüsche aber trotzdem so manchen Winter, um im herannahenden Frühling erneut neue Zweige zu bilden und wieder beginnen zu wuchern. Einige Tage verbrachten wir damit, im Bereich rund um das fängige Seichtareal Fallen zu stellen. Mal eine Rute auf 3m mal eine auf 4m und so weiter. Wir hatten keine wirklichen Anhaltspunkte mehr gefunden, das Wetter war mies und viel zu kalt. Obwohl wir täglich unsere Tempests einpackten und mehrere Runden um den See drehten waren die Tage vor dem Osterwochenende ein ziemlich hartes Brot für uns. Lediglich mit 2 Bissen in 4 Tagen mussten wir uns zufrieden geben.





Tempest Composite - ideal wenn wir mobil machen

Frostige Nächte...

Über Ostern allerdings sollte sich die Wetterlage wieder stabilisieren, 3 Tage gab es Sonne satt. Die Wassertemperatur kletterte, mit kurzer zeitlicher Verzögerung, in die Höhe. Ganze 3,5 Grad mehr zeigte mein Thermometer an. Beste Voraussetzungen eigentlich. Doch wie das an den öffentlichen Gewässern meiner Heimat eben so ist, herrscht in dieser Zeit reger Betrieb. Wir kauerten in der kleinen Bucht und wurden von allen Seiten regelrecht mit Angelschnüren abgespannt. Von Fischen erneut keine Spur und Spaß machte das natürlich auch nicht. Mitunter frustrieren mich solche Situationen manchmal sogar ziemlich. Es blieb aber ohnehin nichts anderes übrig als abzuwarten, bis die angelnde Horde abends das Feld räumte. Die Zeit dazwischen vertrieben wir uns mit reichlich starkem Kaffee und den Kuchenresten vom Ostersonntag. Manchmal muss man aus solchen Situationen einfach das Beste daraus machen und positiv gestimmt bleiben, sonst macht es irgendwann keinen Spass mehr. Der folgende Morgen war da schon wieder eine Nummer eher nach meinem Geschmack. Das brausende Geräusch der Bäume, am Himmel rasende Wolken und ein See ohne Angler. Es ging wieder steil bergauf. Nachdem sich bis zum Mittag hin ein regelrechter Sturm aus Südwest entwickelte zogen wir unverzüglich in einen anderen Teil des Sees um. Das erwärmte Oberflächenwasser schoss nur so gegen das Ufer, während wir unsere Lotbleie gen Horizont peitschten. Einen ganzen Nachmittag investierten wir in Location, um in einem etwas tieferen Areal, mit viel Krautbewuchs eine nennenswerte Stelle zu finden. In Anbetracht, dass diese Wetterlage aber noch einige Zeit anhalten sollte, ein durchaus gerechtfertigter Aufwand, der sich noch lohnen sollte. Ganz besonders in der ersten Nacht nachdem der Wind das Erste mal über das Gewässer fegte, hallten schwere, dumpfe Geräusche durch die Nacht. Die Fische waren untertags, mit dem Wind, in den tiefen Bereich gekommen und kaum hatte dieser sich abends gelegt und die Dunkelheit Einzug gehalten, nahm das Spektakel seinen Lauf. Am darauffolgenden Morgen beförderten wir unsere Rigs, mit einem kräftigen Wurf in die beiden, relativ kleinen, Krautlöcher, die wir gefunden hatten und waren erwartungsvoll was nun passieren würde.
Der Start war langsam aber verheißungsvoll. Auf einige Satzkarpfen, folgte erst ein schöner 28 Pfünder, spät nachmittags ein kampfstarker, hoher Dreißiger und beim Einpacken ein echter Goldbarren von 41 Pfund. Die Wetterbedingungen blieben weiterhin unkonstant und so betreiben wir mittlerweile so etwas wie einen Campingmodus in diesem tiefen, verkrauteten Areal. Die Fische scheinen sich dort aktuell wohl zu fühlen. Und es kam erneut nochmal richtig dick. Mehr dazu in einigen Tagen. Genießt euren Frühling, Jungs !
Andi Hetzmannseder

Fast 20 Kilo schwer...

…und 20,5 Kilo zum Abschluss!

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