27.03.17

Spontane Exkursion, 28.9kg - Michael Nürenberg

Ihr kennt es wohl auch, man setzt sich Ziele und erreicht sie einfach nicht. Jede Woche aufs Neue gibt man alles, um Ihn zu erwischen. Nein(!), ich bin niemand der aufgibt. Ich kämpfe. Ich kämpfe wenn ich an etwas glaube. Ich würde so gut wie alles dafür tun. Dabei geht es mir nicht um irgendein Häkchen auf der Erfolgsliste. Es ist eine Aufgabe für mich. Ein Ziel welches ich erreichen möchte, um etwas zu schaffen auf das ich stolz bin. Eine Quest mit mir selbst! Doch manchmal muss man seinen Weg verlassen, um ans Ziel zu kommen, ich habe mich festgebissen und komme nicht weiter. Ich befische seit einer gefühlten Ewigkeit ein kleines tiefes Gewässer, welches genau sieben (7!) Karpfen beherbergt. Ich möchte diesen einen fangen, doch es gelingt mir einfach nicht. Und so kommt es, dass ich für ein Wochenende dem kleinen verhexten Teich den Rücken kehre und auf eine spontane Exkursion fliehe. Zum ersten Mal seit der Zielsetzung, zu verlockend ist das Angebot.

Holiday Venue
Nils Elders und mir wurde angeboten für ein Wochenende einen privaten See in Holland zu befischen. Ein Gewässer, welches kommerziell genutzt wird und von Ende März bis Mitte November exklusiv von bis zu vier Anglern gebucht werden kann. 5Hektar groß, mit einer Durchschnittstiefe von fünf Metern. Zwei Seitenarme und eine Vielfalt von verschiedenen Hindernissen machen das Fischen an diesem Gewässer sehr reizvoll. Der Bestand ist recht hoch und die dortigen Fische haben nach Angaben des Inhabers ein Durchschnittsgewicht von 14 Kilogramm. Ein wirklich schönes Holiday Venue, ohne typischen Paylake-Charakter. Mal etwas anderes sehen, ein wenig Abwechslung, das tut einem bestimmt gut und so wurde das Tackle am Donnerstagabend im Auto verladen, um am Freitag direkt nach der Arbeit die Reise in die benachbarte Niederlande anzutreten. Dort angekommen verschafften wir uns erst mal einen groben Überblick über das Gewässer. Die Seitenarme, die in kleinen verwinkelten Buchten enden sind flacher als der Hauptkörper des Gewässers. Ein sehr starkes Krautvorkommen und eine Vielzahl von Totholz, Schilfgürteln und überhängenden Bäumen lassen einem keine leichte Wahl sich für die richtigen Spots zu entscheiden. Es fühlt sich an, als wären wir auf einem Trip in Südeuropa, solche Gewässerstukturen kennen wir ansonsten nur von den wilden Gewässern in Südfrankreich. Mit unseren riesigen tiefen Baggerlöchern hat dies nichts zu tun. Wir befanden uns um es genau zu machen in den Maasdünen bei Arcen. Genau das richtige, um auf andere Gedanken zu kommen.

Location Location Location...
Ein Wochenende ist schnell vorbei, die Lichtstunden Anfang März sind gering. Das Wasser noch eiskalt und die Fische vermutlich sehr träge. So verteilten wir jeder zwei Ruten im Hauptwasserkörper, an den tiefen Kanten nahe abgestorbener Krautfelder. Und die dritte Rute stand mit einem Chod Rig montiert und einsatzbereit am Zelt. So verbrachten wir den ganzen Samstag damit, einzelne Luftblasen anzuwerfen und sehr aktiv die trägen Fische zu lokalisieren. Wir liefen etliche Meter am Ufer auf und ab und hielten dabei stets die Augen offen. Diese Art der Angelei ist mit Sicherheit nicht bequem, doch brachte sie uns beiden in der Vergangenheit den ein oder anderen Bonusfisch. Zum Abendessen trafen wir uns an den Zelten und klügelten einen Plan für die letzte Nacht aus.

Gewonnene Erfahrung sofort umsetzen.
Da wir den ganzen Tag den großen Wasserkörper unter "Beschuss" unserer Chod Rigs hatten und wir keinerlei Kontakt bekamen, wollte ich die letzte Nacht auch die flachen Buchten nicht außer Acht lassen. Da diese aber teilweise keine zwei Meter tief sind und das Kraut komplett an die Wasseroberfläche ragt wollten wir nicht mit den Booten für Unruhe sorgen. Dennoch sicher gehen, dass die Montage sauber am Gewässergrund präsentiert ist. Für genau solche Situationen habe ich immer eine Tüte "Solidz PVA Bags" in meiner Tackletasche. In Kombination mit einem sehr steifen und kurzen Pop-Up Rig eine sichere Sache der Köderpräsentation. Auch bei starkem Krautbewuchs, durch die kleinen Pellets, dem Grundfutter und einem guten Schluck Liquid kann man attraktiv einen Pop-Up nicht präsentieren.

Es piepte genau zwei Mal.
Zugegeben, nach dem ich das eingepackte PVA Bag ausgeworfen hatte, fühlte ich, dass es den harten Gewässergrund erreicht hat. Dass ich in dieser grünen Winterhölle einen Biss bekommen würde, damit rechnete ich nicht mehr. Am nächsten Morgen meldete sich die Funkbox und sprach zwei kurze Piepser aus. Der Bobbin hing press am Delkim und der Fisch nahm keine weitere Schnur. Nils machte das Boot startklar und ruderte mich über die Stelle. Wir waren direkt über dem Spot. Der Fisch und ein Meer aus Kraut setzten sich unaufhaltsam in Bewegung, maximale Belastung für das eingesetzte Gerät. Die gekrimpte Verbindung hielt das 25lb Boom Material bombensicher. Und so kescherten wir einen riesigen Karpfen samt Krautfeld. Wir waren Baff, es war wirklich der Seekönig mit einem Gewicht von 28,9 Kilogramm.

Die Quintessenz
Rückblickend haben wir dieses Gewässer sehr gut beangelt. Wir hatten ein recht kurzes Zeitfenster und vermuteten die Fische in tieferen Wasserschichten. Als wir nicht zum Erfolg kamen, nahmen wir uns die verwinkelten und sehr flachen, mit Kraut zugewachsenen Buchten vor. Das es am Ende der ganz Dicke aus diesem Gewässer wurde, ja, das ist dann wohl der Lohn der Mühen geworden. Mit den richtigen Hilfsmitteln und dem nötigen Verständnis kann man seinen Köder immer richtig präsentieren.
Jetzt ist mein Mut jedenfalls zurück, der See mit den Sieben wartet noch immer...
Michael Nürenberg

Alles fertig fürs Interview

Die Trakker Matte nimmt ihn so gerade noch auf

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