29.01.20

Startschuss 2020 - Christoph Freuen

„Wenn Eis drauf ist fahre ich eben wieder nachhause und versuche es erst gar nicht woanders“. Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich Freitag nach der Frühschicht zum gepackten Auto auf dem Firmenparkplatz gehe. Ich würde schon gerne angeln und versuchen meinen ersten Karpfen 2020 zu fangen. Letztes Wochenende hatte ich es ja auch eigentlich angekündigt, dass ich das dieses Wochenende erledigen würde. Nun ja, meine festen Winterfutterplätze hatte ich in der ersten Januarwoche aufgegeben. Keine Lust mehr, keine wirkliche Motivation mehr und irgendwie wünsche selbst ich, als bekennender Winterangler, mir doch echt wieder frisches Grün und Sonnenstrahlen mit angenehmer Wärme. Doch was bringt Ende Januar das Jammern? Nix! Also ab zum Weiher, gucken ob Eis drauf ist oder ob ich angeln kann und wirklich einen Versuch wage.

Am Weiher angekommen sehe ich eine spiegelglatte aber eisfreie Wasseroberfläche. Angeln ist also möglich. Ich war lange nicht mehr hier und muss feststellen das der letzte heiße Sommer den Wasserstand hart ordentlich sinken lassen. Gut ein Meter fehlt von Ufer bis zum Wasser. Da ich weder Watstiefel, noch Wathose dabei habe, diese aber aufgrund des Wasserstandes an den meisten Stellen nun bräuchte, begrenzt sich die Stellenauswahl auf den tieferen Bereich. Passt schon!

Es ist schon 16.00 Uhr als ich mich entschieden habe zu bleiben und meine sieben Sachen zum Ufer trage. Pup Ups werfen und so aktiv Fische suchen ist angesagt. Ok, nicht ganz. Ich bin ja immer noch „Futterangler“ und so ganz ohne läuft es bei mir auch im Winter nicht. Mein Plan ist es einen Platz mit ein paar Spombs gut gesoaktem Boiliecrush und Pellet Mix etwas unter Futter zu setzen und dort die Nacht über zu angeln. Ab der Morgendämmerung möchte ich dann aufmerksam nach Zeichen von Fischen Ausschau halten und mit dem Pop Up werfen beginnen.

Nachdem ich 6 Raketen meiner Futtermischung platziert habe werfe ich meine beiden abgelängten Ruten mit an Multirigs montierten Pop Ups auf den Platz. Was das Angeln mit Pop Ups angeht vertraue ich zu 100% auf diese simple Rig, welches mit schon echt viele Fische gebracht hat.

Ich habe gerade meine Stows in die Schnüre gehängt und bin dabei den Kescher griffbereit hinzulegen, als sehr verhalten Leben in eine meiner Ruten kommt und der Delkim ein paar zaghafte Töne von sich gibt. Die Schnur strafft sich und ich nehme die Rute auf. Vom Drill her glaube ich echt daran, meinen ersten Karpfen im neuen Jahr zu drillen als vor dem Kescher ein ca. 1,3m langer Stör auftaucht. Na toll, die Pellets schießt es mir sofort durch den Kopf. Da es bereits dunkel ist und ich mich noch für die Nacht einrichten muss, beschließe ich, von meinem ersten Fisch 2020 keine Fotos mehr zu machen. Die Rute länge ich schnell neu ab, checke den Haken, der Pop Up bleibt noch dran denn er war ja gerade erst gut im Wasser, Wurf und schon liegt der Köder wieder am Spot.

Die frühe Dunkelheit des Winters befördert mich wie so oft recht früh in den Schlafsack. Nach drei Wochen frühem aufstehen um 4.00 Uhr zur Frühschicht, schlafe ich schnell ein und bin am Morgen um 6.00 Uhr nicht wirklich böse das nichts mehr gebissen hat. Ich mache mir eine Tasse Kaffee und lausche in die Dunkelheit, welche über dem noch immer spiegelglatten Weiher liegt. Es ist ruhig und ich höre nichts außer absoluter Stille. Nach meinem Frühstück ist es hell genug die Oberfläche gut im Auge zu behalten. Doch auch dort lässt sich lange nichts beobachten. Erst gegen 10.30 und nach etlichen Tassen Kaffee, bemerke ich eine kleine Bewegung an der Oberfläche. Kurz abwarten aber ein Haubentaucher oder Kormoran taucht nicht auf. Es muss also ein Fisch gewesen sein. Ob es ein Karpfen war, weiß ich nicht aber immerhin ein Anzeichen eines Fisches. Ich kurbele eine Rute von Platz, checke den Haken und ziehe einen neuen Pop Up auf, bevor ich sie dorthin werfe, wo ich vor ungefähr 5 Minuten den Fisch gesehen hatte.

Es vergehen 10 weitere Minuten bis sich tatsächlich, wie beim Biss des Störes von gestern Abend, zaghaft und nur durch einzelne Töne ein Biss auf diese gerade geworfene Rute ankündigt. Beim Drill denke ich wieder an den Stör. Ein Stör kommt selten alleine… Dieses Mal keschere ich allerdings tatsächlich meiner ersten Karpfen der Saison. Yes, Job done! Freuen freut sich.

Kurz darauf fange ich auf dem Futter noch Stör Nummer zwei. Jetzt auch mit Foto, da meine Kamera noch auf dem Stativ montiert dasteht. Ich wollte meinen ersten Karpfen der Saison fangen. Habe ich gemacht. Dazu zwei Störe. Als ich wieder alles im Auto verstaut habe und auf dem Heimweg bin, denke ich so bei mir: „Wenn Eis drauf gewesen wäre, wäre es aber auch nicht schlimm gewesen, nur hätte ich dann nicht im Januar meinen ersten Karpfen gefangen“!

Gruß Christoph Freuen

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