12.09.18

Sternstunden am Natursee - Kai Lander

Der richtige Spot

Seit ich fest im Familienleben eingespannt bin, ist es nicht mehr so einfach, Familie, Arbeit und Angeln unter einen Hut zu bekommen.Im frühen Sommer konnte ich mir eine Kurzsession einrichten, um vom Boot aus an einem sehr großen Natursee zu angeln. Einen Platz hatte ich im Vorhinein nicht vorbereitet, wollte ich doch die Fische mit kleinen Fallen auf ihren natürlichen Fressplätzen nachstellen. Spät am Abend, nach der Arbeit, erreichte ich das Gewässer. Ich steuerte eine mir vertraute große Bucht an und sah im letzten Tageslicht einiges an Fischaktivitäten. Hier wollte ich es in der ersten Nacht versuchen. Bis ich alles hergerichtet hatte und das Boot vor Anker lag, war bereits die Dunkelheit eingezogen. Meine Ruten bestückte ich mit Heli Safe Montagen und 5 oz Distance Bleien. Als Vorfächer kamen wieder ausschließlich Multirigs drauf, gebunden aus N-Trap 30lb, Sinkers, Choddys in Größe 4 und weißen Pop Ups. Auf einem kleinen, schlammigen Areal in zwei Metern Tiefe, das mit dichtem Bodenkraut überzogen war, in dem sich tausende Gammarus tummelten legte ich eine Rute ab. Mit dem Füttern hielt ich mich zurück, zwei Hände voll Tigernüsse sowie einige kleine süße Dumbells sollten völlig ausreichen. Nachdem ich rudernd etwa zehn Meter Distanz zur Montage erreicht hatte, hängte ich noch ein schweres Backlead in die Schnur, denn die sollte gut versteckt im Kraut liegen. Auf diesem Platz lag nun meine größte Hoffnung auf schnellen Erfolg. Die zweite Rute fand ihren Weg an ein Schilffeld, bestückt mit einem Single Hookbait. Gegen Mitternacht war endlich alles fertig - genauso wie ich von dem Arbeitstag. Schlafen konnte ich dennoch nicht richtig, der intensive Espressokonsum vom Tage und die Rufe einer Rohrweihe hielten mich wach. Gegen 1:00 Uhr raste eine der Tournament Spulen los - es war die Rute auf dem Krautfeld. Ein massiger Spiegler hing da am Haken fest und tobte wie wild hin. Ich war gespannt, ob meine selbst aufgebaute Rute das alles mitmachen würde - doch sie hielt stand. Ein mega Brett von über 18 Kilo landete in den Keschermaschen, so wie es mir erhofft hatte. Die Rute lag schnell wieder auf dem Krautfeld und zwei Stunden später wiederholte sich das Drill-Spektakel. Der nächste Fisch von über 18kg, noch dazu mit markantem, großen Paddel hatte sich perfekt gehakt. Dieser Fisch sah einfach perfekt aus.


Danach verging keine Stunde, bis der Popi zum dritten mal auf dem Krautspot aufgenommen wurde. Es war sofort zu spüren, dass am anderen Ende etwas Gewichtiges hing. Dieser Fisch klebte förmlich am Grund und sammelte dazu noch einiges an Kraut auf. Mehrmals musste ich die Rute beiseite legen, um die Schnur vom Kraut zu befreien. Im klaren Wasser konnte man diesen fetten Karpfenlaib sehr gut beim Versuch, sich den Haken herauszuschlagen, beobachten. Ich wollte den Drill nicht ewig andauern lassen, hielt die Spule fest und zog den Fisch über die weiche 11ft Rute an die Oberfläche und direkt ins Netz. Ich erkannte den Fisch sofort wieder, hatte er doch bereits einige Monate vorher auf meiner Matte gelegen. Nur sah er dieses mal noch dicker aus - so zeigte die Reuben Heaton dann auch tatsächlich 20,5 Kilo an. Ein fettes Grinsen ging mir trotz der brennenden Augen nicht mehr aus dem Gesicht. In der Morgendämmerung schoss ich rasch einige Bilder per Selbstauslöser von den Fischen. Ich war überglücklich mit dem Geschehen der letzten Stunden, sowie mit der Spotwahl. Am Tage war der Bootsverkehr in meinem Bereich ziemlich stark, so tat sich nichts an den Ruten. Ich spielte mit dem Gedanken, den Gewässerbereich zu wechseln, blieb aber nach ewigem überlegen in der folgenden Nacht doch vor Ort. Dieser Abend war anders, keine Fischaktivitäten waren an der Oberfläche auszumachen. Mit dem Bauchgefühl, das diese Nacht ruhig bleiben könnte, haute ich mich auf`s Ohr, Schlaf hatte ich dringend nötig. Bis auf einen kleinen Spiegler-Nachkömmling, blieb es bis zum nächsten Morgen ruhig. Hätte ich doch auf meine Intention gehört, den Platz zu wechseln. Ändern konnte ich es jetzt nicht mehr, nur für die Zukunft berücksichtigen. Mit dem Ergebnis war ich aber dennoch mega zufrieden.

Grüße, Kai

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