01.11.14

Suche nach dem Super-Schuppi - Sebi Roth

Sebi Roth ist auf der Suche nach dem Super-Schuppi. Wir sind gespannt, wie diese Zielfischjagd ausgeht. Doch auf dem Weg zu dem Einen fängt Sebi viele andere gute Fische:

Sicher kennen viele unter uns solche Geschichten von Vereinskollegen, Vorständen oder Anglern älteren Jahrgangs, dass in dem Gewässer, welches man gerade befischt, ein riesiger Schuppenkarpfen seine Bahnen zieht. Oft tragen die Fische dann Namen wie Otto oder der große Hugo und die Geschichten wie „ich hab ihn schon einmal an der schweren Rute dran gehabt und trotz Stahl hat er mir alles abgerissen“ reichen weit über den Tellerrand, was dann schnell unter der Kategorie Anglerlatein einzuordnen gilt. Trotz solcher stark ausgefeilten Storys ist an jeder Geschichte immer ein Funken Wahrheit! Genau dies erlebte ich selbst, als ich vor ein paar Jahren ein neues Gewässer zu befischen begann. Ich wollte es wissen, ob hier wirklich ein Fisch schwimmt der extrem groß ist.

Der See ist etwa 14ha groß und bis zu 28m tief. Er wurde von 1920 bis 1983 zum Abbau von Sand und Kies genutzt. Später wurde dieses Gelände als Naherholungsgebiet umgestaltet und gleicht nun einem Stadtpark, der mitten in ein Wohngebiet integriert ist. Badegäste, Freizeitmenschen und Spaziergänger sowie Hunde gehören ebenso zur Tagesordnung wie ein Tretbootverleih und etliche Modellbootfreunde. Dazu kommt ein Vogelschutzgebiet das eine komplette Längsseite blockiert! Man kann also sagen, dass einem nicht mehr Steine in den Weg gelegt werden können. Dazu kommt das Nachtangelverbot in BW. Ok wann soll ich denn dann fischen dachte ich mir, gerade große Karpfen muss man ja bekanntlich gerne mal aussitzen. Wo ein Wille da ein Weg – natürlich immer mit dem Bild im Kopf, hier den großen Hugo zu laden. Ich fischte 2 Jahre lang sporadisch sehr nervenraubende Tagesansitze zwischen Nudisten und grillenden Jugendgruppen. An die Fische zu gelangen war so zwar möglich und auch die Größe der Fänge war gut, doch ein entspanntes Angeln ist sicher etwas anderes. Nach 2 Jahren und einigen grauen Haaren mehr musste ich es also endlich akzeptieren, Hugo ist bereits gestorben oder nur ein Märchen! Gesehen hatte ich diesen Fisch nämlich selbst nie, doch aus vertraulicher Quelle wurde mir von ernsten Karpfenanglern erzählt, dass es den Fisch wirklich gibt und sie ihn schon einmal gesehen haben.

Ich fischte darauf hin wieder mehr an anderen Gewässern, um die ganzen Unannehmlichkeiten, die ich dort erleben musste, zu vergessen. Durch den Luxus der vielen guten Gewässer hier in unserer Region, war ich ja nicht zwanghaft auf diesen einen See angewiesen. Immer wieder hörte ich von schönen Fängen bis knapp an die 60pfd. Marke doch ein Schupper wie die berühmte Mary war auch dort nicht dabei. Mein Fieber verging also nach und nach immer mehr und meine Besuche an diesem See reduzierten sich auf Spaziergänge mit meinem Mädel. Genau bei solch einem Spaziergang in diesem Frühjahr passierte dann auch das schier unglaubliche, ich sah beim Überqueren einer Brücke wie gerade ein wirklich extrem großer Schupper unter den Seerosen verschwand. Sofort war klar, dass ich nicht mehr von dieser Brücke fort gehen werde, bis der Kollege sich noch einmal gezeigt hat. Mit einem nervösen Magen wie ein Schulkind, das zum Zahnarzt muss, standen wir nun auf der Brücke und starrten auf das am Ende einer Bucht liegende Seerosenfeld. Der kann nur hier wieder raus schwimmen waren wiederholt meine Worte und dem war auch so. Gefühlte 5 Stunden später, was wohl doch nur einige Minuten waren, schwamm dieser beschuppte Kollege fast schon schläfrig ganz entspannt aus den Rosen und verschwand in den Weiten eines Krautfelds. Was ein Bollen kann ich nur sagen, hochrückig und trotzdem lang wie Teufel. Diesen alten Burschen zu fangen ist eine harte Aufgabe für den Herbst dachte ich mir. Tagelanges Kopfkino - angeführt mit den Bildern von diesem Fisch - rissen mich fast aus dem Leben. Doch der Alltag kehrte zurück und einige andere traumhafte Fänge hielten mich bestens bei Laune.

Ende August war es dann soweit, ich machte mir die ersten Gedanken über Futter und Platzwahl. Es muss eine Stelle sein, welche die Fische durch das Vorkommen von natürlicher Nahrung sehr lange bis in den späten Herbst immer wieder anschwimmen werden. Es muss aber von der Wassertiefe auch so gelegen sein, dass Wetterwechsel nicht gleich die Stelle zur toten Zone werden lassen. Nach langer Suche hatte ich eine leicht mit Kraut bewachsene Muschelbank an einer steil abfallenden Kante gefunden, die von 6 auf 21m abfällt. Nach einem Tauchgang war klar – alles voll mit Körbchen- und Dreikantmuscheln und Fressspuren ohne Ende. Hier fische ich also im Esszimmer der Burschen. Doch was kommt gegen die Natur. Fressbares in Hülle und Fülle am Grund des Gewässers und dann komme ich mit meinen paar Kugeln dagegen an? Ich brauche als einen Köder der vom Nährwert die Natur ausstechen kann. Meine Vorstellung an solch einen Köder war also getroffen und ich rief meinen Freund Thomas Tschernich von TT Baits an. Sebi vertraue mir und fische dort den Monster Mussel, sagte Tom. Ich war anfangs sehr skeptisch, mit einem Ready Bait in rauen Mengen diesen Platz zu füttern. Ein Oldschooler wie ich fischt ja normal nur Freezer. Nach den ersten 25kg Monster Mussel, welche ich in 3kg Einheiten alle 2 Tage gefüttert hatte, wagte ich den ersten Ansitz. Einfach und effektiv, kam an beiden Latten wie immer mein Liebling zum Einsatz, ein Blow-Back Rig gebunden aus 20lb Korda N-Trap Soft und dem Wide Gape X in Gr. 6 beködert mit einem 20er Boilie. Es lief wie der Teufel! Ok der Platz läuft und nun darf er auf keinen Fall kaputt gefischt werden. Wieder warf ich eine Woche Knödel ein. Das Wetter war ja noch immer eher ein schöner Spätsommer als Herbst und ich hoffte auf einen ersten Einbruch mit Frost in der Nacht. Vom Reiz gejagt, fischte ich dann erneut einen morgendlichen Ansitz von wenigen Stunden, um keine große Unruhe auf den Platz zu bringen. Bam, wieder lief es super gut, 4 Fische und davon einer über 40 Pfund. Ich konnte so in wenigen Ansitzen auf 5 Wochen verteilt 4 über 40 Pfd fangen. Sowie einige 30er. Der Zielfisch blieb zwar bis dato aus, doch nun kommt ja erst das raue Wetter und die stürmischen Herbsttage. Ich bin dann mal füttern und halte euch natürlich auf dem laufenden!
Sebi

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