30.05.15

Tammo reagiert - Tammo Schiller

Tammo Schiller kann nicht nur gut schreiben, er macht auch sehr interessante Beobachtungen am Wasser, auf die er schnell reagiert. Das fasst er hier in Worte:

Mit zittrigen Händen greife ich wieder zur Zigarette, bestimmt die Vierte in kürzester Zeit die ich mir anzünde. Mir ist warm und kalt zugleich, mein Herz schlägt spürbar und ich bin innerlich völlig aufgelöst. Ob ich gerade einen guten Fisch gefangen habe? Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Es ist später Vormittag, die Nacht habe ich durchgefischt und konnte außer 2 Piepern keine Aktion bekommen. Nicht unnormal an diesem Gewässer. Als ich morgens allerdings die Plätze kontrollierte, welche sich nah am Ufer unter ein paar Bäumen befinden, war ich verwundert. Außer dem Hakenköder, war auf dem feinen Sandboden nichts mehr zu sehen, alles leergeräumt und weggefressen. Ich ließ die Rute liegen und fütterte nur ein paar Boilies nach... Das ist jetzt 3 Stunden her und ich befinde mich oben in einem Baum direkt über meiner Angelstelle und was dort unter mir passiert, lässt mich fast ausflippen. Ich habe 2 sehr gute Spiegler direkt auf meinem Platz und diese fressen ganz gemütlich alles was ihnen ins Maul kommt. Hätte ich es nicht selbst gesehen, ich hätte es nicht geglaubt, einer der Fische hat bereits 3 mal den Hakenköder im Maul gehabt und so wieder ausgeblasen. Das Blei hat sich nicht einmal bewegt, der Fisch bleibt einfach auf der Stelle stehen. Meine Nerven liegen blank! Das von mir verwendete Vorfach genießt zu 100% mein Vertrauen, aber es kann einfach nicht greifen, da der Fisch sich wirklich kaum bewegt. Was ich hier beobachte, habe ich schon häufiger beim Stalken sehen können, es gibt Fische die ganz dicht über dem Boden fressen und sich nur ganz langsam bewegen oder einfach auf der Stelle stehen. Bevor der Haken greifen kann, wird er alles wieder ausgespuckt. Die Fische räumen ganz in Ruhe den Platz leer und verschwinden wieder in der Tiefe. Zurück bleibt mein Hakenköder und mein zerstörtes Nervengerüst. Ich muss einpacken, die Arbeit ruft und mir bleibt keine Zeit mehr.

2 Tage später bin ich zurück und im Gepäck die angepassten Vorfächer für genau solche Fische wie die, die hier ihre Bahnen ziehen. Für die, die gerne unbemerkt unsere Plätze leerräumen und uns in dem Glauben lassen, das keine Fische da wären. Das Vorfach ist sehr kurz und wird, bis auf das Haar, durchgebunden aus steifem N-Trap und mit einem Krank Choddy der Größe 6 versehen. Durch das nach außen gebogene Öhr und dem steifen Vorfach bildet dieser Haken beim Aufnehmen des Köders eine sehr agressive "Kralle" und hakt zu 99% genau in der Unterlippe des Fisches. Um ein Gelenk für mehr Beweglichkeit zu haben, wird das Ende vom N-Trap mit einer kleinen Schlaufe an den großen Ring eines QC Ring Swivels gebunden. Den Wirbel nutze ich falsch herum und das hat 2 Gründe. Ich möchte die Beweglichkeit durch den großen Ring nutzen und auf einfache Art die Vorfächer jederzeit wechseln können. Auf das Haar kommt ein mit Kork ausbalancierter 18mm Boilie, der dem Fisch ins Maul fliegen soll. Bei kurzen Vorfächern ist das Blei sehr dicht am Fisch und neben der Verletzungsgefahr beim Schütteln des Kopfes, kann der Fisch das Gewicht außerdem nutzen, um den Haken loszuwerden. Damit das nicht passieren kann, spleiße ich eine kleine Schlaufe ans Ende des Leadcores und ziehe ein Inlineblei ohne Einlage und einen Anti Tangle Sleeve auf. Die Schlaufe des Leadcores klippe ich nun einfach in den QC Swivel, ziehe den Sleeve drüber und schiebe das Blei herunter. Was hier nun entsteht, ist ein "Semi fixed Inlineblei" und wenn der Fisch mit dem Kopf schlägt, rutscht das Blei vom Sleeve und gleitet frei auf dem Leadcore. Der Fisch kann das Gewicht nun nicht mehr nutzen um den Haken freizuschütteln. An das andere Ende des Leadcores kommt bei mir meistens noch ein Shot Sleeve mit No Trace Perle, welches das Blei stoppt und verhindert, das dieses auf der Hauptschnur hin und her gleitet und diese vielleicht beschädigt. Bei einem Abriss drückt das Blei die Perle vom Sleeve und gleitet drüber weg. Savety first, eigentlich für Chod Rigs aber auch hier eine gute Alternative. Die ganze Montage ist ein Zusammenspiel von Produkten, die eigentlich für andere, ähnliche Zwecke gedacht sind, aber mir ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

Es ist schon spät am Abend, die Montagen liegen seit einer Stunde auf ihren Plätzen und ich bin mir sicher, dieses mal wird es klappen. Es dauert noch etwas, aber in der Morgendämmerung wird der Stow aus der Schnur gerissen und ein spürbar verärgerter Fisch zieht kontinuierlich im tiefen Wasser seine Bahnen. Ich bin mir sicher, es ist einer der Fische, die ich vor ein paar Tagen vom Baum aus beobachten konnte, ein schöner großer Spiegler und der Haken sitzt wunderbar in der Unterlippe. Ein Auge für Kleinigkeiten kann manchmal so wichtig sein und das Zusammenspiel von Beobachtung, Reaktion und gutem Material war erfolgreich!
Grüße, Tammo

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