14.09.14

Tom testet - Korda Krank

Thomas 'Tom' Talaga ist der erfahrenste Angler im Team. Er nähert sich dem 30. Jahr Karpfenangeln. Als Mitarbeiter in einem großen Angelfachgeschäft ist ehrliche Beratung sein Tagesgeschäft. In seiner neuen Kolumne „Tom testet“ stellt er neue Produkte vor und beschreibt, wann wir sie einsetzen sollten und wann vielleicht besser nicht. Los geht es mit dem Korda Krank Haken:

Noch niemals zuvor haben Korda und seine Partnerfirmen eine solche Vielzahl an Neuheiten auf den Markt gebracht, wie es in der letzten Zeit der Fall war. Als Außenstehender Betrachter kann man hierbei rasch den Überblick verlieren. Klar, die Eigenschaften dieser neuen Produkte werden in ihrer Artikelbeschreibung immer bekannt gegeben. Doch welche Vorteile bringen sie letztendlich in der Praxis? Wozu eignet sich diese oder jene Neuerung? Nicht selten gibt es Dinge, die sich für ganz bestimmte Begebenheiten als absolut goldrichtig herausstellen. In anderen Situationen würden sie hingegen auf ganzer Linie versagen. Ich denke, sicherlich jeder von wird bereits mehr als nur einmal eine so geartete Situation erlebt haben. In dieser neuen Kolumne möchte ich Ihnen möglichst viele dieser Produkte in der Praxis vorstellen und Ihnen mit meinen persönlichen Erfahrungen und Ratschlägen zur Seite stehen. In den meisten Fällen werde ich Ihnen hierbei zunächst die vorgefundene Angelsituation möglichst exakt beschreiben. Im Anschluss daran möchte ich Ihnen dann erläutern, warum ich dieses bestimmte Produkt klar bevorzuge. Dabei soll die Nachvollziehbarkeit im Vordergrund stehen. Lieber ganz, ganz viel spannende Praxisnähe als ellenlange, langweilige Theorie.

Einfach nur krank
Zu keinem neuen Produkt habe ich bisher mehr Nachfragen erhalten als es beim Krank Haken der Fall war. Als Mitarbeiter eines großen Angelshops werde ich von unserer Kundschaft fast täglich um meine persönlichen Erfahrungswerte zu diesem Hakenmodell gebeten. Von daher möchte ich diese neue Serie auch mit exakt diesem Hakenmodell beginnen. Für wahr, mit der Betitelung Krank hat Tom Dove, der Entwickler und somit Erfinder dieses Hakens, den Nagel auf den Kopf getroffen. Vorsichtig formuliert, würde ich die Formgebung dieser Haken als äußerst merkwürdig bezeichnen. Doch sein extrem großer Hakenbogen, das sogenannte Gape, sowie seine schön lange Hakenspitze, lassen ihn trotzdem sehr interessant erscheinen. So oder zumindest ähnlich hätte mein allererstes Urteil lauten können. Die Mischung aus einem Kurv Shank und Wide Gape ist bereits auf den ersten Blick unverkennbar.

Hammer aggressiv
Meiner Einschätzung nach würde so eine Hakenform äußerst aggressiv greifen. Und bedingt durch seinen weiten Bogen, müsste er hierbei auch sehr viel „Fleisch“ fassen. An Gewässern mit extrem kampfstarken Karpfen gestaltet sich ein Drill zumeist äußerst langwierig. Logisch, je länger sich ein Fisch im Innfight befindet, umso mehr kann ein Haken im Fischmaul arbeiten. Hierbei kann er sich regelrecht lockern und letztendlich auch ausschlitzen. Wenn dann auch noch sehr weiche Mäuler ins Spiel kommen, gehören ausgehakte Fische zur Tagesordnung. Exakt an so einem Gewässertyp setzte ich die Kranks zum ersten Mal ein. Zum Setup gehörte ein 30 Pfund starkes, ummanteltes Geflecht, an welchem ich den Haken mittels No Knot (knotenlosen Knoten) angeknotet hatte. Für die Haarlänge wählte ich zwischen Knoten und Köder die Hakenlänge als Spielraum. Nur für das Haar entfernte ich zuvor die Kunststoffbeschichtung des Vorfachmaterials. Ein mit Knetblei bestückter, großer Sinker komplettierte mein Vorfach. Kein Schrumpfschlauch, kein Silikon, alles absolut schnörkellos. Das Ganze nur noch mit Safety Clip, einem Stück schweren Schlauch (Tube) und Blei (Lead) vereinen, das war es auch schon. Simpel und einfach, so mag ich das. Bei einer Vielzahl von Würfen bekam ich hiermit nicht eine einzige Verhedderung des Vorfaches. Und noch besser, bei ausnahmslos jedem Fisch saß der Haken bombig im Maul. In der Regel fand ich den Haken schön weit innen in der Unterlippe wieder. Nur ein einziges Mal hakte er in der Seite des Maules. Auch wenn das Fischmaul dort sehr dünn und noch erheblich weicher ist, auch hier saß mein Haken absolut perfekt und fest. Aussteiger – absolute Fehlanzeige! Bei weiteren Experimenten setzte ich auf Montagen mit einem Rig Ring am Hakenschenkel. Eine signifikante Änderung des Hakverhaltens konnte ich dabei allerdings nicht feststellen. An viel befischten Gewässern, wie es z.B. an Paylakes der Fall ist, könnte so eine minimale Abwandlung der Haarfixierung allerdings weit ergebnisträchtiger sein. Wahrscheinlich fragen Sie sich, wofür ich die Kranks wohl eher nicht einsetzen würde? Bedingt durch seine weite und lange Hakenform und der dazugehörigen Stärke des Stahls, traue ich ihm einfach keine Hardcore-Drills zu. Die entstehenden Hebelkräfte könnten zuviel des Guten für ihn sein. Ganz besonders wenn er noch nicht komplett im Maul eingedrungen ist. Von daher sind Hindernisgewässer für ihn wohl besser tabu. Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Ausflug in die Praxis eine kleine, jedoch hoffentlich entscheidende Hilfestellung geben. Bis zum nächsten Mal wünsche ich Ihnen jedenfalls viele, tolle Fänge und den einen oder anderen davon natürlich mit den beschriebenen, „kranken“ Haken.
Thomas Talaga






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