07.10.16

Vom Wind geführt - Max Middelhoff

Fast ein halbes Jahr musste vergehen, bevor ich mich wieder fürs Angeln motivieren konnte. Das Frühjahr verging viel zu schnell ohne eine einzige Nacht am Wasser. Ein paar Stunden zwischendurch, jedoch brachten sie mir nicht den gewünschten Drive zum Fischen. Erst zum Spätsommer hin begann es wieder zu kribbeln und das Gedankenkarussel setzte sich wieder in Schwung. Leider fehlt mir momentan die Zeit für ausgedehnte und vorbereitete Sessions, so muss ich mich mit dem begnügen was mir bleibt. Einzelne Nächte zwischen den Vorlesungen sollten mir das Feeling zurückbringen und hoffentlich ein paar gute Fische bescheren. Wenn ich unvorbereitet an den See fahre, nehme ich mir sehr viel Zeit, um den geeigneten Spot zu wählen- möchte ich doch erfolgreich sein und nicht tatenlos hinter den Ruten sitzen. Mit dem einen Auge aufs Barometer und dem anderen auf die Windrichtung wähle ich meine Zeit so, dass wenigstens die Rahmenbedingungen stimmen. Ich liebe starken auflandigen Wind, am besten aus Süd-West kommend. Bereits freitags war ich für ein paar Stunden am See, hauptsächlich um die Fische zu suchen, wollte ich doch Sonntagmorgen für eine Nacht rausgehen. Schon während der paar Stunden die ich im Eingang einer kleinen Bucht verbrachte, konnte ich einige Fische fangen. Bevor ich den See verließ, verteilte ich einige Hände Banoffees über die Spots und erhoffte mir so für die geplante Nacht bessere Chancen. Viel zu spät kam ich Sonntagmorgen gegen 7 Uhr vom Feiern nach Hause. Den Wecker stellte ich auf 12 Uhr mittags- fünf Stunden Schlaf mussten reichen, denn ich war extrem zuversichtlich. Schon die ganze Nacht zog ein starker Wind aus Westen über das Kölner Umland und sollte zum Abend hin immer stärker werden. Das waren genau die Bedingungen auf die ich gewartet hatte. Als ich am See ankam, hatte ich gleich das Gefühl, dass der bereits vorbereitete Platz nicht die beste Lösung sein würde. Zwar bekam die Bucht einiges an Wind ab, am Ostufer jedoch glich der See mit den hohen Wellen der Ostsee. Hier musste ich sitzen. Schnell baute ich mein Pioneer und die Liege auf und stickte ein paar Hände Boilies großflächig über das vor mir liegende Areal. Die erste Rute beköderte ich mit einem kleinen 12mm Wafter am Krank-Rig, die zweite hingegen sollte etwas auffälliger sein. Hier wählte ich einen gegooten Banoffee Pop Up am Multirig. In der letzten Zeit habe ich diese Art der Pop Up Präsentation enorm schätzen gelernt. Die Möglichkeit den Haken schnell auszutauschen macht dieses Rig für mich unschlagbar, denn nach einem Biss muss ich nicht das ganze Vorfach, sondern nur den Haken durch einen neuen ersetzten. Noch bevor die Dämmerung einsetzte, lief meine rechte Rute ab. Was für ein Start! Ich hatte den Fisch gerade versorgt, als auch die zweite Rute loslief. Den starken Wind im Gesicht, stand ich brusttief im Wasser und drillte einen enorm kampfstarken Schuppi, der den Zeiger der Heaton ordentlich drehen ließ.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war ich mehr als zufrieden und froh, einmal mehr auf mein Bauchgefühl gehört zu haben. Die Nacht verging ziemlich ruhig, doch die Morgenstunden brachten mir noch zwei fette Spiegler, wobei auch hier der Dickere auf den kleinen Wafter kam.
Entgegen der Norm, füttere ich auch zum Herbst hin nicht viel. Ich möchte die Fische schnell auf den Hakenköder bringen und nicht unnötig sättigen. Mir sind Faktoren wie der Spot, der Wind oder der Luftdruck wichtiger als lange vorbereitete Futterplätze. Ohne einen solchen festen Platz, fällt es mir deutlich leichter, spontan die Plätze auf Grund der Wetterbedingungen oder sich zeigender Fische zu wählen. Sind die Fische sowieso im Areal, braucht es nicht viel Futter für ein paar schnelle Bisse. Und mit wenig Futter meine ich auch wenig. Ein halbes bis ganzes Kilo pro Nacht ist in meiner Angelei meistens absolut ausreichend. Ein waches Auge aufs Wasser gerichtet, verrät so manches Mal viel über den Aufenthaltsort der Fische. Also Handy weg und flexibel sein, so klappt es zumindest bei mir, auch einzelne Overnightern erfolgreich zu nutzen.

Ja, so muss das sein!

Über 21 Kilo!!!

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