17.12.18

Von Veränderung und alten Riesen I - Max Middelhoff

Es ist kalt geworden. Schlagartig hat sich der warme Indian summer verzogen und sein Platz wird von Kaltfronten eingenommen. Jetzt, wo die orangenen, gelben und braunen Blätter langsam von den Bäumen schweben, bereitet sich auch die Unterwasserwelt auf den Winter vor. Ohne Zweifel, die beste Zeit für Dickfische.
Der Blick auf den Kalender löst in mir ein leichtes Unwohlsein aus - sollte ich doch schon längst an meiner Bachelorarbeit sitzen. Durch die Erinnerungen an die letzten Monate fällt es mir doch wesentlich leichter, mich auf den angestrebten Abschluss zu konzentrieren. Wenn ich es schaffe, schiebe ich noch die ein oder andere Nacht zwischen die Tage am Schreibtisch und im Dezember steht ein Trip an den Gigantica an.
In den folgenden Updates berichte ich von meiner Angelei zwischen Uni, Fernbeziehung und der der Jagd nach einem ganz besonderen Fisch im vergangenen Jahr.

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Nacken schiebe ich meinen Trolley den Waldweg lang. Auch wenn das Wasser Mitte März wirklich noch eisig ist, muss ich einfach an den See und die erste Nacht des Jahres machen. Obwohl ich den See, an dem ich mich befinde, schon einige Jahre beangle, zeigt er mir jedes Jahr ein neues Gesicht. Er ist und bleibt ein für mich ganz besonderer Ort. Die frische Luft tut gut. Schnell ist das Brolly aufgebaut und zwei einzelne Pop Ups am Heli ausgeworfen.
Die Nacht über schweigen die Bissanzeiger, Erfolg hat sie mir trotzdem gebracht - sie weckt meine Motivation.

Es ist mittlerweile Anfang Mai und die Natur hat ihr hübsches Frühlingskleid angezogen. Die letzten Wochen fand ich keine Zeit zum Angeln und bin nun umso heißer. Die Wassertemperatur ist deutlich angestiegen und durch die warmen Sonnentage werden die ersten Fische animiert, in die Laichbereiche zu ziehen. Die letzten Wochen pendelte ich zwischen Köln und Wien und versuchte parallel meine Seminare in der Uni zu managen. Eine intensive, aber schöne Zeit.

Langsam rudere ich in die kleine Bucht, in der ich die vorigen Jahre immer wieder Fische fangen konnte. -Hoffentlich sind sie schon da, denke ich und noch während ich dem Gedanken nachspüre, verrät sich der Erste, laut krachend, keine zehn Meter vom Boot entfernt. Schnell beködere ich die eine Rute mit einem auffälligen Pop Up und pendele diese unter die Büsche. Nur kurze Zeit später wird meine Rute gegen die Bootswand gerissen und nach einem kurzem aber heftigen Drill an der neun Fuß Rute schließen sich die Maschen meines Keschers um einen massiven Schuppi. Ich erinnere mich an die Wette, die ich lustigerweise am Vorabend mit einem Kumpel machte. Ich wettete, dass mein erster Fisch des Jahres 35 Pfund hat. Als die Waage bei genau 17,5 Kg stehen bleibt, gibt es kein Halten mehr. Dass auf diesen schnellen Biss noch zwei weitere gewichtige Schuppenkarpfen auf den kleinen weißen Pop Up unter den Büschen beißen, macht den Nachmittag unvergesslich.
Nur vier Stunden später fahre ich gut gelaunt in Richtung Bootsanleger. Auf der Speicherkarte befinden sich tolle Erinnerungsfotos von drei großen Frühjahrsschuppis.
Was ein Einstand, hatte ich das Jahr anfangs noch skeptisch im Blick auf das Angeln gesehen.
Ich merkte, dass ich irgendwie keine Lust hatte, meine Bilder, wie die letzten Jahre, laufend zu veröffentlichen und entschied mich so die wenige Zeit zu genießen und nur für mich angeln zu gehen. Damit nahm ich mir vor allem den Druck regelmäßig zu fangen und Fotos zu schießen. So frei von jeglichen Erwartungen fühlte sich die Saison doch gar nicht so schlecht an. Ganz nach dem Motto „alles kann, nichts muss“ ging ich angeln, wenn ich Zeit hatte.

Als ich mich eine Woche später wieder früh morgens auf den Weg zum Bootssteg mache, bin ich gespannt bis in die Haarspitzen. Noch immer euphorisiert von dem Schuppi Trio der vorletzten Woche rudere ich über den See. Schnell sind meine Montagen in die kleine Bucht gependelt. In den nächsten Stunden fange ich einige kleinere Fische - alle gezeichnet vom anstrengenden Laichgeschäft, die Besseren bleiben aus.
In den nächsten Tagen würden sich die Fische wieder im gesamten See verteilen. Zeit den Trolley zu packen und mobil auf die Suche nach Fischen zu gehen.

Max Middelhoff

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE