04.01.19

Von Veränderung und alten Riesen II - Max Middelhoff

Die folgenden Wochen im Mai angelte ich einige Nächte zwischen den Vorlesungen und der Arbeit. Dabei machte ich meistens nur eine Nacht und versuchte durch die Beobachtung der Gegebenheiten wie Wind, Mond und Luftdruck erfolgreich zu sein. Gerade nach der Laichzeit, wenn sich die Fische wieder im See verteilen und ordentlich Hunger haben, braucht es meiner Erfahrung nach nicht viel. Zwei kleine Poppis am Slip-D-Rig zwischen einigen attraktiven und großflächig gestreuten Boilies verrichten zuverlässig ihre Arbeit.
Es ist das vorletzte Maiwochenende und die Natur ist mittlerweile gänzlich erwacht und zeigt sich von seiner schönsten Seite. Wundervoll, wie mir der starke süd-west Wind ins Gesicht bläst und den See mit Schaumkronen verzierten Wellen bedeckt. Entspannt werfe ich meine beiden Ruten auf 17 Rutenlängen in den Clip. Ein leises Ping gefolgt von einem harten Dong lassen mich zufrieden grinsen. Die liegt, denke ich mir und sticke mit dem Rohr 20-30 Boilies weitflächig über die Ruten. Die letzten Nächte waren die Fische vor allem in den Morgenstunden bis 11 Uhr aktiv, was mich auf eine ruhige Nacht nach dem langen Tag in der Uni hoffen lässt. Ich habe an verschiedenen Seen erlebt, wie sich die Beißzeiten über die Jahreszeiten aber auch über die Jahre generell verändern. Mit dem Wissen über die Beißzeit im Hinterkopf, lohnt es sich oft für wenige Stunden, zur richtigen Zeit am See zu sein.
Das Zischen der Bialetti kündigt den ersten Kaffee des Tages an.
Gefangen habe ich in der letzten Nacht nichts, doch noch bevor ich meine Tasse geleert habe, durchbricht ein Rücken im Morgengrauen die Wasseroberfläche. Nur kurze Zeit später rollt noch einer und ehe ich mich versehe, stehe ich mit krummer Rute im Wasser und blicke auf den aufsteigenden Nebel. Kraftvoll sind die Kopfstöße meines Gegners und die alte SS3000 hat mächtig zu arbeiten. Mein Kumpel Joshi hat sich zum Frühstück angekündigt und noch bevor der Fisch sicher im Kescher ist, höre ich ihn schon den Hügel runter kommen. Nice, so kann er mir gleich ein paar Fotos machen und ich muss mich nicht mit dem Selbstauslöser abmühen. Gemütlich sitzen wir zusammen und quatschen, als auch die zweite Rute abläuft.

Was ein Frühjahr! Mir spielen nicht nur meine geschärften Sinne, sondern auch eine ordentliche Portion Glück in die Karten und so habe ich bereits Ende Mai mehr Fische über 20 Kilo gefangen als in der gesamten vorigen Saison. Die Angelei mit wenig Futter und auffälligen Ködern bringt mir viele schöne Fische und das ein oder andere Erinnerungsfoto findet auf der Festplatte seinen Platz.
Der ständige Blick auf die Wetterapp sagt einen Wetterumschwung für Ende Juni voraus. Starker Wind und Regen mit stetig abfallendem Luftdruck. Mittlerweile habe ich Semesterferien und kann mir die Zeit nehmen, mehrere Nächte am Stück zu angeln. Auf der Suche nach einem für mich ganz besonderen Fisch beschließe ich die Taktik zu ändern und drei Tage einen Platz, den ich zuvor auf Grund von sich zeigenden Fischen auswähle, großflächig mit einigen Händen Boilies zu befüttern, ohne auf ihm zu angeln. Die Ruten verteile ich in diesen drei Nächten mit auffälligen Ködern am eigenen Ufer. Ganz auf's Angeln verzichten will ich nicht. Gerade bei Vorfütterverbot und Futterbeschränkungen kann diese Taktik besonders gut aufgehen.
Pünktlich wie jeden Tag klingelt auch am dritten Morgen der Wecker kurz vor dem Sonnenaufgang. Frühes Aufstehen lohnt sich gerade im Sommer, denn in den ersten Sonnenstrahlen lassen sich meiner Erfahrung nach die meisten Fische lokalisieren. Da ich dieses Jahr fast ausschließlich in den Morgenstunden Bisse bekomme, spute ich mich, die beiden Ruten mit frischen Rigs zu versehen und auf das wirkende Futter zu werfen. Die vergangenen Tage haben die Ruten am eigenen Ufer vereinzelt Fische gebracht und auch die Fischgewichte stellten mich mehr als zufrieden. Ich entscheide mich bewusst gegen meine geliebten Pop Ups und setzte auf unauffällige Köder am Blow Back Rig, um die Fische, welche die letzten Tage ungestört Boilies fressen konnten, nicht durch auffällige Köder argwöhnisch zu machen.
Zwei schöne Spiegler und ein dicker Schuppi später meldet sich mein Bissanzeiger erneut. Der Biss erinnert eher an den einer Brasse, doch noch während dem Aufnehmen der Rute verneigt sich diese scheinbar endlos und endet im Halbkreis. Yes - der fühlt sich gut an, ob es mein Zielfisch ist? Nach endlosen Minuten Drill fühlen sich meine Beine eher nach Wackelpudding an. Das münzgroße Loch in meiner Wathose macht die Situation auch nicht angenehmer, doch irgendwie schaffe ich es meinen Kescher unter einen gigantischen Schuppenkarpfen zu schieben. Der Schöne ist es nicht, aber was mich da aus den Maschen für ein Rücken angrinst, Junge! Der alte Bekannte lässt den Zeiger der Waage kreisen und bleibt unweit der 25 Kilo Marke stehen. Personal Best- mega! Der Rotkopf sollte nicht der letzte gute Fisch sein und so entschließe ich mich gut gelaunt bereits am nächsten Nachmittag einzupacken.

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