07.02.19

Von Veränderung und alten Riesen III - Max Middelhoff

Bis zum Spätsommer habe ich es nur noch ein einziges Mal im Juli ans Wasser geschafft. Auch wenn sich die WM und die wenigen kühlen Tage positiv auf den Angeldruck auswirkte, der nahende Abgabetermin der Hausarbeiten zwang mich an den Schreibtisch. Während einem spontan Social nach einem langen Lerntag, konnte ich auf die auffälligen Poppies vom Frühjahr einige Fische fangen. Unter ihnen, auch mein erster Fisch über 20 Kilo von vor einigen Jahren- der Saurier. Ein alter, uriger Fisch mit sicher über 40 Jahren auf dem Buckel. Die erfrischende Ablenkung zum Lernalltag tat gut und fokussierte mich auf den Abgabetermin und die damit beginnenden Semesterferien.
Den unfassbar heißen Sommer verbrachte ich mit meiner Freundin oder Freunden und verzichtete ganz aufs Angeln. Nicht nur uns Menschen machte die Hitzewelle mächtig zu schaffen, auch unter Wasser litten unsere beschuppten Freunde. An einigen Gewässern meiner Umgebung starben sogar etliche Fische, ob diese an Sauerstoffmangel, Laichverhärtung, Koiherpes- Virus oder am Alter gestorben sind, darüber möchte ich nicht urteilen. Fakt ist, ich für meinen Teil möchte die Fische nicht noch zusätzlichen unter Stress setzen. So zogen die Wochen ins Land und ich wartete sehnsüchtig auf angenehmeres und aussichtsvolleres Wetter. Keine Frage, der Sommer ist schön, doch wenn die ersten kalten Tage kommen und den See morgens mit Nebel bedecken, fühle ich mich besonders wohl.
Nach der heißen Sommerperiode habe ich über die letzten Jahre oft beobachtet, dass es bis zum großen Fressen im Herbst eher schwieriger ist Fische zu fangen. Die Fische reagieren häufig launisch auf die unkonstanten Wetterverhältnisse, was sich auch auf das Fressverhalten auswirkt. Erst wenn sich die Temperaturen wieder einigermaßen einpendeln und die Wassertemperatur langsam sinkt, wird die Zeit kostbar und ich versuche jede freie Minute am Wasser zu sein.

Ich mag den Herbst mit all seinen Facetten. Bunte Blätter an den Bäumen, frostige Morgen und reisende Vögel im Himmel. Unter der Wasseroberfläche bereiten sich die Fische, durch die fallende Wassertemperatur getrieben, auf den Winter vor und schlagen sich die Bäuche noch mal so richtig voll. Da der Herbst für mich dieses Jahr nicht nur die Jahreszeit der Fische ist, sondern auch den Endspurt meines Studiums bedeutet, war mir bewusst, dass sich meine Angelzeit in Grenzen halten würde.
Anfang September fühlt sich der Sommer endlich nicht mehr ganz so kraftvoll an und ich nutze die Nacht nach der Vorlesung um einen Versuch zu starten. Geführt vom Wind entscheide ich mich für die windzugewandte Seite. Meine beiden Ruten habe ich schnell an die Uferkante vor die Füßen gependelt, einige Hände voll Boilies fanden ihren Weg ins immer kühler werdende Nass. Ich lasse mir Zeit beim Aufbauen und genieße die Ruhe im Wald. Der See ist fast leer, nur auf der anderen Seite erkenne ich ein Brolly unter den Bäumen stehen. Im letzten Licht- ich genieße gerade eine Tasse Rotwein - meldet sich meine rechte Rute. Zwei einzelne Pieper verwandeln sich langsam in einen Dauerton. Ein schöner Spiegler kann dem kleinen Wafter nicht widerstehen. Schnell schieße ich zwei- drei Bilder bevor mir das Licht ausgeht.
Bis zum nächsten Nachmittag passiert nichts mehr und auch die nächsten Versuche im September bringen meistens nur einen bis zwei Fische. Obwohl das große Fressen noch nicht begonnen hat, stimmen die Gewichte und so füllt sich das Tagebuch nach und nach mit Zahlen und Fakten.

Bis zum nächsten Mal,

Max

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