21.11.16

Warum mache ich das eigentlich - Lukas Olde

Warum mache ich das hier eigentlich alles? Wieso tue ich mir das Woche für Woche an? Jeden bis jeden zweiten Tag nehme ich diese 35 Minuten Fahrt auf mich, um wieder nichts zu erreichen, mein Ziel scheint in weiter Ferne zu liegen und doch hab ich es mir selbst ausgesucht. Inzwischen ist es richtig kalt geworden und das Wasser sehe ich nur noch als schwarze Brühe vor mir, erkenne Umrisse nur im fahlen Mondlicht. Inzwischen kenne ich die Tücken des kleinen Waldweges, weiß wo die Wurzeln der mächtigen Bäume meine schnellen Schritte zu stoppen versuchen. Doch halten sie mich nicht auf, ich möchte mein Ziel doch irgendwann erreichen. Damit meine ich nicht meinen anvisierten Platz, viel mehr den Grund, weswegen ich immer wieder in mein Auto steige und hier rausfahre. Das immer kahler werdende Blätterdach schützt mich nicht mehr vor dem frostigen Nieselregen, meine Hände kalt und steif. Der kleine PopUp ist trotzdem schnell am Choddy montiert und die Rute an die tiefe Kante gefahren.

Der Herbst wurde fast übersprungen. Während ich meine Hände über der Flamme des Gaskochers wärme, geistert wieder der Gedanke des „Warum nur?“ ´durch meinen Kopf. Ich könnte jetzt auch an einem der höher frequentierten Seen sitzen, an denen die Aussichten auf eine erfolgreiche Nacht deutlich besser wären und doch bin ich hier, genau hier. Er lässt mich einfach nicht los, und ich will es im inneren auch gar nicht. Daniel Brückmanns schrieb genau zu diesem Thema einen treffenden Bericht. Er berichtet über einen See an dem er seinen persönlichen Erfolg suchte und letztendlich nach vielen Nächten ohne Fisch endlich fündig wurde. Ein Satz blieb mir dabei besonders in Erinnerung: „Es heißt ja schließlich nicht Karpfendrillen, sondern Karpfenangeln!“ Und Recht hat er damit. Und so angelte ich weiter, ohne zu drillen.

Inzwischen wurde es zur Routine, nach der Uni schnell ins Auto geschwungen, 35 Minuten Fahrt, am Ziel angekommen, schnell in der frostigen Kälte umgezogen, Kopflampe auf und den ganzen Plunder über den schmierigen Waldweg geschleppt. Am nächsten Morgen zwischen 6 und 10 Uhr morgens (je nach Unibeginn) wieder alles eingepackt, geduscht und wieder in die Vorlesung. Dieses Prozedere wiederholte sich mehrmals die Woche. Und meistens verließ ich den See ohne den Geruch von gebrauchter Abhakmatte und Kescher im Auto. Irgendwann erbarmte sich dann noch mal ein etwa 5 Kilo schwerer Spiegler, der auf einer Falle in über 8 Metern Tiefe biss. Und dieser Spiegler war zudem auch noch blind. Die Freude war zwar echt groß, aber man kommt sich nach etlichen Blanknächten und vielen investierten Kilo Futter leicht verarscht vor, wenn dann noch ein Blinder beißt. Ganz nach dem Motto, auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Daraufhin verstrich die Zeit wieder ohne besondere Vorkommnisse. Ich wurde langsam nörgelig, was eigentlich gar nicht meine Art ist. Ich bekam von Freunden und Teamkollegen Zuspruch und Motivation, doch dranzubleiben und irgendwann werden ich dafür belohnt werden.
Weitere zwei Nächte verliefen ohne Erfolg. Es war ein Mittwochmorgen um 6.00 Uhr, ich saß wach auf meiner Liege und schaute gedankenversunken in die neblige Suppe vor mir. Ein einzelner Piepton holte mich zurück in die Gegenwart, schon lange hatte ich das Geräusch nicht mehr gehört. Ich angelte Slagline in einem sehr tiefen Areal, wieder ertönte ein einzelnes Piepen. Die Spitze wurde langsam nach links gebogen. Es dauerte nicht lange, da schallte ein erlösender Jubelschrei in die Tiefe des Nebels. Vor mir lag ein massiver schuppiger Körper in den Maschen des Keschers. Locker über zwanzig Kilo schwer und ein Aussehen, wie ich es an kräftigen Schuppenkarpfen liebe. Voller Ehrfurcht hob ich einen der Topfische des Sees in die Kamera. Ich habe meinen persönlichen Erfolg gefunden und erarbeitet. Doch ist es nur ein Etappenziel und ich werde mir in der nächsten Zeit weiterhin frostige Finger holen, um eventuell ein weiteres Individuum einnetzen zu können. Und wenn dies nicht der Fall sein sollte, so habe ich draus gelernt und kann mir selbst sagen, ich hab es wenigstens versucht und nicht aufgegeben.

Und warum nun das alles? In unserer Berufs-, Schul- oder Unizeit werden uns Ziele vorgegeben, die unser Handeln bestimmen. Wir haben uns an von Menschen gemachten Normen und Regeln zu halten. Beim Angeln hat man die Freiheit und kann sich seine individuellen Ziele setzen und persönliche Erfolge feiern. Die Einen wollen möglichst viele Runs haben, die Anderen einen bestimmten Zielfisch fangen und ich möchte einfach erst einmal nur einen Fisch am Band haben. Und das treibt mich an, der Ehrgeiz mir meine Wünsche zu erfüllen.
Lukas Olde

Warum mache ich das hier? Weil ich es will!

Was für ein markantes Tier!

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