14.12.16

Warum tue ich das - Christoph Freuen

Es weht ein eisig kalter Ostwind, es ist sternenklar, dunkel und bereits jetzt, am frühen Abend herrschen Minusgrade. Ich liege in Jogginghose und Hoodie auf der Liege in meinem Zelt und schmökere in Thomas Talaga´s zweitem Teil von Watercraft. Die Zeltheizung läuft, neben mir auf dem zum Bivvytable umfunktionierten Eimer dampft eine Tasse Glühwein und mir geht es gerade richtig gut. Nicht weil ich etwa meinen neuen PB gefangen habe. Nein. Mir geht es gut weil ich gerade die Freiheit habe, das zu machen was ich liebe. Angeln oder eben Karpfenangeln. Jetzt gerade halt im Winter. Das hält mich aber nicht davon ab. Heute gibt es schließlich genug gute und nützliche Ausrüstungsgegenstände die einen tagelangen Aufenthalt im Freien auch bei Eis, Frost und Schnee nicht zum Desaster werden lassen. Allen voran für mich die Zeltheizung und die gute alte Wärmflasche. Dicht gefolgt von einem guten Schlafsack und zweckmäßiger Bekleidung. Wie dem auch sei, all diesen Outdoorluxus habe ich dabei und ich bin guter Dinge auch den einen oder anderen Fisch zu fangen. Im Winter. Jetzt und hier.

Die Nacht war kalt und brachte tatsächlich zwei schöne Fische. Ein herrlich braun gefärbter Spiegler und ein leichenblasser Leder. Sofort, Nachts fotografiert, ein Sacken möchte ich bei der Kälte vermeiden. Schnell, schnell und immer den Fisch nass halten, denn der eisige Wind ist bestimmt nicht gut für ihre Flossen. Für meine auch nicht, denn die brennen danach vor Kälte aber zurück im beheizten Zelt ist das schnell vergessen. Als am Morgen gegen kurz nach acht Uhr die Sonne aufgeht sitze ich mit einem Kaffee in der Hand und einem Grinsen im Gesicht auf der Liege und schaue mir die nächtlichen Fotos auf meiner Cam an. Mein Blick schweift immer wieder durch einen Türspalt hinaus. Der See liegt spiegelglatt vor mir und alles ist weiß gefroren. Neben mir glüht immer noch die Heizung. Ein vollkommen herrlicher Moment.

Kurz darauf höre ich die ersten Spaziergänger hinter mir entlang gehen. Unfreiwillig wie es scheint aber Bello, Waldi und Co. mussten mal raus. Ich lausche und höre Satzfetzen wie: So verrückt müsste ich sein… Wie kann man nur…. Der ist doch bestimmt erfroren…
Mein Grinsen wird breiter. Wenn die wüsten das ich gerade die Glückseligkeit in Person bin. Sie würden es eh nicht verstehen. Nach der vierten Tasse Kaffee, zu der pünktlich die Gasflasche ihren niedrigsten Füllstand andeutet fange ich an einzupacken. Als alles auf dem Trolly verstaut ist und ich mich auf den Weg zum Parkplatz mache kommen mir die nächsten Spaziergänger entgegen. Stielecht in ihren High Tech Outdoorjacken und dazu passenden Mützen. Natürlich die mit der Wolfspfote und zig fach auf dem morgendlichen Weg zum Bäcker erprobt. Zuerst ein ungläubiger Blick. Dann bleibt der Mann stehen und fragt ob es sich wenigstens gelohnt hätte. Ich hätte ja schließlich schon seit vorgestern mit meinem kleinen Zelt hier in der Kälte gesessen. Seine Frau fügt hinzu, dass ich ja in letzter Zeit, fast jedes Wochenende hier wäre und Ihr das ja viel zu kalt wäre.

Tja, ich bejahe nur das es sich gelohnt hätte. Hätte es sich für mich auch wenn ich nichts gefangen hätte. Denn ich habe wieder einmal das gemacht was ich immer wieder gerne auf ein Neues mache. Karpfenangeln, auch im Winter.
Übrigens hat mir die Frage, warum ich das mache, noch nie einer der scheinbar verständnislosen Spaziergänger gestellt. Sie würden es wie gesagt eh nicht verstehen…
Gruß Christoph Freuen

Geschmack, Aroma, Farbe - alle Aufmerksamkeit den Ködern bitte

16,4 Kilo wiegt dieser tolle Spiegler

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